Musfest erinnert an alte Tradition

Posted by on 15. September 2009
In diesem Jahr wird die Kür der Muskönigin zum Schönheitswettbewerb

Einst ein preiswerter Brotaufstrich für die vielen hungrigen Mäuler kinderreichen Familien und heute eine gefragte Delikatesse: Pflaumenmus aus Faulungen. Seit einigen Jahren genießt es Kultstatus. Ein Fest wird dem Mus im Herbst, wenn die Zwetschgen reif sind, gewidmet. In diesem Jahr wird vom 18. bis 20. September gefeiert – und Mus gekocht

Von Iris HENNING

FAULUNGEN.

Die Kessel sind blank gewienert, die Zutaten bereit gestellt: An diesem Wochenende wird Pflaumenmus gekocht. Hundert bis hundertfünfzig Liter passen in so einen Kessel. Die Faulunger sind darauf eingestellt, große Mengen zu kochen. ber viele Stunden, von Anfang bis Ende des Kochprozesses, müssen sie dabei den Brei mit der Muskrücke rühren, damit nichts anbrennt.

Das brachte den Faulungern den Spitznamen „Faulunger Muskrücken“ ein.

Wozu einst bittere Not zwang, ist heute eine erlebnisreiche Erinnerung an ärmere Zeiten. Vor zehn Jahren, 1999, hatte der Kirmesverein Faulungen die Idee, diese alte Tradition des Muskochens wieder aufleben zu lassen. Seitdem gestaltet der Kirmesverein „St. Martin“ mit dem Heimatverein Faulungen jedes zweite Jahr ein Musfest.

Vor mehr als hundert Jahren war das Muskochen beinah überlebensnotwendig, um die kinderreichen Familien die langen Winter über ernähren zu können. Die Faulunger Familien waren meist arm und der karge Boden brachte nur wenig Ertrag. Aber in dem geschützten Faulunger Klima gedeihten die Zwetschgenbäume dafür sehr gut. Im Herbst wurde Pflaumenmus gekocht. An diese Zeit erinnert Eva-Maria Lischke. Die Faulungerin ist seit 2007 die Majestätin in ihrem Dorf, sie wurde für die Dauer von zwei Jahren zur Muskönigin gewählt. An diesem Wochenende gibt sie diese Ehre an ihre Nachfolgerin weiter, die wiederum für zwei Jahre Faulungen und die Traditionen des Dorfes regional und überregional vertritt. „Es war eine schöne, mitunter auch aufwendige Zeit, bestückt mit Auftritten regional und überregional“, blickt Eva-Maria I. auf ihre Amtszeit zurück. Sie traf Majestäten und Symbolfiguren, Größen aus Politik und Fernsehen und sie konnte Kochbücher mitgestalten. So hat sie auch am Eichsfelder Kochbuch mitgeschrieben. All diese Aktivitäten galten dabei dem Ziel, ihren Heimatort Faulungen sowie die Traditionsverbundenheit der Einwohner über die Grenzen des Eichsfelddorfes hinaus bekannt werden zu lassen.

Diese Aufgabe wird ab kommendem Wochenende eine neue Majestät übernehmen. Anders als sonst wird aber nicht das beste Pflaumenmus über die Wahl der Muskönigin entscheiden, sondern Schönheit und Wissen über die Kunst des Muskochens und den Ort Faulungen, erklärt Franz-Josef Kellner, der Vorsitzende des Kirmesvereins. Bewerben um das Ehrenamt können sich alle jungen und jung gebliebenen Faulunger Damen ab 18 Jahre. Eine Jury wird aus den Schönen und Klugen des Dorfes die Schönste und Klügste wählen und ihre Favoritin am Sonntagnachmittag zur Majestät krönen.

Um das beste Pflaumenmus wird während des Musfestes dennoch gewetteifert. Zehn Pflaumenmusköchinnen stellten dafür bereits Kostproben zur Verfügung. Auch hier wird eine Jury nach der Verkostung entscheiden, welches Mus das Beste ist. Eine Schürze mit der Stickerei „Bestes Faulunger Pflaumenmus“ wird die beste Musköchin für die nächsten zwei Jahre auszeichnen. Diese Schürze bekommt die Köchin ebenfalls am Wochenende, während des Festes, überreicht. Drei Tage lang wird das Musfest gefeiert, wobei der Freitagabend den jungen Leuten gehört. Für sie gibt es eine Diskothek. „Faulungen – ein Dorf stellt sich vor“ ist der Samstagnachmittag überschrieben. Ab 14 Uhr sind die Gäste auf dem Festplatz Hartplatz willkommen. Am Sonntagnachmittag wird das Fest um 14 Uhr fortgesetzt: öffentliches Muskochen, die Krönung der Muskönigin und die Bekanntgabe der besten Faulunger Musköchin sind die Höhepunkte.

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