Ein Haus voller ‹berraschungen

Posted by on 12. Juni 2009
Die barocke Brotlaube wurde in ein modernes Verwaltungsgebäude verwandelt

Zum 15. Mal j√§hrt sich die publikumswirksame Architekturveranstaltung, der ‚Äětag der architektouren“. Am 27. und 28. Juni werden in Th√ľringen 67 Projekte in 33 St√§dten und Gemeinden zum Besuch einladen, davon in M√ľhlhausen zwei.

Von Iris HENNING

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Neben dem modernen Zweifamilienhaus aus Stahlbetonplatten an der Schwanenteichalle 4 (diese Zeitung stellte das Projekt bereits vor), ist es die Brotlaube am Obermarkt, die von Architketurinteressierten besichtigt werden kann. Die Brotlaube, der ehemalige Sitz der M√ľhlh√§user B√§ckerzunft und heutige Adresse st√§dtischer Beh√∂rden, ist in den Jahren 2007/2008 f√ľr etwa zwei Millionen Euro grundlegend saniert worden. Die Regie √ľber die eineinhalbj√§hrige Sanierung lag ma√ügeblich in den H√§nden des Leiters des st√§dtischen Hochbau- und Geb√§udeverwaltungsamtes, Matthias P. Gliemann. Bauherr war die Stadt M√ľhlhausen. Feingef√ľhl zeigte der erfahrene Architekt im Umgang mit dem zwar schlichten, aber dominanten Barockbau im Stadtzentrum.
Die Brotlaube ist dabei nicht der Urtyp der ehemaligen B√§ckerzunft. Er hatte einen gotischen Vorg√§ngerbau aus der Zeit um 1460. Der fiel im Jahr 1689 dem dramatischen gro√üen Stadtbrand zum Opfer. ‹ber zwanzig Jahre sollte es dauern, bis an gleicher Stelle, in der Zeit von 1713 bis 1723, der Barockbau entstand, der bis heute erhalten geblieben ist. In seiner fast dreihundertj√§hrigen Geschichte musste er aber viele Umbauten und Nutzungs√§nderungen hinnehmen, die nicht immer zum Vorteil des Hauses und dessen Architektur waren. Matthias P. Gliemann hatte w√§hrend der j√ľngsten Umbauphase auf so manche unangenehme ‹berraschung zu reagieren. Au√üenw√§nden fehlten Grundmauern und vermutete tragende W√§nde waren gar nicht vorhanden. ‚ÄěEigentlich war an dem Haus keine Statik zu erkennen“, beschreibt er die Schwierigkeit bei der Sanierung.
Als wichtigste Kriterien w√§hrend der Sanierung nennt Gliemann die Schaffung einheitlicher H√∂hen in allen Geschossen und die Schaffung eines Fluchttreppenhauses mit Aufzug. Zu ber√ľcksichtigen waren dabei die Auflagen des Denkmalschutzes und des Brandschutzes. Die priorisierten denkmalpflegerischen Aspekte waren die Erhaltung der Stuckdecken im ersten Obergeschoss bei gleichzeitiger statischer Stabilisierung der Geschossdecken, der Au√üenw√§nde und der Fundamente, die Bewahrung und Anpassung der barocken Haupttreppe sowie die Gestaltung der Fassade nach historischem Befund. Den barocken Charakter des Hauses zu bewahren und ihn in Einklang mit Erfordernissen eines modernen Verwaltungsgeb√§udes zu bringen, das auch den Bed√ľrfnissen Behinderter entspricht, sei f√ľr ihn eine gro√üe Herausforderung gewesen, res√ľmiert der Architekt. F√ľr ihn ist die Sanierung der Brotlaube eine der sch√∂nsten Aufgaben in seinem Berufsleben gewesen.
Ge√∂ffnet ist die Brotlaube w√§hren der ‚Äěarchitektouren“ am Samstag und Sonntag, 27. und 28. Juni, jeweils von 10 bis 16 Uhr. Individuell werden F√ľhrungen angeboten.

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