Sagenhafte Quellen

Posted by on 10. Juni 2009

Manchmal muss man die Niederungen der Alltagswelt einen Augenblick hinter sich lassen, um wieder frische Kraft schöpfen zu können. Um einen Moment innezuhalten, muss man nicht gleich die Urlaubskoffer packen. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis kann man sich von der Wunderwelt der Natur faszinieren lassen. Zudem gibt es zahlreiche Naturdenkmale, die einen Abstecher wert sind. Wanderwege, die zu Naturdenkmalen führen, sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Geologische Naturdenkmale nahe Oberdorla sind die Erdfallquellen Kainsprung und Melchiorbrunnen.

Von Iris HENNING

OBERDORLA.
Aus dem Kainsprung kommen die Mädchen, aus dem Melchiorbrunnen die Jungen. So wird den heranwachsenden Kindern in Oberdorla von Generation zu Generation erklärt. Einer alten Sage nach entstand der Kainsprung, als spielenden Kindern eine „Märmel“ (Murmel) in einen Erdspalt fiel und dieser sich daraufhin zur Quelle öffnete. Viele hundert Jahre alt ist der Kainsprung, der auch Kainspring, Koginspring oder Hainspring genannt wird. Bereits 1367 wurde der wassersprudelnde Erdfall urkundlich erwähnt. Vermutlich ist die Quelle wesentlich älter. So erinnert ein Gedenkstein am Kainsprung an die Dorfstelle „Kogen“, die hier von 970 bis 1480 ihren Platz einnahm.
Geheimnisvoll türkis schimmern die Oberflächen des Kainsprungs und dessen kleinem Bruder, dem wenige Meter entfernten Melchiorbrunnen. Eine Tiefe bis zu vierzehneinhalb Meter traut man dem Kainsprung, der gut hundert Liter Wasser pro Sekunde gibt, nicht zu. Was wohl dran liegt, dass die Oberfläche undurchdringlich für Blicke bleibt.
Kainsprung und Melchiorbrunnen befinden sich südwestlich von Oberdorla. Eine Wanderung zu den Quellen kann am Wildgehege am Mühlhäuser Stadtwald beginnen. An Futter aus Menschenhand gewöhnt, kommen Hirsche und Rehe ganz nah an den Zaun. An diesem Zaun führt ein Wanderweg Richtung Oberdorla. Wer das hüfthohe Gras nicht liebt, weicht auf die Straße aus. Die trifft auf die Oberdorla und Heyerode verbindende Landstraße, die gequert wird. Ein romantischer, wenig begangener Feldweg, der an einem liebevoll hergerichteten Häuschen namens „Oma Pauline“ vorbeiführt, ist für eine Weile der Weg Richtung Dorf. Nach einer Brücke wird die Richtung gewechselt, es geht nach rechts, nach Westen, an der Riethmühle vorbei. An die einstige Mühle erinnert jedoch nur noch ein kleiner versteckter Wasserfall, dessen Kräfte verschont bleiben. Von hier aus sind es nur noch Augenblicke des Wanderns, bis zu den von Baumgruppen umringten Quellen. Wie wichtig diese Quellen den Oberdorlaern sind, lässt der kleine gepflegte Festplatz vermuten, der einen unbeschwerten Blick auf den Mühlhäuser Stadtwald freigibt. Der gibt nun die Richtung vor. Am Waldsaum angekommen, lässt man sich nun vom Wanderweg (blaues Kreuz auf weißem Grund) nördlich führen. Jetzt sind allerdings starke Nerven von den Wald- und Wanderfreunden gefordert. Die bis zu einem halben Meter tiefe Furchen, die schwere Fahrzeuge hinterlassen haben, machen das Laufen nicht einfach. Nach einigen hundert Metern ist diese Tortour aber überstanden. Versöhnlich stimmt die erreichte Oberdorlaer Kirschtrift, ein ebenfalls sehr gepflegter Festplatz. Erste reife Früchte verleiten nicht nur die Amseln zum Naschen. Unter dem Blätterdach einer beeindruckenden Baumgruppe aus Linden lässt es sich an einem steinernen Tisch gut aushalten. Einen Platz an der Sonne bieten die hölzernen Tische und Bänke. Durch das wunderschöne Naturschutzgebiet Wacholdertrift führt nun das „blaue Kreuz auf weißem Grund“ weiter. Noch einmal ist die Landstraße zu queren, um über nun angenehmen Waldweg zurück zum Ausgangspunkt, dem Gehege, zu gelangen. Knapp acht Kilometer abwechslungsreiche Strecke sind geschafft. ber das restliche Brot aus dem Verpflegungsrucksack freuen sich nun Hirsche und Rehe.

Tipps zur Tour

Am Mühlhäuser Stadtwald, am Wildgehege, beginnt die knapp acht Kilometer lange Rundtour südwärts, Richtung Oberdorla. Das etwa hüfthohe Gras auf dem unmittelbar am Gehege vorbeiführenden Wanderweg macht das Laufen nicht einfach. Einzige Alternative: die Straße.
Die Gehzeit für die Strecke beträgt etwa zweieinhalb Stunden.
Besondere Anforderungen stellt die Tour an die Wanderer keine. Etwa 126 Höhenmeter sind zu bewältigen. Die maximale Steigung beträgt dabei 10 Prozent.
Der Rundwanderweg ist nicht als solcher ausgeschildert. Er ist eine individuelle Tourempfehlung. Eine Wanderkarte im Maßstab 1 : 25 000 ist hilfreich.
Der kleine gemütliche Platz unmittelbar an den geologischen Naturdenkmalen ist etwa die Mitte der Wanderung.
Einkehrmöglichkeit gibt es während der Rundtour keine. Für eine Brotzeit aus dem eigenen Rucksack sind die Plätze direkt an den Naturdenkmalen oder an der Kirschtrift empfehlenswert.
Alternative Ausgangspunkte für die Rundtour sind der Parkplatz an der Baumschule Oberdorla oder der kleine Waldparkplatz am „Kuhkopf“ (Einbiegung ist mit „Steinbruch“ ausgeschildert).

(Quelle: R. Weise, U. Fickel, R. Halle, W. Hochstrate, E. Lehnert, R. Faupel, R. Kaiser: „Naturdenkmale im Unstrut-Hainich-Kreis“)

DIASCHAU

2 Responses to Sagenhafte Quellen

  1. Silvia Vahle (geb. ZENG)

    Hallo Frau Henning,
    ich plane Anfang August eine Fahrt in das „Dorf meiner Ahnen“, um zum Teil auch Kindheitserinnerungen wachwerden zu lassen. Bei der Recherche über interessante Orte in der Umgebung, bin ich auf ihre Seite/bzw. Ihren Artikel gestoßen!

    Vielen Dank dafür! mfg. Silvia Vahle (geborene Zeng)

  2. Mirko Zeng

    (Frau Henning, bitte nicht übel nehmen, dass ich Sie als Vermittlerin nutze),

    Guten Tag Frau Vahle,
    ich wende mich hier an Sie, da Sie aus Oberdorla stammen und eine geborene Zeng sind. Ich betreibe hobbymäßig Ahnenforschung.
    Sollten Sie aus dem Spross der Familie Martin Zeng (1875-1955), Sperlingsberg 16, stammen, würde ich mich über Ihre Meldung sehr freuen.
    Viele Grüße
    mirko.zeng@web.de

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