Gescheitert bis in den Tod

Posted by on 3. Juni 2009
Premiere auf der 3K-Bühne: „Der Erzbischof ist da“

Ein Schauspieler spielt seine letzte Rolle: Am Ende dieser Vorstellung will er sich vor den Augen des Publikums das Leben nehmen. Wie, hat er noch nicht entschieden – entweder stürzt er sich vom Schnürboden, oder er erschießt sich mit einem Revolver. Bis es jedoch so weit ist, unterhält er sein Publikum mit Betrachtungen über Gott und die Welt und Theatergeschichten, ist mal Philosoph, mal Satiriker.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.
Beruf verkorkst. Leben verkorkst. Schlimmer noch: Weder in der eine noch in der anderen Welt passierte je etwas Sensationelles. Der alternde und leicht untertalentierte Schauspieler Kastrop (Peter Wagner) rechnet ab mit sich und der Welt. Selbst in den anspruchslosesten Rollen hat er jämmerlich versagt. Im Leben sowieso. Er, Kastrop, will sich nun dem Tod weihen. Denn: Wenn schon sein Leben keine Sensation war, so soll es wenigstens sein Tod sein, lässt er das Publikum wissen. Sein Abgang von der Bühne des Lebens will er darum grandios in Szene setzen. Der letzte Akt soll ihm ein Denkmal setzen, soll unauslöschbare Erinnerung werden.
Schauspielerische Höchstleistung von Anfang an fordert die Tragikomödie „Der Erzbischof ist da“ von Peter Sattmann dem Darsteller ab. Der Monolog ist schwierig, aber köstlich aus dem Leben gegriffen. „Da steckt so viel drin“, sagt Peter Wagner, der den Kastrop spielt. „Manchmal sage ich mir, der Mann (Kastrop) hat in seinen Ansichten über Gott und die Welt, Politik und Gesellschaft recht, genau so denke ich auch“, schlüpft er in die schwierige Rolle.
Zum Schluss kommt natürlich alles anders, als sich Kastrop denkt. Der Verlierer vermasselt selbst noch seinen letzten Abgang ordentlich.
Unter der Regie von Bernhard Ohnesorge setzt Peter Wagner den Monolog des gescheiterten Schauspielers in Szene. Leicht hat es sich Ohnesorge mit der Auswahl dieses Stücks nicht gemacht,. Denn der Autor von „Der Erzbischof ist da“ hat auf Regieanweisungen völlig verzichtet. Regisseure, die dieses Stück auswählen, sind also allein auf ihre Erfahrungen und Intuitionen angewiesen.
Der Zuschauer wird vom „todgeweihten“ Kastrop jedenfalls köstlich unterhalten. Er erfährt so Manches aus dessen gescheiterten Künstlerleben, von verpassten und verpatzten Auftritten und galanten Abenteuern auf dem Schnürboden des Theaters. Er wird auch mitgenommen auf heitere, bissig-ironische und nachdenkliche Ausflüge in die Welt der Philosophie und erlebt köstliche Minuten des Klamauks direkt im Theatercafè in der Spielstätte Kilianikirche. Dort beginnt am 6. Juni, um 21 Uhr, die Premiere „Der Erzbischof ist da“.

Die Premiere ist bereits ausverkauft. Weitere Vorstellungen sind am 7. und 8. Juni, jeweils um 19 Uhr, Karten: (03601) 440937.

Herausforderung an Spieler und Regisseur

„Der Erzbischof ist da“ ist eines von etwa einem halben Dutzend Theaterstücken, die Peter Sattmann (Jahrgang 1947, geboren in Zwickau) auf die Bühne brachte. Sattmann sicherte sich seit seinem Filmdebüt „Die Brüder“ (1977) und mit beinahe ungezählten Fernsehfilmen einen Platz in der ersten Garde der deutschen TV-Darsteller. Seine Bühnenwerke finden dagegen weniger Beachtung. Dennoch hat sich der 3K-Spielleiter Bernhard Ohnesorge für den „Erzbischof“ entschieden. Eine Herausforderung für ihn als Regisseur dürfte vor allem die Tatsache sein, dass Peter Sattmann auf Regieanweisungen völlig verzichtet hat. Allein auf seine Erfahrungen und seine Intuition musste sich Ohnesorge bei der Inszenierung des Stücks verlassen sowie auf die von Peter Wagner. Mit dem lebens- und theatererfahrenen Mann in der Titelrolle hat Ohnesorge eine gute Wahl getroffen.
Bühne für die Tragikomödie „Der Erzbischof ist da“ ist das Theatercafè in der Spielstätte Kilanikirche. Für die teils aktionsreichen Szenen wird der gesamte Raum in Anspruch genommen – die Zuschauer werden ihren Spaß dabei haben.
Für das Funktionieren der Technik in diesem Stück zeichnet Sebastian Gabriel verantwortlich. Das Kostüm für den Titelhelden Kastrop wählte Hanna Ehrlichmann aus, die ihr freiwilliges soziales Jahr im Verein 3K absolviert.

DIASCHAU

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