Sie treiben es bunt

Posted by on 1. Juni 2009
Aus einem Atelier wurde ein Café mit viel Farbe und Kunstgenuss

Nichts mehr erinnert an das Atelier, das bis vor wenigen Wochen noch hier zu Hause war. Bilder, Staffelei, Farben, Pinsel sind samt dem typischen Atelier-Geruch ausgezogen. Die über die Jahre auf dem Fußboden versammelten Kleckse sind unter einer dicken blauen Farbschicht verschwunden. Stühle und Tische stehen auf dem Aquarienblau. Aus dem Atelier wurde ein Café.

Von Iris HENNING

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Ein „bisschen bunt“ nennen Reinhard und Christiane Wand ihren neuen Lebensentwurf, das kleine Café in der Kaisershagener Straße. Reinhard Wand, der Künstler, und seine Frau Christiane, die Ernährungsberaterin, versuchen einen neuen, zusätzlichen Pfad zu ihrer eigentlichen Profession zu gehen. Die Kunst, so erklärt der Maler, soll dabei nicht zu kurz kommen. Im Gegenteil: Er sieht neue Möglichkeiten der Präsentation sowohl seiner Werke als auch der von anderen Künstlern. „Unsere Gäste können Kunst so ganz anders genießen“, meint der Maler. „Und auch ein bisschen andere Garten- und Hofgestaltung“, fügt Christiane Wand hinzu. Sie sieht vor allem den Hof als Namensgeber für ihr Café. „Im Sommer ist hier eine einzige Blütenpracht“, schwärmt sie. Entsprechend des Namens habe man dann auch das einstige Atelier umgestaltet. An einen glühenden Sonnenuntergang erinnert das Orange der Wände. Auf dem dick aufgetragenen Fußbodenblau stehen quietschbunte Tische. Bunt sind die ausgewählten Bilder, die die Wände schmücken. Bunt setzt sich das Konzept im Garten fort: großformatige Holzskulpturen, die blauen Kakteen oder Karotten aus dem Wunderland ähneln, sind eigenartige Blickpunkte. Die setzte der Künstler Ralf Klement, der in Dachrieden sein Atelier hat. berhaupt ist das kleine Dorf, durch das der Unstrut-Radweg und der Pilgerweg führen, reich bewohnt mit Künstlern und Kunstschaffenden. Das Künstlerpaar Dagmar und Thomas Helmbold lebt ebenfalls dort. Und Udo Bickel, der vor Jahren seine Leidenschaft für die Holzveredlung entdeckte, schmückt mit seinen Figuren direkt an der Hauptstraße eine kleine Rasenfläche. Während eines Künstlersymposiums vor einiger Zeit hinterließen internationale Bildhauer ihre Handschrift. Auch wenn die meisten Dachrieder anfangs wenig anfangen konnten mit den überwiegend abstrakten Arbeiten, sind die meisten mittlerweile stolz auf diese unverhoffte Bereicherung.
Und wenn Reinhard und Christiane Wand nun beginnen, es in ihrem Kunstcafé ein „bisschen bunt“ zu treiben, ist das eine weitere Entwicklung des Dorfes in Richtung sanfter Erlebnistourismus. Sein Atelier hat Reinhard Wand übrigens nicht verbannt. Es ist in das Haupthaus des ausgebauten Bauerngehöfts umgezogen. Schließlich sollen dann und wann neue Bilder im Café gezeigt werden. Damit es immer ein „bisschen bunt“ bleibt.

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