Wendeglück und Katerstimmung

Posted by on 6. Mai 2009
Leipziger Kabarettist Bernd-Lutz Lange las aus seinem etwas anderen Geschichtsbuch

In diesem Jahr werden es zwanzig Jahre, seit Günter Schabowski den legendären Zettel hervorzog und erklärte, dass die Bürger der DDR nun uneingeschränkt reisen dürften. Kabarettist Bernd-Lutz Lange erinnerte im TA-Cafe in der Jakobikirche daran und die Jahre danach.

MHLHAUSEN (ih).
Auf einmal war alles anders – die Grenze war offen! Und es wurde alles anders im neuen Deutschland: Neue Arbeit oder gar keine, und ein Großteil des ostdeutschen Volkes zog um.
Siebzehn Jahre nach Schabowskis Zettel, in denen vieles ratlos verlief, griff der erfolgreiche Leipziger Kabarettist und Autor Bernd-Lutz Lange zur Feder, um manchen grauen Zellen wieder auf die Sprünge zu helfen: Denn die Jahre, so meinte er, seien schon so weit entfernt, dass sich selbst Beteiligte in den Fakten irrten. Aus seinem Buch „Ratloser bergang. In meinem neuen Deutschland“, 2006 beim Gustav Kiepenheuer Verlag erschienen, las und sächselte Lange nun in der ausverkauften Stadtbibliothek Jakobikirche – zum großen Vergnügen des Publikums.
Als aufmerksamer und humorvoller Beobachter verfolgte Bernd-Lutz Lange den bergang von einem geteilten zu einem vereinigten Land. Mit einem Augenzwinkern ging und geht er der Frage nach, wie es sich in diesem neuen Deutschland so lebt. Landauf, landab hat er sich umgesehen, hat mit seinem Frisör und Taxifahrern gesprochen und weiß viel zu erzählen aus den Jahren des deutsch-deutschen Zusammenwachsens: von dubiosen Treuhändern, von neuen Rechten und alten Linken, vom taumeligen Wendeglück und der Katerstimmung danach.
Nach „Magermilch und lange Strümpfe“ und „Mauer, Jeans und Prager Frühling“ erzählt Bernd-Lutz Lange in seinem neuen Buch vom Wunder der Maueröffnung. Als satirischer Chronist verfolgt er den bergang vom geteilten zum vereinigten Land. In Kurzgeschichten und Anekdoten spottet und berichtet Lange über die Situation im Land, auch mal einfühlsam und berührend, über die Narben der Ost-West-Verwachsungen und über die noch bestehenden Wunden.
„Ratloser bergang. In meinem neuen Deutschland“ stand schon kurz nach Erscheinen mit auf der Bestseller-Liste des „Spiegels“. Begeisterten Applaus gab es auch für den Kabarettisten und Autoren aus Leipzig vom Mühlhäuser Publikum.

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