Knorrige 400-Jährige

Posted by on 6. Mai 2009
Die Korpusbuche im Mühlhäuser Stadtwald ist von Astseilen umwuchert

Manchmal muss man die Niederungen der Alltagswelt einen Augenblick hinter sich lassen, um wieder frische Kraft schöpfen zu können. Um einen Moment innezuhalten, muss man nicht gleich die Urlaubskoffer packen. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis kann man sich von der Wunderwelt der Natur faszinieren lassen. Zudem gibt es zahlreiche Naturdenkmale, die einen Abstecher wert sind. Schöne Wanderwege, die zu Naturdenkmalen führen, sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Ein von den Mühlhäusern besonders geliebtes Gebiet ist ihr Wald, westlich der Stadt gelegen. Bis nach Eigenrieden reicht er. Ein Naturdenkmal in diesem Wald ist die Korpusbuche am Fuchsweg.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.
Auf etwa vierhundert Jahre wird das Alter dieser imposanten, knorrigen Hainbuche geschätzt. Wie von dicken Astseilen umwuchert ist ihr dicker Stamm. Das gibt ihr ein wunderliches, verwunschenes Aussehen. Kaum ein Wanderer geht vorüber, ohne der Verwunschenen einen Blick zu schenken oder vor Bewunderung vor ihr stehen zu bleiben.
Am Fuchsweg steht die Buche, etwa einen Kilometer westlich des „Weißen Hauses“. ber einen Abstecher über die ebenfalls sehenswerten Mammutbäume soll der Wanderweg zur Korpusbuche führen. Vom „Weißen Haus“ geht es entlang des bequemen Promenandenweges, der zum Naturlehrpfad ausgebaut ist. Nach etwa zwei Kilometer ist die Kreuzung am Torfgrubenweg erreicht. Wanderwegweiser zeigen die Richtung zu den über dreißig Meter hohen Mammutbäumen: Es geht nach links. Nach einigen Gehminuten steht man bereits vor den hoch in den Himmel ragenden Riesen. Mit ihren etwas über dreißig Metern haben sie noch Reserven. Die Nadelbäume können im Laufe ihres mehrhundertjährigen Lebens bis auf eine Höhe von 60 bis 80 Metern heranwachsen, in ihrer nordamerikanischen Heimat sollen sie sogar bis hundert Meter erreichen und mit ihrer Spitze den Himmel kitzeln können. Trotzdem ist es ein kleines Erlebnis, sich so nah wie möglich unter die eingezäunten Mühlhäuser Mammutbäume zu stellen und in den Himmel zu blicken.

Bis zum Jägerstieg führt nun der Weg weiter. Nach links wird auf diesen wild-romantischen Pfad eingebogen. ber den Castendyckstein und die ehemalige -brücke, mitten durch grüne Baumschluchten geht es entlang, bis der Diedorfer Stieg den Weg kreuzt. In den wird ebenfalls nach links eingebogen. Schade, dass nun bald Schluss ist mit den schmalen, naturnahen Pfaden. Ein überwachsener und von Spurrinnen vernarbter Weg hat diese abgelöst und es gilt, den Abzweig „Fuchsweg“ rechter Hand nicht zu verpassen. Denn nur allzuleicht wird man abgelenkt von üppig blühendem Bärlauch, zartem Waldmeister, zwiebeltragendem Zahnwurz und ersten Orchideen. Zudem hat sich die Wegmarkierung – grüner Balken auf weißem Grund – etwas versteckt. Dieser Weg wird scheinbar nicht so oft gegangen. Trifft dieser nach etwa einem halben Kilometer auf den breiten, geschotterten Weitelückenweg, steht man nun fast vor dem gesuchten Naturdenkmal. Auf der anderen Seite des Schotterweges behauptet die Korpusbuche seit gut vierhundert Jahren ihren Platz. Auch ein Blitzschlag konnte ihr Leben nicht auslöschen. Sie zeigt sich zwar versehrt, auf der Einschlagseite offen und hohl. Doch jedes Jahr zeigt sie ihre erhaltene Vitalität und wächst ein Stück weiter.
Zurück zum „Weißen Haus“ geht es nun entweder weiter entlang des Fuchs- und Bornweges oder nach links den Weitelückenweg, um über den Diedorfer Stieg (nach rechts) wieder auf den Promenadenweg zu gelangen. Während sich der eine Weg naturbelassener zeigt, führt der andere am ehemaligen „Gerätebau“, vorüber. Ruinen dieser unseligen Munitionsfabrik und eine Gedenktafel sind stumme Zeugen eines unrühmlichen Stücks Mühlhäuser Geschichte.

Tipps zur Tour

Ausgangspunkt für diese etwa fünf Kilometer lange Rundwanderung ist das „Weiße Haus“ im Mühlhäuser Stadtwald.
Die Gehzeit für die Strecke beträgt etwa eineinhalb bis zwei Stunden.
Besondere Anforderungen stellt die Tour an die Wanderer keine. Während der fünf Kilometer sind nur 85 Meter Höhenunterschiede zu bewältigen.
Einkehrmöglichkeit gibt es im „Weißen Haus“. Bänke auf der großen Wiese, auf der es auch einen Spielplatz und einen Grillplatz gibt, laden zur Brotzeit aus dem eigenen Rucksack ein.

(Quelle: R. Weise, U. Fickel, R. Halle, W. Hochstrate, E. Lehnert, R. Faupel, R. Kaiser: „Naturdenkmale im Unstrut-Hainich-Kreis“)

DIASCHAU

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