Lederne Seelen und ausgleichende Heiterkeit

Posted by on 29. März 2009
Eine Nacht voll von abwechslungsreichem Theater zum internationalen Theatertag

Eine feine Gesellschaft stiert wartend und sich ereifernd auf einen Unglücklichen. Der Lebensmüde will sich von einer Brücke stürzen. Ohne jegliches Mitgefühl harren die zu Statuen erstarrten Gaffer aus, gierig erpicht darauf, sich am anbahnenden Drama zu weiden. Dea Lohers Drama „Unschuld“ beeindruckte in der Mühlhäuser Theaterwerkstatt 3K.
Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.
Es war nicht gerade ein angenehmes Stück, mit dem die Theaternacht begann. Es war eins, das die Gefühlskälte in das Rampenlicht stellt. Und Gefühlskälte ist nun mal kein öffentliches Thema in eine Gesellschaft, in der einmal im Jahr, zu Weihnachten, der Gutmensch mit einem Spendenscheck Ausgang bekommt. Der „theater-spiel-laden rudolstadt“ schonte die Nerven des Publikums jedenfalls nicht, um die lederne Seele in einem reichen Land zur Schau zu stellen. In Szenen voller Trauer und verzweifelter Komik lässt agieren die Darsteller völlig glaubwürdig. Da sind Eliso und Fadoul, zwei illegale schwarze Imigranten. Sie haben eine Frau ins Meer gehen sehen und ihr nicht geholfen. Der eine kann nicht mehr schlafen, der andere findet eine Tüte voller Geld. Sie begegnen Absolut, einer jungen blinden Frau, die nackt in einer Bar für die Männer tanzt. Die mütterliche und aufdringlich-anhängliche Frau Habersatt bittet um Vergebung für Taten, die sie nie begangen hat. Der junge Ehemann Franz hat eine Aufgabe gefunden: er ist Bestatter und versorgt die Toten. Seine Frau Rosa möchte ein Kind von ihm, er ignoriert sie. Die Mutter von Rosa hat Zucker und übergibt die Verantwortung für sich an Rosa und Franz: Sie zieht ungefragt und unerwünscht bei ihnen ein. Ein junger Arzt zweifelt am Sinn des Lebens und macht sich für den Freitod eines flüchtigen Bekannten verantwortlich.
„Unschuld“ erzählt von gesellschaftlichen Grenzgängern, von ihren Sehnsüchten, ihrer Schuld und, nicht zu vergessen, auch ihrer Unschuld. Es ist ein tief pessimistisches Stück, welches sein Publikum in Schmerz zu versetzen vermag und in tiefer Nachdenklichkeit zurück lässt.
Gut, dass der folgende Teil der Theaternacht von ausgleichender Heiterkeit bestimmt war. Noch ein Drama von dieser Wucht wäre nur schwerlich zu verkraften gewesen. So stellte der Erfurter Märchenerzähler Andreas von Rothenbarth mit seinem Programm „und hast Du niemanden, der Dir Deine Schmerzen heile?“ romantische und frivole Märchen vor. Er widmete sich voller Poesie dem immergrünen Thema Liebe aus ganz verschiedenen Perspektiven. Parallel dazu brachte im Nachbarraum das Kabarett „Anakonda“ aus Apolda mit „Wenn du denkst…?!“ die Zuschauer auf andere Gedanken. Mit Gesang und Sketschen gab Anakonda einen satirisch-bissigen Einblick in mter, Fernseh-Sender oder in die Modebranche.
Was wohl kaum ein Gast an diesem Abend wusste: Diese prall gefüllte Theaternacht, organisiert von der Theaterwerktatt 3K, fand inmitten des internationalen Theatertages statt. Wie wichtig das Theater, das auch gern als „Bühne des Lebens“ betitelt wird, zeigte vor allem die große Publikumsresonanz. ber ein ausverkauftes Haus konnte sich die Theaterwerkstatt freuen.

DIASCHAU

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