Leben als Cowboy

Posted by on 5. März 2009

Aus der Serie „Mein schönes Hobby“ in der „Thüringer Allgemeinen“:
Die einen haben ihre Freude an Briefmarken, Münzen, Zinnfiguren oder Etiketten. Andere basteln die kuriosesten Dinge. Menschen aus dem Landkreis und deren Lieblingsbeschäftigungen in ihrer Freizeit sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Dieter Bernhardt aus Schlotheim ist Cowboy.

Von Iris HENNING

SCHLOTHEIM..
Er trägt Cowboyhut und Stiefel. An der Wand hängt ein Gewehr. Im Stall stehen zwei Pferde. Dieter Bernhardt ist der John Wayne im Unstrut-Hainich-Kreis. „Ich war in meinem früheren Leben wohl auch ein Cowboy, ein Trapper“. Über die buddhistische Wiedergeburts-Theorien muss der 60-Jährige lächeln, aber nicht zu sehr. Wer weiß schon, was richtig ist, was nicht. Was zählt, ist das Jetzt. Das Leben. Die Träume. Die Ängste. Der Mann, der mit seinen blonden Locken ein bisschen aussieht wie Thomas Gottschalk, aber sich doch eher wie ein John Wayne fühlt, lebt seinen Traum und für seinen Traum. „Ich bin wohl ein bisschen verrückt“, glaubt er. Seinen Tick für die Wild-West-Romantik nennt er „ausgewachsen“. Denn seine Pferde wohnen in einem Stall am Rand von Hohenbergen, inmitten einer kleinen, selbst gebauten Westernstadt mit Bank und Salon. Nur wenige Gehminuten entfernt steht eine Ranch, gebaut vom „Western Reit- und Fahrverein“, den es inzwischen gibt. Die Ranch ist zeitweise Domizil für andere Freizeit-Cowboys sowie für Kinder, die dort einen Teil ihren Ferien verbringen. Westernstadt und Ranch sind das Refugium von Bernhard, der im wirklichen Leben als Schwimmmeister in Lengenfeld/Stein arbeitet. Für ihn ein Traumberuf, der es erlaubt, immer nah bei der Natur zu sein.
Der Schwimmmeister setzte sich erst in der Nach-DDR-Zeit den Cowboy-Hut auf, dachte lange nach, rechnete, wog Für und Wider ab und entschied sich schließlich für seinen „amerikanischen Traum vom Pferd“. Er kaufte sich ein Reitpony-Mix, ein Jungtier, gerade zwei Jahre alt. Als er, der noch nie auf einem Pferd gesessen hat, mit „Sisco“, auf dem noch nie ein Reiter saß, nach Hause kam, meinte seine Frau, dass er nun völlig durchgedreht sei. Doch Vorwürfe gab es keine, statt dessen Verständnis. Sicherheitshalber schenkte sie ihm ein Handy. Falls etwas passiere, sollte er schnell Hilfe holen können. Das war beruhigend für sie. Es passierte nichts. Ross und Reiter mochten sich von Anfang an. Nach acht Tagen gab’s den ersten vorsichtigen Ausritt und mit jedem weiteren wuchs das Vertrauen zueinander.
„Sisco“ sollte nicht lange einsam bleiben. Dieter Bernhardt baute noch einen Stall. In den führte er „Scheriko“, ein Quarter-Horse. Ging’s mit „Sisco“ gemütlich, zeigte „Scheriko“ Temperament. „Eine Rennmaschine“, vergleicht der Schwimmmeister. Als er „Scheriko“ beherrschte, dachte er „Jetzt bin ich ein Cowboy“. Der ist er bis heute geblieben und will es weiterhin sein, mit Träumen im Kopf. Einer davon singt das Sehnsuchts-Lied von einem Ritt bis ans Meer. Andere erzählen von der amerikanische Western-Kultur. Wenn die Reise ans Meer auch noch eine Weile warten muss, erfüllt sich Bernhardt den vom romantischen Western gleich um die Ecke, in Hohenbergen.
Für ein Wochenende im Jahr bringt er einen Hauch Wild-West-Romantik auch nach Lengenfeld/Stein, an seinen Arbeitsplatz. Dann reiten Männer mit Cowboyhüten auf ihren Pferden durch das Tor, ganze Familien kommen in Planwagen angefahren und im Salon spielt die Musik. Seit einigen Jahren findet im September, zum Ende der Schwimmbad-Saison, dort ein Country- und Westernfest statt.
John Wayne hätte vermutlich seine Freude daran

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