Der Schlossherr

Posted by on 22. Januar 2009

Aus der Serie „Mein schönes Hobby“ in der „Thüringer Allgemeinen“

Die einen haben ihre Freude an Briefmarken, Münzen, Zinnfiguren oder Etiketten. Andere basteln die kuriosesten Dinge. Menschen aus dem Landkreis und deren Lieblingsbeschäftigungen in ihrer Freizeit sollen in dieser Serie vorgestellt werden. So ist Andreas Ständer aus Mühlhausen ein begeisterter Schlossherr. Etwa sechzig antike Schlösser aus dem In- und Ausland gehören zu seinem Besitz. Vor acht Jahren fing er an, Schlösser und Schlüssel zu sammeln.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.

Sammler:Andreas Ständer  Foto: I.Henning

Sammler:Andreas Ständer Foto: I.Henning

Gut fünf Kilogramm bringt sein Liebling auf die Waage. Es ist das schwerste Schloss, das er besitzt. Damit wurden einst die Tore von Burgen oder Stadtmauern verschlossen, weiß Andreas Ständer. Vielleicht hat auch ein Mühlhäuser Stadttor einst so einen eisernen Koloss an einer seiner Pforten gehabt. Dieses Bolzenschloss von Andreas Ständer trägt die Jahreszahl 1737 eingraviert. Es ist ein Barockschloss. Ein raffiniertes dazu: Erst mittels eines geheimen Mechanismus gibt es den Eingang für den Schlüssel frei.

Die Meister der Schloss- und Schlüsselzunft investierten einst viel Zeit und Können im Gestalten der Verschlusssachen. Beim Austüfteln von Schließmechanismen gab es manches Genie. Das ist es, was Andreas Ständer so fasziniert an den Jahrhunderte alten handwerklichen Kunstwerken. Denn solche sind diese Schlösser mit ihren prächtigen Verzierungen und versteckten Geheimnissen. Wohlhabende Kaufleute, Patrizier und Adlige ließen sich das Hüten und Schützen ihrer gesammelten Schätze was kosten. Auch die Schlüssel zu den Schlössern sind Kunstwerke und geben reichlich Auskunft über die gegenwärtige Mode der Epochen. An Ketten befestigt, war die Schlüsselgewalt über Heim und Haus oft auch ein Statussymbol der Frauen und Männer, die sie trugen.

Das war nicht nur in Europa so. Auch in Asien zeigten sich die Schloss- und Schlüsselmeister trickreich. Das verraten beispielsweise die Exponate aus China, die zur Ständer’schen Sammlung gehören. Ein Laie würde nie und nimmer das Schloss, das aus dem alten Kaiserreich des 18. Jahrhunderts stammt, öffnen können. Nur Eingeweihten ist eine Entschlüsselung möglich. Das trifft auch auf die antiken Schlösser aus Tibet, Indien und dem Iran zu, an denen der Mühlhäuser Sammler seine Freude hat.

Aber wo findet man heutzutage überhaupt noch diese Jahrhunderte alten Zeugen handwerklicher Meisterkunst? Spezielle Antiquariate sind die Adressen, wo der Mühlhäuser fündig wird. Während Auslandsreisen gehören Abstecher in diese Geschäfte meist dazu. Nicht immer wird er fündig. Mit Geduld und etwas Glück bekommt er auch aus älteren Sammlungen das eine oder andere Liebhaberstück. Und dann gibt es da noch die jährlichen Treffen der weltweit verteilten etwa tausend Schlüsselfreunde. Diese Treffen sind oft bestimmend für die Urlaubspläne der Sammler. Nach England, Frankreich reiste Andreas Ständer bereits. In diesem Jahr geht es nach Italien. Seine Wunschliste nach den Raritäten ist noch lange nicht abgeschlossen.


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