Im Seifenfieber

Posted by on 16. Januar 2009

Aus der Serie „Mein schönes Hobby“ in der „Thüringer Allgemeinen“:

Die einen haben ihre Freude an Münzen, Zinnfiguren oder Etiketten. Andere basteln die kuriosesten Dinge. Menschen aus dem Landkreis und deren Lieblingsbeschäftigungen in ihrer Freizeit sollen in dieser Serie vorgestellt werden.

MÜHLHAUSEN.

Die Blicke der anderen sind skeptisch, wenn sie erzählt, dass sie ihre Seife selbst herstellt. Schließlich sind die meterlangen Regale in den Supermärkten und Drogerien von oben bis unten voll von Duftendem und Schäumenden. Kirsten Priebsch geht an diesen Regalen vorbei. Mit ihrer Seife „am Stück“ da wisse sie, was sie habe: eine Wohltat für die Haut und für die Seele. Ihre Seife ist frei von Emulgatoren und Konservierungsmitteln. Es ist handgesiedete Pflanzenseife und jedes Stück ein Unikat. Die Stücken tragen so klangvolle Namen wie Schafsmilchtraum, Sommerfrische, Luxus-Ziege, Gärtnerseife , Hafer-Milch-Honig-Seife oder Seidige Olivenseife. Das Sortiment der Seifensiederin ist reichhaltig.

Kirsten Priebsch ist noch eine junge Seifensiederin. Vor einem knappen Jahr braute sie in ihrer privaten Küche die erste Charge. Davor, so erzählt sie, habe sie sich ein halbes Jahr intensiv theoretisch mit der Seifenherstellung beschäftigt, habe Bücher gewälzt und im Internet recherchiert, nach und nach alle Utensilien und Zutaten angeschafft. Mit einem „Heidenrespekt“ sei sie dann ans Werk gegangen. Ganz ungefährlich ist das „Unternehmen Seife“ nicht. In ein kleines Chemielabor verwandelt sich kurzzeitig ihre Küche. Der Umgang mit der ätzenden Natriumlauge verlangt Sicherheitsvorkehrungen. Schutzbrille und Schutzhandschuhe sind ein Muss, konzentriertes Arbeiten sowieso. Diverse Fläschchen mit ätherischen Ölen oder speziell für Seifen entwickelte Duftölen, Kräuterextrakten, natürlichen Farbstoffen und Peeling-Substanzen sind aufgereiht. Das für die Verseifung vorbereitete Pflanzenöl – eine diverse Mischung aus Olivenöl, Palmöl, Kokosnussöl, Sheabutter, Mandelöl und anderen wertvollen Ölen – wartet bereits im dicken Edelstahltopf auf seine Verwandlung. Mit gebotener Vorsicht vermischt die Seifensiederin Öl und Lauge. „Mehr braucht’s eigentlich nicht“, erklärt sie. Denn alles anderes wie Farbe, Pigmente und Geruch sei reiner Luxus.

Kirsten Priebsch liebt diese Luxusseife. Ausgewählte, auf das Milligramm genau abgewogene Ingredienzen tröpfelt sie in die dicklich werdende Masse. Eine fruchtige Sanddornseife mit Seide und Sahne soll die dieses Mal werden. Geschwind wird die sanddornfarbene Masse in bereitgestellte Formen gegossen. Sie wird zu Schäfchen und Herzen, zu Drachen und zu geheimnisvoll wirkenden keltische Muster. Für eine Weile wandern Schäfchen und Co. in die Kälte, später in das Trockenregal. Jetzt ist Geduld gefragt. Bis die Seife fertig für den Einzug ins Badezimmer ist, gehen mindestens vier bis acht Wochen ins Land. So lange dauert es, bis die Verseifung abgeschlossen ist.

Seifennotstand gibt es während dieser Zeit bei der Familie Priebsch nicht. Für Vorrat an selbst gesiedeter Seife ist gesorgt. Diese sanft duftende und unglaublich milde Seife hat längst die ganze Familie schätzen gelernt. Und Bedenken zu haben, dass der Vorrat einmal zu Ende geht, braucht die Familie nicht zu haben. „Seifensieden macht süchtig“, warnt die Psychologin und Psychotherapeutin. Sie selbst will und kann es nicht mehr lassen. Froh ist sie darum, dass sie in ihrem Mann Michael Fiegle einen verständnisvollen Partner weiß, der sich immer um die Kinder kümmert, wenn sie im Seifenfieber ist. Kleine Kinder haben nämlich in ihrem Küchen-Seifenlabor nichts zu suchen. Und auch die Katze hat Eintrittsverbot.

www.atelier-kirsten-priebsch.de

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