Erinnerung an den König der Galgenlieder

Posted by on 7. Februar 2014
Kieck-Theater Weimar unterhielt mit Christian-Morgenstern-Programm im Westthüringer Kultursalon

Von Iris Henning

Mühlhausen. „Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse, auf dass er sich ein Opfer fasse. Und stürzt sich bald mit großem Grimm auf einen Manne namens Schrimm. Paul Schrimm erwidert prompt: ,Pitschü!´ – und hat ihn drauf, bis Montag früh.“ In der Champions League der deutschsprachigen Autoren der heiteren Lyrik und Prosa darf einer nicht fehlen: Christian Morgenstern. Vor knapp 100 Jahren, am 31.März 1914, ist der Meister der scheinbar grotesk-unsinnigen und doch tiefsinnig-hintergründigen Gedichte verstorben. Mit der Aufführung einer Auswahl von Gedichten, gereimten Geschichten und allerlei Merkwürdig-Nachdenklichem erinnerten Cornelia Thiele und Thomas Kieck als Kieck-Theater Weimar mit ihrem Programm „Der Unverbess“ am Mittwochabend innerhalb der Reihe „Westthüringer Kultursalon“ auf der Kleinkunstbühne in der Stadtbibliothek Jakobikirche an den König der Groteske und der Galgenlieder.

Sie gaben den teils urkomischen Texten mit der ihnen innewohnenden Morgenstern’schen Fröhlichkeit nicht nur klangvolle Stimme. Cornelia Thiele verlieh den Figuren in den Morgenstern-Gedichten und -Geschichten zudem mit pantomimischer Gabe ausdrucksvolle Gestalt. Mit Liebe zu Morgenstern-Texten und einem gewissen Schalk im Nacken schlüpft sie flink wie das „Wiesel“ in die verschiedenen Figuren. Sie ist Möwe, Magd, Palmström und mehrhundertjährige Schild-Krö-Kröte. Das macht sie mit temporeicher wirbelnder Leichtigkeit und zeigt dabei auch, wie dicht in Morgensterns Lyrik Lachen und Weinen beieinander liegen. Thomas Kieck unterstützt das eindrucksvolle Schauspiel mit einfühlsamen Gitarrenklängen. Er greift aber auch zu Klingel, Pfeife und Xylophonschlegel, um mit seinen wohl dosierten Mitteln das Känguru zum Hüpfen und die Möwe zum Fliegen zu bringen. So vermittelte das Kieck-Theater dem Publikum eine vergnügliche Stunde Kurzweil mit Texten, die auch nach 100 Jahren kein bisschen angestaubt sind. Der Galgenlied-Poet Christian Morgenstern macht auch heute noch Spaß, vor allem, wenn sich dessen Kind, der „Unverbess“ , wie ein roter Faden durch ein Kieck-Theater-Programm zieht: „Er war voll Bildungsdrang, indes: Soviel er las und Wissen aß – er blieb zugleich ein Unverbess. Ein Univer, sag ich, als Vergess. Ein Sieb aus Glas, ein Netz aus Gras. Ein Vielfraß – doch kein Haltefraß.“ Na, in solchem Vers glaubt sich manch einer stückweise wieder zu erkennen.

Cornelia Thiele und Thomas Kieck präsentieren unter dem Namen Kieck-Theater schon seit 1991 literarisch-musikalische Programme, in denen sich Schauspiel, Pantomime und Musik verbinden.

Mit ihrer Mischung aus witzigen, dramatischen und nachdenklichen Klein-Kunststücken lassen sie die Zuschauer von Basel bis Rostock und von Bautzen bis Essen lachen, träumen, schmunzeln und ergriffen sein – so geschehen jetzt auch im Westthüringer Kultursalon. Diese im Jahr 2013 ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe ist eine Initiative der VR Bank Westthüringen eG in Kooperation mit der Stadtverwaltung Mühlhausen und dem Mühlhäuser Kulturbund e.V.. Die nächste Veranstaltung innerhalb dieser Reihe findet am Freitag, 14. März, statt. Das „Duo Vimaris“ aus Weimar (Mirjam und Wieland Meinhold) serviert ab 19.30 Uhr „Farben & Klänge aus Frankreich“. Karten dafür gibt es bereits im Vorverkauf im Pressehaus am Steinweg 88 sowie in der Tourist-Information, Ratsstraße.

 

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