Ein leidenschaftlicher Liedhaber-Abend

Posted by on 15. Dezember 2013

Jörg „Ko“ Kokott begeisterte sein Publikum im Westthüringer Kultursalon

Von Iris Henning

Mühlhausen. Er sei ein Liedhaber. So bezeichnet sich Jörg „Ko“ Kokott selbst. Das Wortspiel „Liedhaber“ passt zu ihm wie die Gitarren in seinen Händen. Natürlich versteht jeder zuerst „Liebhaber“ – und ein solcher ist „Ko“ ja auch. Er ist Liebhaber der Musik, der Lieder, der Gitarre – und Liebhaber der Werke genialer Dichter und Denker, wie Heinrich Heine es war. Kokott ist dabei ein Liebhaber mit einer Leidenschaft, der selbst das Alter nichts anhaben kann. Das Gegenteil scheint der Fall, wie er am Donnerstagabend in der Mühlhäuser Stadtbibliothek Jakobikirche zeigte. Kokott, Jahrgang 1955, verarbeitete mit intensiver Lust und tiefem Gefühl seine Erfahrungen aus beinah fünf Jahrzehnten Musikschaffens. Seit seinem 9. Lebensjahr spielt der in Leipzig geborene Kokott Gitarre.

„Ko“ ist einer, der trotz oder gerade wegen seiner Leidenschaft in seinen Programmen auch nicht vor vermeintlich unpopulären Themen zurückschreckt. So widmete er sich dieses Mal seinem Dichter-und-Denker-Idol Heinrich Heine – und das ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit, in der die Tempel der Konsumlust im hellsten Lichterglanz leuchten und von der schallenden Werbeindustrie die schönsten Weihnachtslieder zu „Shop-Songs“ verhunzt werden.

„Ko“,der nicht nur Sänger und Liedermacher sondern auch Schauspieler und Mitbegründer der legendären Folkband „Wacholder“ ist, kam just in der gar nicht stillen Weihnachtszeit mit „Die alte Leier“ nach Mühlhausen. Ausgestattet mit verschiedenen Gitarren und Mandoloncello sowie diversen Requisiten wagte er mitten in der konsumtriefenden Adventszeit einen durch und durch unweihnachtlichen Blick auf das Deutschland in der Mitte des 19.Jahrhunderts und verglich mit der Jetzt-Zeit im „Land der Dichter und Denker“. Und da klang Heinrich Heines berühmtes Gedicht „Die schlesischen Weber“ zwar noch ein bisschen vertraut, aber zugleich gänzlich neu. Schließlich servierte Jörg Kokott am Abend noch zahlreiche Texte zum großen Thema Liebe, die in der Erkenntnis mündeten: „Das Glück ist eine leichte Dirne“.

Jörg „Ko“ Kokott, der bereits mit Eric Bogle, Konstantin Wecker, Hannes Wader, Klaus Doldinger, Dick Gaughan und der Sands Family auf der Bühne und Gastspiele in vielen Ländern Europas und den USA gab, war am Donnerstagabend Gast im Westthüringer Kultursalon. Sein Heine-Programm ergänzte Liedhaber Kokott durch Texte eigener Zeitgenossen wie Hannes Wader, Stephan Krawczyk, Hans-Eckardt Wenzel oder Peter Rühmkorf. Die neue Veranstaltungsreihe Westthüringer Kultursalon ist eine Initiative der VR Bank Westthüringen eG in Kooperation mit der Stadtverwaltung Mühlhausen und dem Mühlhäuser Kulturbund e.V.. Nach den bislang drei erfolgreichen Kulturabenden in diesem Jahr wird der Kultursalon 2014 fortgesetzt. Erste Veranstaltung im nächsten Jahr ist am 23. Januar ein spannender Dia-Ton-Vortrag von Thomas W. Mücke aus Berlin über eine außergewöhnliche Reise nach Sibirien.

DIASCHAU

 

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