Der alltägliche jüdische Wahnsinn

Posted by on 6. November 2013

Alexej Boris gestaltete innerhalb des Mühlhäuser Satireherbst einen Abend in „Schwarz, rot und koscher“

Von Iris Henning

Mühlhausen. Schwarz, rot und koscher. So beschreibt sich Alexej Boris selbst. Er ist Deutscher, gebürtiger Russe und Jude. Sein Migrationshintergrund liefert dem in Stuttgart lebenden Schauspieler reichlich Stoff, aus dem Satire gemacht wird. Als Deutscher, Russe und Jude kann Boris selbst bei heiklen Fragen zum Judentum aus dem Vollen schöpfen, wie es ein „nur“ deutscher, oder „nur“ russischer, oder „nur“ jüdischer Satiriker wohl kaum könnte.

Boris will mit seinem Soloprogramm das Publikum nicht nur zum Lachen bringen. Das wäre ihm zu wenig. Er will vor

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„Schwarz, rot, koscher“: Alexej Boris macht seine Herkunft zum Programm – humorvoll und tiefgründig. Foto: Iris Henning

allem ein Stück Pionierarbeit leisten: „Ich will den Deutschen den ganz alltäglichen jüdischen Wahnsinn nahe bringen!“, sagt er über sein Programm. Mit der Figur der Tante Marina – ganz der Typ einer beleibten russischen Matrone – , in die Boris immer wieder im Handumdrehen schlüpft, erklärt er den Zuschauern mit kernigem Witz und leichtem Augenzwinkern zentrale Aspekte des jüdischen Alltagslebens, egal, ob man es nun wissen wollte oder nicht. Boris antwortet auch auf Fragen, die gar nicht gestellt wurden. So ist er nun mal, wenn er wortgewandt zwischen den deutsch-jüdisch-russischen Welten, aberwitzige Parallelwelten und internationalen Fettnäpfchen regelrecht lustwandelt und koschere verbale Vergnügen austeilt, die selbst den heiligen Sabbat nicht verschonen.

Alexej Boris schmiss jedenfalls einen Abend lang all Klischees über die Juden als nur fromme Männer mit schwarzen Hüten und Schläfenlocken über den Haufen und verwöhnte mit seinen Wortattacken das Zwerchfell der Zuschauer im ausverkauften kleinen Saal des Puschkinhauses.

Boris war am Wochenende Gast innerhalb des traditionellen Mühlhäuser Satireherbstes. Gleichzeitig war sein Auftritt in Mühlhausen Bestandteil der 21. Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringens. Die stehen unter dem Motto „Aus dem Shtetl in die Städte: Jüdische Traditionen Osteuropas“ und finden bis zum 17. November 2013 in neun Thüringer Städten statt. In Mühlhausen wird es innerhalb der Jüdisch-Israelischen Kulturtage noch zwei Veranstaltungen in der Stadtbibliothek Jakobikirche geben. So erzählt Gidon Horowitz am kommenden Freitag, 8. November, ab 19.30 Uhr, aus „Der verborgene Schatz“ chassidische Geschichten. Am Freitag, 15. November, ist Stefan Müller-Ruppert zu Gast. Er liest aus Scholem Alechems „Tewje, der Milchmann“.

Die nächste Veranstaltung innerhalb des Mühlhäuser Satireherbstes steht für Samstag, 9. November, auf dem Spielplan. In der 3K-Thetaterwerkstatt Kilianikirche werden ab 21.30 Uhr „Böse Märchen für Erwachsene“ dargeboten.

 

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