Ganz schön frecher Abend

Posted by on 30. Oktober 2013

Michael Ransburg und Clemens Kröger zelebrierten im Westthüringer Kultursalon Brecht und Kreisler

Von Iris Henning

Mühlhausen. „Ganz schön frech“ (Programmtitel) und nicht immer jugendfrei ging es am Freitagabend in der Mühlhäuser Stadtbibliothek Jakobikirche innerhalb der neuen Veranstaltungsreihe „Westthüringer Kultursalon“ zu. Ein fast ausverkauftes Haus hatte sein großes Vergnügen an der Vorstellung des Schauspielers Michael Ransburg, begleitet durch den Konzertpianisten Clemens Kröger. Ransburg – jugendlich frech – und Kröger, der den durch und durch zerstreuten Pianisten mimte, boten von holder Kunst bis frecher Lyrik fast alles, was von dem großen und wortgewaltigen Provokateur Bert Brecht und dem boshaften Kabarettisten Georg Kreisler poetisch bearbeitet wurde.

Die Themen umfassten wohl beinah das gesamte menschliche Repertoire an Wesenszügen des Mensch-Seins, die noch jeder Gesellschaftsepoche innewohnen: die Lust der Liebe, die Last der Ehe, die körperliche Ausnutzung legitimiert durch staatliche Gesetze, die Freude an der Boshaftigkeit, Vorurteile und Verrat, die Tumbheit der Staatsdiener, Heuchelei, Lug und Trug, aber auch Kreativität und Kunst.

Bertolt Brecht hat eine ganze Reihe von Liedern geschrieben, die dann auf großartige Weise von Komponisten wie Hanns Eisler oder Paul Dessau vertont wurden. Brechts ohnehin schon scharfzüngigen Texte übertrifft der Wiener Kabarettist Georg Kreisler noch um einen Tick an Boshaftigkeit und raben-schwarzem Sarkasmus. „Das Rezept ist ganz einfach“, sagte Kreisler einmal über die Entstehung seiner Texte und Lieder. „Man nehme ein an und für sich grausiges Ereignis und übertreibe es maßlos, so dass es seinen Schrecken verliert und grotesk wird, dann kann man noch eine Musik dazu schreiben, die gar nicht dazu passt und schon ist das Lied fertig.“

Wie grandios es sowohl dem deutschen Dramatiker als auch dem Wiener Kabarettisten gelang, die beiden Elemente vergnügliche Unterhaltung und politische Gesellschaftskritik zusammen zu bringen, stellten Michael Ransburg und Clemens Kröger in der Arena der Stadtbibliothek ganz großartig unter Beweis: mit Gesang, Stepptanz, Breakdance und einer schauspielerischen Leistung, die purer Hochgenuss war. Mit begeistertem Applaus wurde das Duo, das zu Gast im Westthüringer Kultursalon war, vom Publikum gefeiert.

Der Westthüringer Kultursalon ist eine Initiative der VR Bank Westthüringen in Kooperation mit der Stadtverwaltung Mühlhausen und dem Mühlhäuser Kulturbund. Der Abend mit Michael Ransburg, der unter anderem schon am Wiener Burgtheater spielte und den für die Kreisler-Lieder nötigen „Wiener Schmäh“ beherrscht, und Clemens Kröger war die zweite Veranstaltung innerhalb dieser neuen Reihe. Der dritte Westthüringer Kultursalon ist für den Monat Dezember angekündigt.

 DIASCHAU

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