Entdeckt: Gartenschläfer im Stadtwald

Posted by on 29. Oktober 2013

Ein zufälliger Fund brachte den Erstnachweis über den Kleinsäuger in hiesiger Region Von Iris Henning

Landkreis. Eine kleine Sensation bekam der in Eigenrieden lebende Biologe Dr. Ralf Weise in diesen Tagen ins Haus geliefert: Er bekam Besuch von einem Gartenschläfer, einem Bilch, der sich in hiesiger Region bislang eigentlich nicht heimisch fühlte. Das niedliche Nagetierchen aus der Familie der Schlafmäuse (Bilche) wurde von einem Forstarbeiter im Mühlhäuser Stadtwald gefunden. Der Gartenschläfer hatte es sich in einem Nistkasten gemütlich gemacht. Über den Revierförster Peter Thoms kam das Tierchen in das Haus des Biologen mit der Bitte, den Kleinsäuger, der einem Siebenschläfer sehr ähnelt, zu bestimmen. Zwar erkannte Thoms den Bilch ebenfalls als Gartenschläfer – aber seines Wissens nach kommen die im Mühlhäuser Stadtwald eigentlich gar nicht vor. Um so größer auch bei ihm die Freude, dass es sich tatsächlich um einen Gartenschläfer handelt.

Seit etwa drei Jahrzehnten erforscht und erfasst Dr. Weise den Bestand der Kleinsäuger in der Hainichregion. Schnell

2216 Gartenschlaefer2216 Gartenschlaefermacht er die Bedeutung des Fundes im Stadtwald deutlich: „Dieser kleine Bilch ist der erste wissenschaftliche Nachweis dafür, dass in hiesiger Region Gartenschläfer vorkommen“. So ergänzt der Gartenschläfer von nun an den Artenreichtum der regionalen Tierwelt.

Der Gartenschläfer ist der bunteste seiner Art unter den einheimischen Bilchen, zu denen auch Haselmaus und Siebenschläfer zählen. Ein sicheres Erkennungsmerkmal ist seine schwarze Gesichtsmaske. Für die kleine Schlafmaus mit den großen Ohren und Knopfaugen sind allerdings die Zeiten nicht günstig. Biologen und Forscher verzeichnen in den letzten Jahrzehnten drastische Bestandsrückgänge. Um so glücklicher sind die Freunde 2262 Siebenschlaeferder heimische Natur über die Entdeckung im Mühlhäuser Stadtwald. „Es gibt sicherlich noch mehr Gartenschläfer“, ist sich Dr. Weise sicher.

Sie zu entdecken ist allerdings sehr schwierig und bleibt wohl ein Glücksfall. Die kleinen Gartenschläfer sind fast ausschließlich nachtaktiv. Sie verbringen den Tag in kugelförmigen Nestern, die in Baumhöhlen und gerne in Nistkästen, aber auch frei im Gebüsch gebaut werden. Erst in der Nacht werden sie munter, um auf Nahrungssuche zu gehen. Ihr Speiseplan besteht aus Insekten, Würmern, Schnecken, kleinen Wirbeltieren und Eiern sowie Früchten, Samen und Knospen. Gartenschläfer fressen auch Weinbergschnecken oder große Wegschnecken, die von anderen Tieren verschmäht werden.

1355R HaselmausÜbrigens: Trotz der Bezeichnung „Schlafmäuse“ gehören Gartenschläfer und Co. nicht zu den echten Mäusen. Der Name „Schlafmaus“ entstand, weil Bilche einen recht langen ausgedehnten Winterschlaf von bis zu sieben Monaten halten Irreführend ist auch der Name „Gartenschläfer“. Denn dieser kleine Bilch lebt meist nicht in Gärten. Er besiedelt vorwiegend Nadel- und Mischwälder mit felsigem und steinigem Untergrund.

Wie alle heimischen Bilche, ist der Gartenschläfer über die Berner Konvention international geschützt. So wurde der Gartenschläfer aus dem Mühlhäuser Stadtwald nach seinem Fototermin auch wieder in die Freiheit entlassen. Er dürfte sich mittlerweile einen gemütlichen Platz für seinen langen Winterschlaf gesucht haben.

Die heimischen Bilche: Haselmaus, Siebenschläfer und Gartenschläfer. Siebenschläfer und Gartenschläfer unterscheiden sich deutlich in der Gesichtszeichnung. Der Siebenschläfer besitzt zudem einen buschigeren Schwanz. Fotos: Ralf Weise

 

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