Testfahrer auf Tour

Posted by on 22. Oktober 2013

Rollstuhlfahrer Volkmar Kirschbaum ist für die Volkssolidarität unterwegs

Von Iris Henning

Mühlhausen. Mit einem Lächeln rollt er durch die Straßen Mühlhausens. „Guten Tag“, grüßt er nach allen Seiten. Der Rollstuhlfahrer Volkmar Kirschbaum, der an seinem fahrenden Untersatz das Schild „Testfahrer“ angebracht hat, kennt halb Mühlhausen. Noch mehr kennen ihn, der in dem vielfach preisgekrönten Dokumentarfilm des jungen Mühlhäuser Regisseurs Florian Arndt „Testfahrer“ – benannt nach dem Schild an Kirschbaums Rollstuhl – die Hauptrolle übernahm. Dafür musste er nicht lernen. Der frühere Fensterputzer spielt sich selbst, den durch schwere Krankheiten gebeutelten Mann, der trotz aller feindlichen Anwürfe des Lebens wie Arthrose, Muskelschwund, Diabetes, Multiple Sklerose und nun auch noch Prostatakrebs seinen Lebensmut und vor allem seinen Humor nicht verlor. „Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist“, spricht der heute 71-Jährige, der jeden Tag eine Handvoll Tabletten schlucken muss. Dieser Mann, der seit seinem Herzinfarkt 16 Stunden am Tag beatmet werden muss, scheint in jeder Lebenssituation einen flotten Spruch auf den Lippen zu haben.

Obwohl Volkmar Kirschbaum eigentlich nichts fehlt, was einem das Leben schwer machen kann, rollt er gegenwärtig durch sein Wohnviertel um die Grünstraße, um anderen zu helfen. Er sammelt für die Volkssolidarität. „Das mache ich seit über vierzig Jahren“, erklärt er seine Mission. Es mache ihn einfach froh und glücklich, wenn er wisse, dass dieses gesammelte Geld zum Beispiel Kindern aus armen Familien eine schöne Ferienzeit ermögliche.

Auch er wird in Kürze seine Reisetasche packen, auch, wenn das nicht so einfach und zudem ziemlich teuer ist bei all den Krankheiten, die ihn überall hin mitverfolgen und einen Spezialtransport erfordern. „Ich fahre für zwei Tage nach Hamburg“, erzählt Volkmar Kirschbaum stolz. Dort wird Ende Oktober im Kurzfilm-Festival „Klappe auf!“ wieder einmal der „Testfahrer“ gezeigt. Volkmar Kirschbaum wurde von der Festival-Jury persönlich eingeladen, „Ich freue mich sehr auf das Festival und vor allem auf neue Bekanntschaften“, sagt er. Autogrammkarten und Fan-Kugelschreiber wird er mitnehmen. Aus Erfahrung von den anderen Festivals weiß er, dass er seinen neuen Freunden damit immer Freude bereitet.

Der Dokumentarfilm „Testfahrer“ hat übrigens schon mehr als 30 Auszeichnungen eingefahren, darunter im Jahr 2012 die „Goldene Filmthuer“ im Landesfilmfestival Thüringens in Jena und den Publikumspreis im Festival „Kurzsüchtig“ in Leipzig. Der „Testfahrer“ wird mittlerweile mit Untertiteln selbst im Ausland gezeigt. Von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden gab es das Prädikat „besonders wertvoll“. Inzwischen gehört der Film vielerorts sogar zum Schullehrprogramm.

Über diesen Erfolg ist Volkmar Kirschbaum überglücklich. „Ich finde es vor allem so großartig, weil es ganz junge Leute waren, die gemeinsam mit mir diesen wunderbaren Film gestaltet haben“, sagte er. Und er ist glücklich, dass ihm nun seine Leinwand-Popularität als „Testfahrer“ bei der Listensammlung der Volkssolidarität hilft. „Wen ich anspreche, eine kleine Spende für andere zu geben, hat immer ein paar Euro dafür übrig“, freut sich der Testfahrer.

 

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