Ansteckende Lebensfreude aus New Orleans

Posted by on 4. August 2013

Sechstes Festival tauchte den Puschkingarten in musikalische Südtstaaten-Atmosphäre

 

Von Iris Henning

 

Mühlhausen. Ein Sommerabend wie aus dem Bilderbuch. Die Wärme des Tages liegt süß und schwer in der Luft. Eine bunte Menge sitzt schwatzend und lachend im Schatten von Bäumen und Sonnenschirmen an langen Tischen. Kühles Bier erfrischt durstige Kehlen. Der Abend darf lang werden. Morgen ist arbeitsfrei.

Dann, endlich, spielt die Musik, wegen der all die mindestens vier- bis fünfhundert Menschen in den Puschkingarten geströmt sind. Nicht irgendeine Musik. Es ist der berauschende Rhythmus aus dem Süden der USA, aus New Orleans, dem Schmelztiegel der Kulturen. Wenn auch „The Sazerac Swingers“ aus Gütersloh kommen, ist ihr Pulsschlag einzig und allein von Swing, Blues und Jazz bestimmt. Benannt haben sie sich übrigens nach dem beliebtesten Getränk der Stadt New Orleans, dem seit dem frühen 19. Jahrhundert beliebten Sazerac Cocktail. „The Sazerac Swingers“ halten es mit den drei großen „Louis“: Armstrong, Jordan, und Prima. Und irgendwie vermittelt besonders der kräftige, etwas zum Umfang neigende Sazerac-Swingers-Frontmann das Gefühl, sich jeweils die rauchige Stimme des einen der großen Louis mal eben schnell geborgt zu haben. Das Publikum ist begeistert und ebenfalls die Band. „Ich liebe Euch“, wird der Frontmann später in das Mikrofon rauchen, die ausgelassen Hottenden und Tanzenden werden ihre Arme zum Himmel heben und sie hin und her wiegen.

Zuvor aber kommt noch eine Größe auf die Bühne: Biber Herrmann. „Einer der authentischsten und wichtigsten Folk – Blues – Künstler in unserem Lande und darüber hinaus“ adelte schon der legendäre Konzertveranstalter Fritz Rau den Mann aus Wiesbaden. Mit begeisterten Bravo-Rufen und Applaus feierten die Zuhörer den so tief berührenden traditionellen Blues des Akustik-Gitarren-Virtuosen.

Damit war das brodelnde New-Orleans-Maß des Abends noch lange nicht gefüllt. Der Trompeter und Sänger Terrence Ngassa aus Kamerun und der aus Ghana stammende Pianist Dominic Quaye eroberten die abendliche Bühne und zerfetzten die flirrende Sommerluft mit ihrem klassischen Jazz eines Louis Armstrong, Fats Waller und Duke Ellington, so dass es ein Großteil des Publikums von den Bänken riss, um die Tanzfläche zu bevölkern. Manch ein junger Mann wirbelte seine junge Tanzfreundin dann in bester Rock’n’Roll-Manier schon mal gekonnt durch die Luft.

Das New Orleans Festival am Wochenende war die sechste Auflage seit 2008, zu der das Priorat für Kultur und Soziales gemeinsam mit der Stadtveraltung Mühlhausen eingeladen hatte. Der Kölner Konzertveranstalter Rolf Schubert war es, der die Idee brachte und Mühlhausen mit dem New-Orleans-Virus infizierte. „Die ganze Atmosphäre ist jedes mal fantastisch“, schwärmt auch der Konzertveranstalter vom Mühlhäuser Festival-Flair.

Nur ein kleines Manko gab es in diesem Jahr im Vergleich zu den bereits stattgefundenen Festivals: Es war leider viel zu früh Schluss. „Länger durften wir nicht“, bedauert auch Schubert. So ging es noch ein gutes Stück vor Mitternacht nach Hause. Wenn auch der New-Orleans-Sound längst zur grenzüberschreitenden Musik geworden ist, ist ihm doch zeitlich Grenzen gesetzt.

 

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