Vor 65 Jahren gaben sie sich das Ja-Wort

Posted by on 14. Juli 2013

Anna und Eduard Stützer aus Struth haben eisern zusammengehalten

Von Iris Henning

Struth. Sie in einem Kleid aus den Resten eines Fallschirms, er im Anzug eines im Krieg gefallenen Verwandten: So traten Anna und Eduard Stützer vor 65 Jahren vor den Altar, um sich das Ja-Wort zu geben. Sie 21, er 28 Jahre jung. Es war das Nachkriegsjahr 1948, als sie sich trauten. Er hatte neun Jahre Kriegsgefangenschaft hinter sich, war gerade mal ein Jahr lang wieder zu Hause und sehnte sich nach einem Neuanfang nach den entbehrungsreichen Jahren in der Fremde. Mit der jungen Anna an seiner Seite, die er bereits als Kind kannte.

Anna wuchs im Schwobfeld auf, einem Eichsfelddorf unweit von Struth. Anna war oft in Struth, Eduard oft in Schwobfeld. Jeder hatte seine Verwandtschaft in dem jeweils anderen Ort. Als der junge Eduard schließlich in den Kriegsdienst rücken musste, war Anna noch ein Mädchen. Als er zurückkam, fand er sie als junge, schöne Frau wieder. Sie heirateten in Schwobfeld, zogen nach Struth. Als Fleischermeister und Landwirtin verdienten sie sich ihren Lebensunterhalt.

130712 Eiserne Hochzeit Anna + Eduard Stützer (22)

Das seltene Fest der Eisenren Hochzeit feierten Anna und Eduard Stützer aus Struth. Zu der großen Schar der Gratulanten gehörten auch die Urenkel Mika (M.) und Sebastian. Foto: Iris Henning

„Ach ja, das ist schon lange her“, meint Anna Stützer. „Und, ach ja, man brauchte manches mal schon Durchhaltevermögen in den 65 Jahren.“ Fünf Kinder hat sie mit ihrem Mann großgezogen. Elf Enkel und acht Urenkel sind weitere Nachfahren. Dass sie alle zum großen Fest nach Struth gekommen sind, das sei ihr größtes Glück, freut sich die betagte Jubilarin gemeinsam mit ihrem Mann. Die weiteste Anreise hatte die Enkelin Peggy Guler-Stützer auf sich genommen. Sie kam aus Chur, aus der Schweiz, wo sie als Co-Chefärztin in einer Klinik arbeitet.

Glücklich sind die Stützers auch, dass sie in Struth nicht allein leben müssen, sondern unter dem Dach einer Großfamilie.“Wir sind immer für sie da“, meint Hubert Stützer, der jüngste Sohn des Jubelpaares. Ganz ohne Pflegedienst gehe es allerdings nicht mehr.

Doch aller Kummer wegen Krankheiten und altersbedingten Beeinträchtigungen wird am großen Festtag ausgeblendet. 65 Jahre Ehe in guten wie in schlechten Zeiten wollen auch gefeiert werden. „Das Wetter war damals, als wir geheiratet haben, genauso sommerlich wie heute“, erinnert sich Anna Stützer. Und ihr Kleid sei zwar aus den Resten eines Fallschirms genäht worden, „aber es war wunderschön“.

 

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