Auf Messers Schneide

Posted by on 2. Juli 2013

Mühlhäuser Kulturbund steckt in Finanznot und beruft eine Krisensitzung ein

Von Iris Henning

Mühlhausen. Für den Mühlhäuser Kulturbund wird es eng. „Wir haben kaum mehr einen Cent in unserer Kasse“, sagt die Vorsitzende Martina Sellmann. „Wir wissen nicht mehr, wie wir unsere Miete zahlen und bald auch nicht mehr, woher wir das Geld für Porto und Büromaterial nehmen sollen“, ist sie voller Sorge. Schon seit einigen Jahren balanciert der traditionsreiche Kulturbund haarscharf am Limit. „Doch so schlimm wie dieses Jahr, war es noch nie“, bemerkt die Chefin.

Ein Grund für die derzeit akute Situation ist der fehlende Haushalt der Stadt Mühlhausen. „Als Kulturverein sind wir faktisch immer auf finanzielle Unterstützung angewiesen, die wir auch jedes Jahr bekommen haben“, bedankt sich Sellmann für die Kontinuität der Stadt bei der Förderung der Kultur. Im vergangenen Jahr gab es immerhin 2800 Euro. Zusammen mit den Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen und Spenden habe man den notwendigen Jahresbetrag für die Miete und anfallenden Bürokosten – insgesamt etwa 8000 Euro – aufbringen können.

„Aber wir müssen darüber nachdenken, wie wir auch künftig als Kulturbund weiter existieren können“, sagt Sellmann. So wird es statt der traditionellen Dankeschön-Veranstaltung für die Ehrenamtlichen am 26. Juni eine Krisensitzung für den Vorstand und die Vertreter der kooperativ angeschlossenen Vereine geben. Ein Beratungspunkt wird die Erhebung einer Raumnutzungsgebühr sein. Damit hofft der Kulturbund auf kontinuierliche Einnahmen. „Wenn wir die Miete für unsere Kulturbundräume hier im Puschkinhaus nicht mehr zahlen können, können wir unser Buch zuklappen und viele Kulturgruppen wissen dann nicht mehr, wohin sie können. Gegenwärtig stehen wir auf Messers Schneide“ , macht Sellmann den bitteren Ernst der Situation deutlich. Dann würde eine über 65-jährige Mühlhäuser Kultur-Institution von der Bildfläche verschwinden – mit der Folge, dass es in der Kreisstadt etwa 800 Kulturangebote im Jahr weniger geben würde. Der etwa 170 Mitglieder zählende Kulturbund gilt als ein Podium für populärwissenschaftliche Vorträge, Konzerte, Kleinkunst, für Diskussionen, für Literaturschaffende, Briefmarkensammler, Fotografen und mehr.

Die Ausstellungen, musikalische Veranstaltungen, Lesungen und Bildungsangebote im musischen Bereich, die fast alle ausnahmslos ehrenamtlich angeboten werden, sind jährlich ein Anziehungspunkt für etwa 15000 Besucher aller Altersgruppen. Eintritt zu den Veranstaltungen möchte der Kulturbund jedoch nicht nehmen. Zum einen sieht er darin ein steuerrechtliches Problem, zum anderen möchte er, dass alle Menschen aus Mühlhausen und Umgebung unabhängig ihres Einkommens die Möglichkeit haben, die Angebote zu nutzen. Um freiwillige Spenden wird jedes Mal gebeten. Doch die reichen bei weitem nicht aus, das Loch in der Kasse zu stopfen.

 

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