Freude über das neue Zuhause

Posted by on 11. Juni 2013

In einem Neubau im Stadtzentrum trainieren Menschen mit Behinderung das selbständige Wohnen

Mühlhausen. Ein eigenes Zimmer in einer Wohngemeinschaft (WG) – das freut Susann Hoffmann selbst wohl am meisten. „Hier ist es schön, und ich fühle mich wohl“, sagt die 29-Jährige. Für sie ging ein großer Wunsch in Erfüllung, nämlich, dass sie trotz ihres Handicaps möglichst selbstbestimmt wohnen und leben kann. Ihr eigenes Zuhause hat sie seit kurzem in dem schönen Haus an der Brunnenstraße, einer neuen Außenwohngruppe der Mühlhäuser Werkstätten. Mit ihr zogen sieben weitere Menschen mit Handicap ein. Jeweils zu zweit teilen sie sich eine moderne Wohnung. Küche und Bad werden gemeinsam genutzt, ein Zimmer hat jeder für sich. Zudem können sich die Bewohner in einem Gemeinschaftsraum aufhalten, etwa, um gemeinsam zu kochen oder sich einfach nur zu treffen.

Gemütlich eingerichtet hat sich Susann Hoffmann ihr kleines Refugium. Einige Möbel hat sie selbst mit ausgesucht. Mit ihr eingezogen ist eine kleine Prozession bunter Plüschtiere. Die sitzen nun alle auf einem Regal. „Ich finde die schön“, sagt die junge Frau.

Susann Hoffmann

Stolz sind die Bewohner auf ihr neues Zuhause. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, bestätigt Susann Hoffmann. Foto: privat

„Es ist doch ein normaler Wunsch, dass jeder seinen persönlichen Wohnraum hat, den er oder sie nach eigenen Vorstellungen gestalten kann“, freut sich Michael Höch mit den Bewohnern über deren neues Zuhause. Höch, der eigentlich Zweigwerkstattleiter der Rehawerkstatt am Schadeberg ist, die zu den Mühlhäuser Werkstätten gehört, hat den Bau der neuen Mühlhäuser Außen-Wohnstelle und den Umzug in das neue Haus an der Brunnenstraße zusammen mit der Teamleiterin Susan Grebenstein koordiniert.

In den neuen Wohnungen in Mühlhausen können sich die Menschen mit Hilfebedarf auf ein selbstständiges Wohnen mit ambulanter Betreuung vorbereiten. Das ist ganz im Sinne des Inklusionsgedankens und der Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben. Tagesstrukturen und eigenständiges Wohnen werden trainiert, wie das Einplanen der Zeit für den Einkauf, für das Wäschewaschen und das Zimmer reinigen, die Essenszubereitung und was noch alles den Alltag bestimmt. Dazu gehören auch das Trainieren allgemeiner behördlicher Angelegenheiten, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel bis hin zur Gestaltung der Freizeit. „Es geht darum, dass unsere Bewohner größtmögliche Eigenständigkeit erlangen“, erklärt Michael Höch das Ziel.

Für Menschen mit Behinderung ist das alles andere als einfach. Susann Hoffmann benötigt auf Grund ihres Handicaps für bestimmte Dinge im Alltag Assistenz. Aber eine eigene kleine Wohnung wie die in der Brunnenstraße und die einfühlsame Unterstützung ermöglichen ihr bereits ein Stück mehr Eigenständigkeit im Alltag.

Die unmittelbare Nähe zum Stadtzentrum begünstigt das selbstbestimmte Leben. Nur wenige Geh-minuten sind es bis zum nächsten Einkaufsmarkt, zum Arzt, zur Bushaltestelle oder ins Kino. „Einfach eine schönes Wohnen“, beschreibt Susann Hoffmann diese Vorzüge. Die junge Frau wird mit der neuen Wohnerfahrung später selbst entscheiden können, welche Wohnform für sie die richtige ist, ob sie lieber in einem Wohnheim leben möchte oder mit ambulanter Betreuung in einer Privatwohnung.

Noch leer stehen die Wohnungen in den zwei oberen Etagen. Sie sind für Eltern mit Behinderung und deren Kinder reserviert. Die jungen Familien warten bereits sehnsüchtig darauf, in ihr erstes eigenes Zuhause einziehen zu können. Was fehlt, sind noch einige behördliche Bewilligungen. So schreibt es nun mal die Gesetzeslage vor. „Aber es kann nicht mehr lange dauern“, meint Höch optimistisch.

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