Ein besonderes Leben

Posted by on 11. Juni 2013

Die Hilfe vieler Menschen ermöglichten Patrick Mattheis ein eigenes Zuhause

Von Iris Henning

Mühlhausen. „Ich bin super glücklich“, zeigt Patrick Mattheis auf sein neues Zuhause. Seit kurzem lebt er in einer eigenen Wohnung: Wohnzimmer, Küche, Bad und ein Reha-Raum mit Übungsgeräten. Mit dem Rollstuhl bewegt sich der 18-Jährige Gymnasiast von einem Zimmer zum anderen. Sein Lieblingsplatz ist jedoch das Sofa. Das ist nicht nur gemütlich. Es ist riesig. Liegt Patrick darauf, wirkt er klein und zart wie ein Kind.

Für Patrick ist es immer noch wie Weihnachten und Ostern zusammen, in einer eigenen Wohnung zu leben. Er hat

Patrick Mattheis

Über ein „volles Haus“ freute sich Patrick Mattheis (liegend). Alle, die ihm geholfen haben, eine geeignete Wohnung zu finden, brachten dem jungen Mann nun Glückwünsche. Foto: Iris Henning

Pflegestufe drei plus, die höchste die es gibt. Betreuung rund um die Uhr ist für den jungen Mann überlebensnotwendig. Er leidet von Geburt an an einer seltenen und unheilbaren Krankheit – der Muskelatrophie, bei der die Muskeln abgebaut werden. Zwei Jahre lebte Patrick in der Heimstätte „Edith Stein“ für betreutes Wohnen der Mühlhäuser Werkstätten. Mit den Mitbewohnern seiner Gruppe, meist Menschen mit geistiger Behinderung, kam Patrick gut aus. Er ist ein fröhlicher, umgänglicher Typ mit sonnigem Gemüt. Er scherzt gern, ist nett und freundlich. Alle mögen ihn. Doch dann langte diese Muskelatrophie zu, griff ihn an die Kehle und ließ ein selbstständiges Atmen nicht mehr zu. Nur ein Luftröhrenschnitt, eine künstliche Atemöffnung, rettete Patrick das junge Leben. Es folgte ein mehrmonatiger Aufenthalt in einer Spezialklinik.

Inzwischen hat sich Patrick an die Kanüle gewöhnt, die ihm die Atmung über das Tracheostoma ermöglicht. Auf diese Beatmungsform ist er von nun an sein Leben lang angewiesen. Das bedeutete nicht nur eine weitere Einschränkung im Leben, sondern zudem den Verlust des vertrauten Heimplatzes. Eine Rückkehr in die Wohnstätte wurde unmöglich: Eine ausreichende intensivmedizinische Betreuung wie Patrick sie von nun an brauchen sollte, ist dort nicht möglich. Nirgendwo in Mühlhausen ist diese so leicht möglich.

Während Patrick noch in der Klinik lag, rief die Geschäftsführerin der Mühlhäuser Werkstätten, Astrid Faber, so etwas wie einen Krisenstab zusammen. Die Zielstellung: Hilfe für Patrick. Eine behindertengerechte Wohnung musste gefunden werden, in der der Jugendliche durch eine besonderen Pflegedienst, der sich auf die sogenannte Heimbeatmung und ambulante Intensivpflege spezialisiert hat, rund um die Uhr versorgt werden kann. Viele mussten in das Rettungsboot geholt werden: Neben Astrid Faber war das ein ganzer Stab an Behördenmitarbeiter wie die Amtsärztin Dagmar Böttcher, Ines Bedow von der Betreuungsbehörde, Anja Riedel vom Fachdienst Soziales, Hans-Joachim Jung von der Grundsicherung sowie Stephanie Kraft und Annett Körner als Mitarbeiterinnen der Mühlhäuser Werkstätten, die die engsten Bezugspersonen für Patrick sind. In den zu bestehenden Genehmigunsverfahren begann ein Papierkrieg, der ganze Ordner füllen sollte. Mit zur Seite standen Jürgen Klippstein von der Städtischen Wohnungsgesellschaft und Heiko Beck von der Intensivpflege Nordthüringen. „Jeder hat versucht, Patrick zu helfen. Alle nur erdenklichen gesetzeskonformen Auslegungsvarianten wurden gesucht und genutzt, damit der junge Mann sein Leben leben kann“, ist Astrid Faber immer noch gerührt von der Solidarität für Patrick, die zwischen den einzelnen Behörden entstand.

Und Patrick: „Ich möchte jedem Einzelnen von Herzen danken“, sagt er, als ihn neulich alle besuchten. Sie brachten dem jungen Mann die herzlichsten Glückwünsche für seine ersten eigenen vier Wände und wünschten ihm alles Gute.

An einer guten Zukunft arbeitet Patrick selbst auch. „Hier kann ich mich intensiv auf mein Abitur vorbereiten“, erzählt er. Das will er im Jahr 2015 absolvieren. Anschließend möchte er studieren. Ein Leben als Wirtschaftsrechtsanwalt oder Astrophysiker könnte er sich gut vorstellen.

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