Der unerfüllte Traum von einer besseren Welt

Posted by on 5. Juni 2013

Elisabeth Weidemann zeigt im Stadtmuseum im Augustinerkloster „Zeitzeichen und Zerreißproben“

Von Iris Henning

Bad Langensalza. „Was hast du getan, Eva?“. Diese Collage ziert das Plakat, das für die jetzt im Stadtmuseum im Augustinerkloster eröffnete Ausstellung der Bad Langensalzaer Künstlerin Elisabeth Weidemann wirbt. „Zeitzeichen und Zerreißproben“ ist der Titel der Ausstellung. Sowohl der Titel der Collage als auch der der Ausstellung stehen symbolisch für die Künstlerin, die Ende vergangenen Jahres ihr achtes Lebensjahrzehnt vollendete.

Mehr als 100 Arbeiten – Zeichnungen, Collagen, keramische Arbeiten und Entwürfe – aus fünf Jahrzehnten Schaffen stellen eine immer suchende Künstlerin vor, die mit beachtenswerter gestalterischer Kreativität innere und äußere Konflikte widerspiegelt. Man ahnt: Es sind Konflikte sowohl ihres eigenen Lebens als auch in der großen Welt. Dazu muss man wissen, dass diese Elisabeth Weidemann – Jahrgang 1932 – es geschafft hat, sich herauszupulen aus der in ihrer Generation noch zugeordneten Rolle als Mutter und mitverdienenden Ehefrau. Eine Rolle, die sie zwar zeitlich ausfüllte, aber niemals erfüllte. Sie wollte sich nicht auf die ihr zugewiesene Rolle reduziert sehen – und rebellierte mittels der Kunst. Diese Rebellion dürfte eine der intensivsten Zerreißproben in ihren jungen Jahren gewesen sein.

Elisabeth Weidemann bestand diese Prüfung – und ging fortan ihren Weg als Künstlerin, um weitere Zerreißproben herauszufordern und Zeitzeichen zu setzen. Ihre Zeitzeichen formt sie aus Zufällen, irritierenden Nachrichten und bizarr geformten Fundstücken. In den so entstehenden Arbeiten erzählt sie auf ihre Art, was sie denkt und wie sie fühlt.

„Elisabeth Weidemann ist eine souverän gestalterische Kraft“, würdigte der Geschäftsführer der Kulturförderung Art regio Sparkassenversicherung, Dr. Rolf Luhn, während der Vernissage die Jubilarin. „Ihre Kunst ist Teil der Erkundung der eigenen Psyche, als Reflexion ihrer Innen- und Außenwelt“, blickte der Erfurter Kunstwissenschaftler Jörg-Heiko Bruns in seiner Laudatio auf die Künstlerin, die sich stark von den Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts inspirieren ließ und lässt: von den Dadaisten, den Surrealisten und den Pop-Artisten.

Elisabeth Weidemann schrieb vor einigen Jahren einmal selbst über ihre Art, die Dinge zu betrachten und künstlerisch zu verarbeiten: „Für mich ist der Gestaltungsprozess ein sehr bewegter und bewegender Vorgang, der ein Pendeln zwischen dem Pol der Stille, der gesammelten Konzentration, des Suchens und dem Pol der Bewegung, der loslassenden austeilenden Aktivität darstellt.“

Dieses Pendeln und ihre aus ihrer hin und her gerissenen Künstlerseele geschaffenen Arbeiten bestimmen auch heute noch ihre Ausdrucksstärke. Denn nicht ohne leisen Vorwurf fragt die lebenserfahrene Elisabeth Weidemann immer noch „Was hast Du getan, Eva?“. Sehr wohl träumt die Bad Langensalzaerin die von vielen Menschen auf der Welt geträumte Utopie vom paradiesischen Garten, von Harmonie und Glückseligkeit, kurzum, den großen Traum einer besseren Welt „Die Künstlerin weiß aber, dass wir uns solch einem Ideal-Bild bestenfalls nähern können“, blickte Heiko Bruns auf ihre Arbeiten.

Die Ausstellung „Zeitzeichen und Zerreißproben“ ist bis zum 8. September im Stadtmuseum im Augustinerkloster zu sehen.

 

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