Die Chance, ganz normal zur Arbeit zu gehen

Posted by on 22. Mai 2013

Rehawerkstatt blickt auf Jubiläum: Vor fünf Jahren Einzug in das Gewerbegebiet „Schadeberg II“

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN. Ein richtiger Arbeitsplatz in einem richtigen Betrieb: Für den Mühlhäuser Andreas Schenk (42) war es schwerer als für andere, einen Job zu finden. Der 42-Jährige leidet unter einer psychischen Erkrankung. „Aber deswegen ich bin nicht arbeitsunfähig“, sagt er mit Bestimmtheit. Das beweist er in der MM Möve-Metall GmbH am Schadeberg. Präzisions- und Qualitätsarbeit leistet er an seiner Maschine. Zubehörteile für die Automobilindustrie stellt er her. Was ihn von seinen Kollegen unterscheidet ist, dass er mehr Zeit braucht und dann und wann seinen Betreuer an seiner Seite.

Andreas Schenk hat einen der drei in der MM Möve-Metall GmbH angesiedelten Außenarbeitsplätze der Rehawerkstatt, die zu den Mühlhäuser Werkstätten gehört. Damit hat der Metall-Bearbeiter gute Chancen, einen Platz auf dem sogenannten ersten Abseitsmarkt zu finden.

Der Weg dorthin ist lang und führt bei allem guten Willen und viel Mühe auch nicht immer bis zum Ziel, sind die Erfahrungen des Zweigwerkstattleiters Michael Höch. Dem permanenten Leistungsdruck können Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen auf Dauer kaum standhalten. Durch intensive Begleitung der Gruppenleiter, Berufsassistenten, des Sozialen Dienstes und der Werkstattleitung wird für die Werkstatt-Mitarbeiter mit psychischen Erkrankungen ein kontinuierliches Ankommen und Standhalten in der Arbeitswelt ermöglicht.

In diesem Jahr feiert die Rehawerkstatt ihr erstes kleines Jubiläum: Vor fünf Jahren zog sie in die neuen Räume am Schadeberg ein. 38 Beschäftigte mit Behinderung wurden dort am ersten Arbeitstag in der Werkstatt begrüßt. Heute arbeiten dort mehr als 60 Frauen und Männer.

Der Standort mitten im Gebäudekomplex der Firma MM Möve-Metall GmbH im Gewerbegebiet

„Schadeberg II“ wurde mit Bedacht gewählt. „Wir wollen nicht irgendwo weit draußen am Rand existieren. Wir wollen mittendrin sein und dazu gehören, teilhaben“, erklärt Höch. Mittendrin und dazu gehören bedeutet für die hier Beschäftigten ein möglichst normales Arbeitsleben mit ganz normalen Qualitätsanforderungen wie in jedem modernen Industriebetrieb. Nur mit dem Unterschied, dass für die Werkstatt-Mitarbeiter der Leistungsdruck zurück genommen ist, sowie fachliche und pädagogische Betreuung zur Verfügung stehen.

Die Beschäftigten arbeiten in der Mediengestaltung, Montage, Lager, Hauswirtschaft und Küche. Es werden schicke Prospekte erstellt, es werden hochqualitative Zubehörteile für die Automobilindustrie hergestellt, es wird sachgerecht verpackt, es werden Hausarbeiten solide erledigt, es wird gekocht und gebacken. In allen Abteilungen herrscht geschäftiges, aber relativ entspanntes Treiben. So erleben die Beschäftigten in Begleitung ihrer Betreuer, was sie oft seit Jahren vermisst haben: Teamarbeit, Selbstwertgefühl und das Kennenlernen und Ausschöpfen eigener Fähigkeiten und Talente.

In diesem wohltuenden Arbeitsklima würden gern noch mehr Menschen mit seelischer Behinderung arbeiten, blickt Michael Höch auf die Wunschliste der Werkstatt-Mitarbeiter. Doch das geht im Moment nicht. Die Rehawerkstatt ist am Rand ihrer Platzzahl angelangt. Aber es gibt bereits konkrete Pläne, die Werkstatt zu erweitern, um noch mehr Menschen die Chance zu geben, nach ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten einen ganz normalen Alltag leben zu können.

 

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