Sieben „Otto Dix“ für die Mühlhäuser Museen

Posted by on 27. März 2013

Freundeskreis ermöglichte den spektakulären Ankauf aus einem Auktionsangebot

 

Von Iris Henning

Mühlhausen. Das ist in einer Kleinstadt wie Mühlhausen schon spektakulär: Die Kunstsammlung der Mühlhäuser Museen ist von einem Tag auf den anderen um sieben Lithografien des Malers und Grafikers Otto Dix reicher. Möglich machte diesen Ankauf der Freundeskreis Mühlhäuser Museen. Bei den Drucken aus dem Jahr 1960 handelt es sich um Illustrationen zum Matthäus-Evangelium, das mit der revidierten Lutherübersetzung von 1956 im Käthe Vogt Verlag Berlin erschienen ist. „Wir sind überglücklich, mit diesen Drucken unsere Sammlung zu erweitern“, sagt der stellvertretende Direktor der Mühlhäuser Museen und Referatsleiter Kunst, Jürgen Winter.

Die Dix-Bilder entdeckte eine Museumsmitarbeiterin während routinemäßiger Recherche-Arbeiten in einem Auktionskatalog. Doch selbst der verhältnismäßig moderate Preis für die Bilder war zu hoch für die Museen. „Unser jährliches Budget zeigt eine Null“, beschreibt Jürgen Winter die seit Jahren anhaltende Finanznot der Museen.

Dr. Michael Scholl und jürgen winter

Ein Freudentag ist es für Jürgen Winter (r.), als er vom Vorsitzenden des Freundeskreises der Mühlhäuser Museen, Dr. Michael Scholl“, die Dix-Bilder bekommt. Foto: Iris Henning

Wieder einmal sprang der Freundeskreis der Mühlhäuser Museen ein. „Da brauchten wir nicht lange zu überlegen. So ein Angebot kommt so schnell nicht wieder“, erklärte der Vorsitzende des Freundeskreises, Dr. Michael Scholl, während der Übergabe der Bilder.

Insgesamt hat der Freundeskreis seit seiner Gründung vor knapp drei Jahren bereits etwa 25000 Euro aus Spenden und Mitgliederbeiträgen zur Verfügung stellen können, um fast Verlorenes zu retten, Wertvolles zu erhalten und Gegenwart zu pflegen. „Dennoch bleibt die kulturpolitische Verantwortung für die Museen bei den Trägern, also dem Unstrut-Hainich-Kreis und der Stadt Mühlhausen“, betont der Freundeskreis-Vorsitzende. Bürgerschaftliches Engagement müsse zwar der Rotstift-Politik entgegentreten, dürfe aber von politischer Seite nicht dazu missbraucht werden, sich vollends der Verantwortung für die Kultur zu entziehen.

Ein herzliches Dankeschön richtet Museumsdirektor Thomas T. Müller dem Freundeskreis für diese weitere Unterstützung aus. Ohne diese punktuelle Unterstützung wäre vieles schon nicht mehr realisierbar. Die Lithografien von Otto Dix nennt er eine große Bereicherung sowie einen qualitativen Sprung für die Kunstsammlung im Haus. Die im Jahr 1988 gegründete Sammlung wurde erst kürzlich von einer von Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) eingesetzten Expertenkommission als „überregional bedeutenden Sammlung“ eingestuft – da hatte die Sammlung erst einen Otto Dix.

Mit den sieben Lithografien von Otto Dix bekommt diese Sammlung noch einige Juwelen hinzu. Der bei Gera geborene Otto Dix (1891 – 1969) zählt zu den bedeutenden deutschen Maler und Grafiker des 20. Jahrhunderts. Neben Landschaften beschäftigten Dix in seinem Spätwerk vor allem christliche Themen. „Doch auch, wenn Dix von jeglichen Erklärungen zu seinem Werk Abstand genommen hat und somit nicht einfach auf seine Intention geschlossen werden kann, ging es ihm dabei wohl nicht um Bekehrung und spirituelle Missionsfeier, sondern vielmehr um freies Schöpfen aus einem schier unerschöpflichen Reservoir von Symbolen, die über den christlichen Mythos hinaus existenzielle menschliche Daseinszustände spiegeln“, so Jürgen Winter.

Derzeit umfasst die Sammlung der Mühlhäuser Museen zum Kunstraum Thüringen im 20. Jahrhundert etwa 3500 Exponate der Malerei und Grafik von mehr als 300 Thüringer Künstlern. Die Dix-Lithografien sollen erstmals während der Sonderausstellung „ARTgerechter Zuwachs“, die am 20. Juni in der Marienkirche in Mühlhausen eröffnet wird, öffentlich gezeigt werden. Neben dieser Schenkung werden in dieser Ausstellung weitere Neuerwerbungen der Sammlung aus den letzten Jahren präsentiert werden.

 

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