Wenn die Puppen zur Literatur greifen

Posted by on 11. März 2013

Mühlhausen war Gastgeber für Puppenspieler aus ganz Deutschland

 

Von Iris Henning

Mühlhausen. „Puppentheater und Literatur“ war das zentrale Thema, über das Puppenspieler aus ganz Deutschland am Wochenende während ihrer Jahreshauptversammlung diskutierten. Tagungsort des dreitägigen Treffens der deutschen Union International de la Marionette (Unima) war erstmals Mühlhausen. Kulisse der Diskussion war die 3K- Spielstätte Kilinikirche.

„Immer wieder greifen wir Puppenspieler gern auf literarische Texte zurück und adaptieren sie für unsere Puppenbühnen“, erklärt die 2. Vorsitzende der deutschen Unima, Ruth Brockhausen vom „Theater der Nacht“ aus Northeim die Wahl des Themas. Märchen, Kinderliteraturklassiker und Weltliteratur bieten eben immer wieder spannenden Stoff , der sich für Geschichten auf den Puppenbühnen adaptieren lasse. Und auch im digitalen Zeitalter der Computerwelt hätten die Geschichten auf der Puppenbühne ihren Charme nicht verloren.

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Um Menschen, Puppen und Weltliteratur drehte sich das Treffen der Puppenspieler aus ganz Deutschland. Im Bild die Puppenspielerin Monika Bohne von der Landesarbeitsgemeinschaft Puppentheater Thüringen, 3K-Spielleiter Bernhard Ohnesorge und die 2. Vorsitzende der deutschen Unima, Ruth Brockhausen (v.l.) Foto: Iris Henning

Interessant sei dabei die unterschiedliche Wahrnehmung von Erwachsenen und Kindern. „Die geht weit auseinander“, bezieht sich die Northeimer Puppenspielerin auf die während des Treffens ausgewertete Befragung von Lehrern und Schülern. Während die Kinder spannende Abenteuer- und Fantasiegeschichten bevorzugten, wählten die Lehrer eher etwas Niedliches aus. „Kinder sind oft erwachsener, als die Lehrer manchmal denken“, resümiert Ruth Brockhausen. Im Genre Puppentheater sieht sie zudem eine schöne Möglichkeit sowohl für Kinder als auch Erwachsene, sich mit dem literarischen Ursprungstext tiefer auseinanderzusetzen. Das würde der Leiter der 3K-Spielstätte, Bernhard Ohnesorge, so ebenfalls unterschreiben. Ohnesorge, der selbst ausgebildeter Puppenspieler ist, sieht das Puppentheater als einen interessanten und außergewöhnlichen Zugang zur Literatur.

Rein theoretisch blieb das Symposium nicht. Es wurde begleitet durch Puppenspiel und Theater. Das Meininger Puppentheater kam mit dem Gastspiel „Der kleine Hobbit“ und die Mühlhäuser 3K-Spieler führten ihre neue Inszenierung „Krabat“ sowie den Märchenklassiker „Rotkäppchen“ auf. Auch davon schwärmt die Puppenspiel-Expertin aus Northeim: „Diese Kirche hier in Mühlhausen ist ein fantastische Spielstätte. Ich fand es sehr spannend, in ein Haus zu kommen, in dem Amateure auf so professionelle Weise spielen“, würdigte sie. Überhaupt hätten sie und ihre Puppenspieler-Kollegen gestaunt, wie viele Kirchen es in Mühlhausen gibt und wie viele davon kulturell , als Spielstätte, Bibliothek und museale Ausstellungsstätten genutzt würden. Während eines Stadtrundgangs hätten sie einige davon kennengelernt. „So viele Kirchen, die so unterschiedlich genutzt werden, die Orte der Begegnung für Generationen sind und dem Leben Inhalt geben, habe ich noch in keiner anderen deutschen Stadt gesehen“, sagte sie.

Ruth Brockhausen ist eine, die das gut einschätzen kann. Als aktive Puppenspielerin ist sie mit der Bühne „Theater der Nacht“ landauf und landab unterwegs.

Infokasten:

Die Unima ist die älteste internationale Vereinigung der Puppenspieler und Figurentheater-Interessierten, gegründet im Jahr 1929 in Prag. Sie vereinigt alle denkbaren Formen des Figurentheaters unter ihrem Dach, wie Objekttheater, das Schattenspiel sowie das traditionelle Puppenspiel in all seinen Darstellungs- und Erscheinungsformen. Ein Ziel der Unima ist die weltweite Vernetzung aller Puppenspieler. Die Unima Deutschland wurde 1972 gegründet und zählt heute etwa 450 Mitglieder. Alljährlich lädt die Unima Deutschland zur Hauptversammlung ein und war jetzt das zweite Mal zu Gast in den neuen Bundesländern.

 

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