Meister der Abstraktion

Posted by on 1. Februar 2013

Mit Gil Schlesinger holte der Verein Westthüringer einen markanten Künstler in die Galerie im Schloss

 

Von Iris Henning

 

Bad Langensalza. „Ausstellung Gil Schlesinger“ titelt der Verein Kunstwestthüringer seine erste Ausstellung im Jahr 2013 in seiner Galerie im Schloss Dryburg. Die wurde am Donnerstagabend vor großem Publikum eröffnet.

Mit dem betagten Gil Schlesinger – er wurde 1931 in Aussig, dem heutigen Usti nad labem, einer Stadt im Norden von Böhmen, Tschechien, geboren und lebt heute in Pfaffenhofen in Bayern – holten sich die Kunstwestthüringer nicht nur einen Meister der Abstraktion ins Haus. Gil Schlesinger ist ebenso eine „ungewöhnliche Erscheinung“, beschreibt Laudator Professor Peter Lange den Künstler und zitierte damit dessen engsten Künstlerfreund und Weggefährten Hans-Hendrik Grimmling.

„Sechs Jahrzehnte deutsche Geschichte, die sich in dem malerischen und grafischen Werk des Künstlers widerspiegeln, sind prägend für diese Persönlichkeit, die wir in unserer Galerie präsentieren dürfen“, stellte die Vorsitzende der Künstlervereinigung, Judith Unfug-Leinhos, den Gast vor.

Dazu muss man wohl etwas zurückblicken in die wechselvolle Biographie des Künstlers, die reichlich Stoff zum intensiven Nachdenken liefert, weil sie Geschichte reflektiert. Als Kind einer jüdischen Familie waren er und seine Angehörigen rassistischer Verfolgung ausgesetzt. Einige Jahre lang galt es, versteckt zu leben. 1948 siedelte die Familie dann nach Israel. Diese Zeit der hebräischen Kultur in verschiedenen Kibbuzim war prägend für den heranwachsenden Gil. Sie schärfte seinen Blick für die Vielfalt der Menschen, die Zuflucht gesucht hatten. Mit neuen Hoffnungen und idealistischen Vorstellungen an ein besseres Deutschland wählte Gil Schlesinger 1955 die DDR zu seiner neuen Heimat. Er studierte Theatermalerei, wurde 1967 in den Künstlerverband der DDR aufgenommen und arbeitete von nun an freischaffend. Doch mit vielen seiner abstrakten Darstellungen sollte er bald anecken. Seine Art, die Dinge künstlerisch zu reflektieren, passte nicht in das Bild des realistischen Sozialismus. Trotz aller Zäsur: Er blieb über alle Maßen unkonform zur allgemein gültigen Linie. Von den Jahren und Jahrzehnten desillusioniert vom Leben im vermeintlich besseren Land reiste Gil Schlesinger 1980 aus. Nun kam wieder „Licht in seine Werke“, wie Prof. Peter Langer in seiner Laudatio sagte. Von Reisen nach Spanien, Griechenland und Italien, die ihm vorher verwehrt blieben, ließ er sich inspirieren. Er verarbeitete biblische und mythologische Themen. Es folgten Ausstellungen n Deutschland, Holland und Frankreich.

Noch heute beeindruckt der heute über 80-Jährige Gil Schlesinger mit seiner unglaublichen Schaffenskraft und seinem Elan. Sein Haus in Pfaffenhofen ist voller Bilder, die Werkstatt voller angefangene Arbeiten, gab Prof. Langer einen kleinen Einblick in seinen Besuch bei Familie Schlesinger.

Aus diesem riesigen Fundus zeigt Gil Schlesinger einen kleinen Teil aus 50 Jahren Künstlerleben, Zu sehen ist eine ausgewogene Auswahl von düster-mystischen Bildern, bunten Bildern voll Poesie sowie helle Kompositionen. „Ein Ausschnitt, der repräsentativ für Gil Schlesinger ist“, so Prof. Langer .

Die Ausstellung „Gil Schlesinger“ ist bis zum 23. März 2013 in der Galerie im Schloss Dryburg zu sehen. Öffnungszeiten: donnerstags, freitags und samstags jeweils von 14 bis 17 Uhr.

DIASCHAU

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