Von der Klassik zum Jazz

Posted by on 27. Januar 2013

Die Kulturbund Swingers setzen mit ihrer Musik klangvolle Akzente in der Region. Der Mann an der Bass-Gitarre ist der Gartenbau-Ingenieur Heiko Zindler.

Von Iris Henning

Landkreis. Musik setzt klangvolle Farbtupfer. Besondere Tupfer in einer Region ist die Musik, die in der Region selbst gestaltet wird. Im Unstrut-Hainich-Kreis zum Beispiel durch die Gruppe „Kulturbund Swingers“. Die geht jetzt in ihr „verflixtes siebentes Jahr“. Wie durch Zufall fanden sich die Musikschaffenden im Januar 2006 zusammen – und verstanden sich auf Anhieb.

Einer von ihnen ist der Bass-Gitarrist Heiko Zindler aus Bollstedt. Vorgänger seiner Fredless-E-Bass-Gitarre (sie hat keine Bundstäbe, deshalb kann man sich schön verspielen) war seine „ Kampfgitarre“, eine ganz normale Klampfe. „Kampfgitarre“ deshalb, weil das gute Stück in ihren mehr als drei Lebensjahrzehnten schon einiges erleiden musste, was eigentlich tödlich für so ein Saiteninstrument ist, erzählt Heiko Zindler, der Gartenbau studiert hat und als Berufsschullehrer tätig ist. So war diese Gitarre einst Ersatz für einen fehlenden Sofa-Fuß bei einem Kollegen seines Vaters.Letzterer erlöste die Gitarre durch schwere Literatur (Marx und Lenin) und brachte das Instrument seinem heranwachsenden Sohn mit, der sich gerade dafür interessierte, Gitarre zu üben. „Das war aber nicht alles aus dem Leben meiner Gitarre“, berichtet der Musiker weiteres Unglaubliches. So sei das gute Stück schon mal in ein Lagerfeuer gefallen, habe während einer Paddeltour Wasserkontakt gehabt und ein sturzbetrunkener Kommilitone fiel mit ihr der Länge nach hin. Die Gitarre überlebte und ist über die Jahre so etwas wie ein besondere Begleiterin für Heiko Zindler geworden.

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Heiko Zindlers musikalische Leidenschaft gilt dem Swing und Jazz. Er spielt E-Bass-Gitarre und singt.

Das erste Gitarrenstück lernte er, als er 15 war. Bei Blitz und Donner saß er mit seinem Onkel auf einem Leipziger Balkon. Der dunkle Himmel sei die richtige Kulisse für „Der Geisterreiter“ gewesen. Es folgte eine kurze und intensive Ausbildung beim Nachbarn, einem Geigenlehrer. „Ich bekam Klassik eingetrichtert“, seufzt Heiko Zindler heute noch.Trotzdem hätte er sich stets auf die Gitarrenstunden gefreut. Es war eben etwas Neues. Nur das Notenlesen sei purer Stress gewesen, weshalb sich die Noten in seinem Gedächtnis auch gleich wieder verflüchtigt hätten. Die weitere musikalische Ausbildung verordnete er sich selbst. Neben seinem Studium wurde er zum unermüdlichen Autodidakt für Gitarre und Gesang.

Heute zählt Heiko Zindler, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, zu denjenigen, die in Mühlhausen und in der Region über Jahrzehnte mit ihrer „ehrenamtlichen“ Musik für unzählige unterhaltsame Stunden gesorgt haben. Er war Mitglied in den Gruppen „Gegensatz“ und „Greenhouse“, war in der Tilenau-Swing-Band gern gesehener Gast und nun spielt er im siebenten Jahr bei den Kulturbund Swingers die E-Bass-Gitarre.

Ohne stetes Üben läuft freilich nichts, erst recht nicht, wenn das Lied-Repertoire mittlerweile gut und gern 120 Titel umfasst. Mit der Gruppe wird jeden Freitag geprobt (und ein „Schäumchen“ zur Auflockerung genossen). Hinzu kommen die Probestunden zu Hause. Für den neuen Titel „Das Meer“ hat er ein halbes Jahr lang drei bis vier Mal die Woche geübt. „Ganz weit weg, im Kaminzimmer“, so Heiko Zindler, damit es für Frau und Kinder nicht zu nervig wird. Inzwischen ist „Das Meer“ neben „Honeysuckle Rose“ der persönliche Lieblingstitel des Bassgitarristen. Liebend gern würde Heiko Zindler gern einmal auch einen eigenen Jazztitel auflegen, „der dann richtig einschlägt“, träumt er. Etwa so, wie bei seinen Idolen Götz Alzmann, Manfred Krug, Max Raabe oder Caro Emerland. Aber er würde sich schon freuen, wenn er mit der Band mal an einem Jazzfestival teilnehmen könnte, bleibt er auf dem Teppich.

(In der nächsten Folge stellen wir den Saxophonisten und Sänger Torsten Claus vor.)

 

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