Turbulentes Tabularasa im Büchertempel

Posted by on 20. Januar 2013

Zum Auftakt des Mühlhäuser Kulturjahrs 2013 gab es Schwarze Grütze

Von Iris Henning

Mühlhausen. Der Titel ist schon Irrsinn. „Tabularasa Trotz Tohuwabohu“. Wer, zum Kuckuck, soll sich denn den merken? So ein Stabreim ist doch die absolute Grütze, die absolute Schwarze Grütze. Und genau darauf hat es das gleichnamige beliebte Potsdamer Musikkabarett-Duo am Wochenende in der Stadtbibliothek Mühlhausen angelegt. Geht es um spaßiges, hintergründiges und tiefscharzes Sprachwirrwarr, dann sind Dirk Pursche und Stefan Klucke die Experten.

Natürlich geht es in „Tabularasa Trotz Tohuwabohu“ um den großen weltpolitischnen und alltäglichen Wahnsinn sowie jede Menge Nonsens, etwa um den Jahrhundertwinter und die Klimaerwärmung, den Lotto-Sechser und flotten Dreier oder darum, wie man sich eines Katzenklos, diverser Leichen und anderer Probleme bei Ebay entledigt.

Schwarze Grütze (1)

Sie sind die Experten für hintergründiges Sprachwirrwarr und servieren dieses mit viel Musik: Dirk Pursche und Stefan Klucke. Als Duo „Schwarze Grütze“ begeistern sie ihr Publikum. Foto: Iris Henning

Das Publikum im vollbesetzten Büchertempe gibt nicht nur immer wieder Szenenapplaus während des zweistündigen Ratgeberabends, wie man besser durchs Leben kommt, sondern lacht mitunter Tränen über diesen heimtückischen Humor, der da genüsslich ausgeschüttet wird.

Dirk Pursche und Stefan Klucke haben es ja auch faustdick hinter den Ohren, ihre Gäste in ein Labyrinth der guten Laune herumzuführen. Hinter jeder Biegung lauert eine neue Lachattacke, etwa in der Wortspielabteilung. Dort wird der Kurswechsel zum Wechselkurs und der Hammervorschlag zum Vorschlaghamme und bald weiß die neue Mitte nicht mehr, wo vorn und wo hinten ist, und ob die FDP nun doch eine PDF ist.

Nichts scheint den Potsamern zu heilig zu sein, um nicht durch die Schwarze Grütez gezogen werden. Letztlich bekommt auch noch eine ADHS-verdächtige Rennmaus ihr Ritalin weg, bekommt die Pille gegen die Krankheit, ein Zappelphilip zu sein.

Aber so unverschämt schwarzhumorig waren sie schon immer und so liebt sie das Publikum. Zum vierten Mal war das Duo bereits Gast in Mühlhausen, zum vierten Mal war der Saal voller Fans und Freunde und zum vierten Mal erklatschte sich das Publikum zum Schluss noch zwei hübsche Zugaben.

Viel „Tabularasa Trotz Tohuwabohu“ also zum Auftakt des Mühlhäsuer Kulturjahres 2013. Oder war es Tohuwabohu trotz Tabularasa“? Zum Schluss wusste das wohl niemand mehr genau, was auch gar nicht merh wichtig scheint. Dafür aber weiß jeder Gast, was ein Lebwerwurst-Tag ist. Das ist der Tag, an dem einen die Leber wurst ist. „Bei uns geht keiner dümmer hinaus, als er hinein gekommen ist“, versprachen die Grütze-Zubereiter während ihres Programms. Auf jeden Fall geht ein jeder nach einer Portion Schwarzer Grütze mit gehörig guter Laune nach Hause (oder ins Nachtleben von Mühlhausen).

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