Gleichnis für Seelenlandschaften

Posted by on 1. Oktober 2012

Die „Kleine Galerie“ des Mühlhäuser Kulturbundes zeigt Arbeiten des Bollstedter Künstlers Siegfried Böhning.

 

Von Iris Henning

 

Mühlhausen. Sein Sujet sind die Landschaften. Immer wieder richtet er dabei den Blick auf die heimatliche Scholle. Der in Bollstedt verwurzelte Maler Siegfried Böhning ist kein von Fernweh Getriebener. Was er sucht, findet er weder am Nordseestrand noch in New York. Seine Entdeckungen macht er unmittelbar vor der Haustür. Der Direktor der Mühlhäuser Museen, Thomas T. Müller, sagte einmal nach einer Begegnung mit dem Künstler: „Er ist ein Mann, der in seinem Garten, der auf den Feldern und Fluren um Bollstedt seine Inspiration und gleichsam tiefe Verwurzelung findet. Und dennoch richtet sich sein Blick nie nur nach unten. Ebenso wie der Boden, auf dem er geht, ebenso wie die Umwelt, in der er lebt, ebenso zieht in das Unendliche an, das er nicht nur in den Weiten seiner Bilder, sondern auch in jenen des Raumes findet, der er – als studierter Physiker – mit dem Teleskop immer wieder neu erkundet.“

Seit Mittwochabend sind Bilder aus der Böhning’schen Landschaftswelt in der Kleinen Galerie im Kulturbund, im Puschkinhaus, ausgestellt. Sie laden ein zu einer Bilderreise durch mehrere Jahrzehnte.

Eine Balance zwischen Ordnung und Chaos

Wer Siegfried Böhning kennt, weiß, dass dessen bildlichen Landschaften ganz und gar nicht denen aus der Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts ähneln. Böhnings Bilder sind weder ideal noch real und schon gar nicht heroisch. Seine Landschaften sind selten gleich als solche erkennbar. Als Physiker und Hobby-Astronom hat er sein Landschaftsbild erweitert. Es scheint, als betrachte er die Welt von oben, als studierte er die Grundmuster der Natur, immer darauf bedacht, die Balance zwischen Ordnung und Chaos zu wahren. „Insofern ist Siegfried Böhnings Malerei künstlerisches Gleichnis auch für innere Landschaften, also für Seelenlandschaften; insofern ist der Künstler ein Philosoph unter den Landschaftern – und er ist einer der letzten Vertreter dieses in Thüringen so traditionsreichen Sujets, das er nach dem Gesetz des Vergehens und des Werdens in seiner Kunst sowohl aufgehoben wie auf eigene Weise fortgeführt hat“, beschrieb einmal der stellvertretende Museumsdirektor und Kunstwissenschaftler Jürgen Winter die Arbeiten des Bollstedter Künstlers.

„Siegfried Böhning ist stilistisch unterwegs“, hieß es von der Laudatorin Dr. Susann Ortmann zur Ausstellungseröffnung. Das Thema Landschaft gebe ihm überhaupt erst die Möglichkeit, derart unterwegs zu sein. In Analogie zum nie enden wollenden Schöpfungsprozess der Natur sei auch er schöpferisch tätig, suche Inspiration in dem, was sich dem Auge biete.

Wie sich der Betrachter der Böhning’schen Bilder auch zu den Arbeiten positionieren mag: Ein Besuch der Ausstellung in der Kleinen Galerie kann zu einem Landschaftserlebnis werden. Zu sehen sind die Bilder dort bis Ende Oktober. Der Eintritt ist frei.

DIASCHAU

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