Dorfschönheiten am Hainich:Flarchheim

Posted by on 11. September 2012

Dorfschönheiten am Hainich: Im Juni vergangenen Jahres erhielt der Nationalpark Hainich von der Unesco den Status des Weltnaturerbes.

Ein Sachverhalt, der den Dörfern touristische Aufwertung bringen könnte. In dieser Serie stellen wir einige Orte vor. Heute: Flarchheim

Altes Backs sucht neuen Bäcker

 

Von Iris Henning

 

Flarchheim. „Am schönsten in Flarchheim ist, dass es ein sehenswertes Bauerndorf geworden ist. Eins mit gepflegten Häusern, in denen sich die Familien wohl fühlen. Das gefällt mir. Und dass der Zusammenhalt unter uns Flarchheimern doch noch vorhanden ist.“ Das sagt Hans Thilo. Sein ganzes Leben, 88 Jahre, verbrachte er in seinem Heimatdorf und könnte sich nie vorstellen, woanders zu leben. Miterlebt hat er die Entwicklung des Ortes. Einen Glücksumstand nennte er heute, dass damals, nach dem verheerenden Krieg, die vier bestehenden Rittergüter zwischen den Bauern aufgeteilt wurden. So hatten die bislang wenig Besitzenden die Chance auf ein besseres Leben und Flarchheim die Chance, sich zu einem attraktiven Dorf für alle zu entwickeln.

Heute ist das Dorf, das idyllisch am Rand des Nationalparks Hainich liegt, eines mit dem Charakter, den man verträumt-beschaulich nennt. Die Landwirtschaft und die ansässigen Handwerksbetriebe prägen wie seither den Charakter der Gemeinde. Zweigeschossige Fachwerkhäuser mit Torhaus sind typisch für das Ortsbild. Doch wer durch Flarchheim wandert oder radelt, trifft nur selten wen auf der Straße.

Aber so ruhig, wie sich Flarchheim den Gästen auch zeigt: Die Einwohner lieben Geselligkeiten. Sie engagieren sich in verschiedenen Vereinen. Die gut organisierte Flarchheimer Feuerwehr errang mehrere Kreismeistertitel. Beim traditionsreichen Reit- und Fahrverein werden regelmäßig Reit- und Fahrturniere auf dem Reit- und Sportplatz durchgeführt. In der neuen Reithalle kann ganzjährig trainiert werden und sie steht für Turniere zur Verfügung. Die Flarchheimer sind zudem sehr stolz auf ihren Männergesangverein, der auf eine über 125-jährige Sangesgeschichte zurückblicken kann und Träger der „Zelter-Plakette“ ist. Die gute Lage des Festplatzes mit Musikpavillon, des Jugendclubs und der Sportanlage bietet ideale Möglichkeiten für verschiedene Feste.

Also alles in bester Ordnung? Nicht ganz, resümiert Hans Thielo. Die Jugend fehlt. „Wir werden immer mehr Alte“, blickt er traurig auf die demografische Entwicklung. Das wirkt sich bereits auf die Traditionen aus. Pfingstfest, das Fahnenschwenken und das Maienfest sieht er in Gefahr. „Es sind einfach zu wenig junge Leute, die sich drum kümmern könnten“, sorgt er sich.

Dabei hat Flarchheim durchaus Zukunftschancen. Die Nähe zum Nationalpark Hainich macht die Hainich-Gemeinde zum attraktiven Ausgangspunkt für Wanderungen und Radtouren. Über den Parkplatz „Rüspelsweg“ kann man gut den Hünenteich und den Wildkatzenkinderwald mit Umweltbildungsstation erreichen. Weitere kurze Wege führen zu anderen Sehenswürdigkeiten des Nationalparks. Beliebt sind Wanderungen und Radtouren zum Mittelpunkt Deutschlands, zum Stausee und zur Vogelschutzwarte in Seebach. Und auch an Pracht im Dorf fehlt es nicht. Es zählt zu den Schönsten im Landkreis, ruhige Wohnlage inklusive. Eines der schönsten Häuser ist das Dorfgemeinschaftshaus „Gasthof zur Forelle“, das 2003 rekonstruiert und umgebaut wurde – und heute leider leer steht, weil noch kein neuer Pächter gefunden wurde. Im schön sanierten und restaurierten historischen Backhaus, dessen Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, könnte die Geschichte lebendig werden. Aber auch das steht nach einem am Anfang erfolgeichen Versuch nun wieder leer. Das alte Backs sucht einen neuen Bäcker.

„Ich wünschte mir, dass das alles wieder anders, wieder lebendiger wird“, sagt Hans Thielo.

 

In der nächsten Folge: Oppershausen

DIASCHAU

Steckbrief

„Im Jahre 980, im Mai, dem ersten, schenkte der Einwohner namens Ertag aus Flarchheim dem Abt Werner des Klosters Fulda, seinen Hof mit allem Zubehör, ferner 7 Hufen und 72 Joch zu Fladeheim…“ So steht es in der ersten anerkannten Urkunde, in der das heutige Flarchheim erwähnt wurde.

 

Die im 15. Jahrhundert erbaute Kirche St. Andreas steht im Mittelpunkt des Dorfes auf einer Anhöhe. Am 8. Mai 1921 ist die Kirche zum Baudenkmal erklärt worden.

 

Flarchheim ist eine Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft Unstrut-Hainich. Der Ort liegt am Südostrand des Hainich.

 

Die Nähe zum Nationalpark Hainich macht Flarchheim zum Ausgangspunkt für Wanderungen und Radtouren.

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