Ein Mann mit vielen Gesichtern

Posted by on 30. August 2012

Der Heyeröder Maler und Grafiker Karl-Heinz Vogeley hält seit vier Jahrzehnten Menschenantlitze im Porträt fest.

 

Von Iris Henning

Heyerode. Beinah unbeweglich sitzt das Mädchen auf dem Hocker. Sein leises Lächeln scheint fast schon Anstrengung geworden zu sein. Doch einige Minuten muss es noch ausharren. Das Mädchen sitzt Modell. Ein Porträt wird gerade angefertigt. Die Großeltern wünschen sich so ein Bild als besondere Erinnerung an den Geburtstag ihrer Enkelin. Sie ist gerade zehn Jahre alt geworden.

Der das Kind malt, ist wohl der bekannteste Porträtmaler im Unstrut-Hainich-Land: Karl-Heinz Vogeley aus Heyerode. Wie viele Porträts er in seinem Künstlerleben schon gemalt hat, weiß er nicht. Einige hundert bestimmt. Vielleicht auch tausend, sagt er.

Seit genau vier Jahrzehnten zeichnet er Gesichter. 1972 hat der heute 56-Jährige mit dem Porträtzeichnen begonnen.

Auf Handwerkermärkten ist der Porträtmaler oft anzutreffen – jüngst beim Handwerkermarkt zur Kirmes in Mühlhausen. Foto: Iris Henning

Seit dem hat ihn diese Art, den Menschen kennenzulernen, nicht mehr losgelassen. „Es ist unglaublich spannend, Gesichter zu malen“, erzählt Karl-Heinz Vogeley. Jedes Gesicht, egal ob jugendlich glatt oder vom Alter zerfurcht, erzähle eine eigene Geschichte, jedes Gesicht sei eine Art individueller Spiegel. Genau das sei auch immer wieder eine Herausforderung an ihn – zum einen, den Menschen von seiner schönen und freundlichen Seite festzuhalten, zum anderen, unverwechselbare Charaktermerkmale behutsam mit einfließen zu lassen.

Die Frage, was sein persönlich wichtigstes Porträt im Laufe der 40 Jahre gewesen sei, beantwortet der Künstler so: „Immer das, was ich gerade male. Der Mensch, der vor mir sitzt, ist in diesen Augenblicken die wichtigste Person für mich.“

Gelernt hat Karl-Heinz Vogeley den Beruf eines Werbemittelgestalters. Seine künstlerischen Fähigkeiten hat er sich selbst erarbeitet. Seit 1990 ist er als freischaffender Maler und Grafiker tätig. Er bevorzugt vor allem die realistische Malerei. Neben Porträts findet er seine Lieblingsmotive in der Natur, in Landschaften und historischen Architekturen. Grafit-, Kreide- und Kohletechnik, aber auch Öl-, Acryl- und Aquarellmalerei sind die von ihm gewählten Techniken.

Eine Ausstellung von Karl-Heinz Vogeley wird am Dienstag, 4. September, im Sondershäuser Rathaus eröffnet. „Zeitvergessen“ titelt er diese. „Weil ich beim Malen und Zeichnen stets die Zeit vergesse“, plaudert er. Beim Porträtmalen allerdings nicht. „Ich weiß doch, dass es anstrengend ist, lange still zu sitzen“, sagt er. Etwa eine halbe Stunde braucht er für eine Zeichnung mit dem Bleistift.

Das Mädchen auf dem Hocker war froh, als diese 30 Minuten um waren. „Aber es hat auch Spaß gemacht, weil ich neugierig auf das Bild war“, erzählt es.

Das nächste Mal ist Karl-Heinz Vogeley als Porträtmaler auf dem Handwerker- und Bauernmarkt in seinem Heimatort Heyerode, am kommenden Sonntag, 2. September, anzutreffen. Wer Lust hat, von sich oder seine Lieben eine besondere Erinnerung anfertigen zu lassen, ist dem Portätmaler herzlich willkommen.

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