Keine Kunst in Kirchen

Posted by on 20. August 2012

In diesem Jahr wird der Reigen des traditionellen Kultursommers keine Fortsetzung finden.

Die Krise des langjährigen Projekts wird selbst in der Landeshauptstadt bedauert

 

Von Iris Henning

Landkreis. Eigentlich hätte in diesen Tagen das Projekt „Kunst in Kirchen 2012“ eingeläutet werden sollen. Doch die Kunst wird in diesem Jahr keinen Einzug halten. Der seit dem Jahr 1998 alle zwei Jahre ins Leben gerufene spätsommerliche Kultursommer fällt in diesem Jahr aus und die Frage, ob er überhaupt noch eine Fortsetzung finden kann, will und kann derzeit niemand der Projektgründer beantworten.

Die Untere Denkmalschutzbehörde, die Kunstförderung der SV Sparkassenversicherung Art-regio sowie der Kunstverein

Zu den viel beachteten Arbeiten während „Kunst in Kirchen“ gehörte auch die Skulptur „Messias“ von Walter Sachs aus Weimar. Die war in der ehemaligen Deutschordenskirche St. Georgii in Nägelstädt ausgestellt. Foto: Iris Henning

„Kunstwestthüringer“ waren es, die vor 14 Jahren das wohl deutschlandweit einmalige Projekt starteten. Ihr erklärtes Ziel dabei: „Zeitgenössische Kunst in einen historischen Kontext zu stellen und damit Aufmerksamkeit für beides zu gewinnen, für unser bauliches Erbe, das mit den vielen Kirchen einen besonderen Schatz kennt, ebenso wie für Kunst unserer Zeit“, so erklärte Dr. Rolf Luhn von der Sparkassen-Kulturstiftung während des zuletzt stattgefundenen Kultursommers im Jahr 2010. Wie in den Jahren zuvor zog es auch 2010 einige tausend Besucher während des Kultursommers in die ausgewählten Kirchen.

Dass es in diesem Jahr keine Ausstellungen in Kirchen des Landkreises geben wird, bedauer Dr. Luhn sehr. Über Gründe will er nicht sprechen. Ebenso nicht Ines Gliemann von der Unteren Denkmalschutzbehörde. „An unserem Willen und unserer Unterstützung liegt es nicht“, sagen beide.

Diese Krise des langjährigen Kunstprojekts wird auch in der Landeshauptstadt bedauert. Gregor Arndt, der in Mühlhausen viele Jahre Stadtdechant in „Sankt Josef“ war und heute Domprobst in Erfurt ist, äußert sich so: „Ich erinnere mich, dass am Anfang Künstler und Pfarrer ziemlich fremd einander gegenüberstanden. Die Künstler wollten ihre Objekte zeigen, die Pfarrer ihre Kirchen bekanntmachen. Jeder hatte aber andere Ziele: Die Pfarrer mussten den Kirchenraum entsprechend liturgischen und gemeindlichen Bedürfnissen „frei“ halten; die Künstler wollten eher provozieren und den zentralsten Platz mit ihrem Werk besetzen. In den Jahren wuchs dann eine Kooperation, in der Pfarrer und Gemeinden die Kunstwerke in das Gemeindeleben und ihre Gottesdienste integrierten und die Künstler sich von den konkreten Kirchen und kirchlichen Abläufen inspirieren ließen“. Der Domprobst weiter: „Es gibt nur wenige Projekte, in denen verschiedenste Menschen mit Kunst so vertraut gemacht werden, wie bei ‚Kunst in Kirchen‘. Das Projekt zeigt Kindern, alten Menschen, Kunstinteressierten und Kunstunerfahrenen Werke, mit denen sie sich konfrontieren müssen. Die Gespräche und Debatten, die daraus entstanden sind, wurden für Künstler wie Kirchgemeinden zu einem wertvollen Schatz. Und: Kirchen, die kaum bekannt waren, waren plötzlich für die Zeit des Kultursommers ein Gesprächsthema.“

Trotz des Ausbleibens von Kunst in Kirchen im Jahr 2012 bleibt optimistisch: „Ich freue mich auf neue Ausstellungen.“

 

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