Die vom Aussterben bedrohten Dinge

Posted by on 6. Juli 2012

Frank Quilitzsch hält in seinen Büchern die kleinen kulturgeschichtlichen Veränderungen fest

 

Von Iris Henning

Mühlhausen. Der Glückspfennig gehört zu den vom Aussterben bedrohten Alltagsgegenständen. Das ist die Meinung von Frank Quilitzsch. Der Journalist und Buchautor hat eine rote Liste für die Letzten ihrer Art aus dem Reich der Alltagsgegenstände angefertigt. Darauf stehen beispielsweise das Leibchen, der Teppichklopfer, der Rechenschieber, das Telegramm, die Schallplatte, der Liebesbrief, die Dreieck-Badehose – und das Plumpsklo. Damit ist die Liste der bedrohten Gegenstände freilich nicht erschöpft. Quilitzschs Liste ist lang und vor allem lesenswert. Er hebt nicht nur die Wörter auf, die ebenso aus dem Alltag verschwinden werden wie die Essbestecktasche, der Kulturbeutel und das Farbband der Schreibmaschine. Er windet liebenswerte Geschichten und Geschichtchen um jene Dinge, die sich beinah unbemerkt, ja sang- und klanglos aus dem Leben der Menschen verabschieden. Aus seinem Buch „Dinge, die wir vermissen werden“ las Quilitzsch jetzt in der Mühlhäuser Stadtbibliothek in der Jakobikirche.

Natürlich, so räumt er ein, vermisse bestimmt niemand wirklich das Plumpsklo. Und doch sei es eigenartig schön gewesen, als Kind des Nachts den langen Weg über Hof und durch

Frank Quilitzsch aus dem Dörchen Ulla bei Weimar brachte mit seinen humorvollen Geschichten das Publikum zum Lachen. Foto: Iris Henning

Garten zum stillen Örtchen zu laufen und im Sommer bei offener Tür die Glühwürmchen und die Sterne zu beobachten. Das ist Quilitzsch’sche Plumpsklo-Romantik.

Humorvoll und mit Augenzwinkern blickt der Autor, Jahrgang 1957, mit seiner Liste der vom Aussterben bedrohten Gegenstände – die mitunter auch sehr geplagt haben – auch auf die materiellen und auf die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre zurück. Und doch wecken seine Geschichten ein Stück Sehnsucht nach dem Vergangenen. Sicherlich nicht nach den ungeliebten Leibchen und den Kratzstrümpfen, aber zumindest doch nach dem Glückspfennig und dem von Hand geschriebenen Liebesbrief.

 

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