Königlicher Nachwuchs im Türkranz

Posted by on 18. Juni 2012

Zaunkönige wählen manches Mal auch einen außergewöhnlichen Ort für ihre Familiengründung.

In Heyerode liebäugeln sie immer mal wieder mit der Eingangstür zum Grenzhaus

 

Von Iris Henning

Heyerode. „Wir haben Nachwuchs“, erklärt Karl-Heinz Vogeley aus Heyerode freudestrahlend. Und weist auf einen Türkranz hin. Der ist eigentlich dazu gedacht, die Eingangstür zu seinem Atelierhaus, dem Grenzhaus Heyerode, zu zieren. Doch ein verliebtes Zaunkönig-Paar sah in diesem Kranz einen idealen Platz zur Familiengründung.

Übrigens nicht zum ersten Mal, wie der Naturfreund erzählt. „Seit einigen Jahren schon ist unser Tierkranz ein beliebtes

Alle Schnäbel voll zu tun haben die Zuankönige, um die hungrigen Nestlinge aufzuziehen. Foto: Rlaf Weise

Brutgebiet“, erzählt er. Und auch für ihn und seine Frau sei es jedes Mal ein Ereignis, wenn die Zaunkönige wieder kämen, das Zaunkönigmännchen verschiedene Nester zur Auswahl baut und sich das Zaunkönigweibchen dann für den Türkranz entscheidet, um die zukünftige Kinderstube entsprechende weich auszupolstern. Dann wird es auch schon höchste Eisenbahn für die fünf bis acht winzigen Eier, von denen eins etwas mehr als ein Gramm wiegt.

Zaunkönige gelten eigentlich als sehr scheue Vögel. Das wundert auch nicht. Denn ein Zaunkönig ist winzig. Mit seinen gerade mal zehn Gramm, die er auf die Waage bringt, zählt er zu den kleinsten Vögeln Europas. Darum hat er sich eine gute Tarnung zugelegt, um nicht gleich als schmackhafte Beute für Zaunkönig-Gourmets erkennbar zu sein. Sein rostbraun gebändertes Gefieder ist für den Winzling eine perfekte Tarnung im Unterholz. Die hat er nicht nur wegen seines zarten Körperbaus nötig. Denn mit seinen von Natur aus zu kurz geratenen Flügeln gilt der Zaunkönig außerdem noch als schlechter Flieger. Er zieht es stattdessen vor, sich mehr hüpfend im Gebüsch fortzubewegen als einen anstrengenden Flug zu unternehmen. Das hat durchaus Vorteile für die gefiederte Hoheit. Denn zu den Lieblingsspeisen des Zaunkönigs zählen Spinnen, Weberknechte, Insekten sowie deren Eier und Larven.

Was dem Zaunkönig an äußerer Pracht fehlt, macht er mit seinem königlichen, laut schmetternden, unverwechselbaren Gesang wett. Kaum zu glauben, dass es das singende Männchen trotz seiner Winzigkeit auf eine Lautstärke von bis zu 90 Dezibel bringt und sein Gesang auf einer Distanz von bis zu 500 Metern zu hören ist. Das entspricht einer Lautstärke ähnlich mittleren Straßenverkehrs – nur eben viel schöner. In der Brutzeit beginnt der königliche Gesang bereits in aller Frühe, schon so gegen vier Uhr, und endet erst am späten Abend.

Faul in der Vermehrung sind die Zaunkönige nicht. In Europa gehören sie zu den häufigsten Vogelarten. Die Liste der Brutvögel Deutschlands führt den Zaunkönig mit 1,5 bis 2,2 Millionen Brutpaaren. Bevorzugte Orte für die Zaunkönignester sind im allgemeinen Wurzelteller umgestürzter Bäume oder in ausgewaschenen Wurzelstöcken an Bachufern im Dickicht von Wäldern, Gärten und Parks. Manchmal findet man Nester auch zwischen Holzbalken – und in Türkränzen.

Im Jahr 2004 war der Zaunkönig übrigens der Vogel des Jahres.

 

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