Wachstum im Skulpturenpark

Posted by on 11. Juni 2012

Während des internationalen 16. Symposiums in Hütscheroda entstanden sechs neue Arbeiten.

Künstler und Initiator interpretieren ihre Gedanken zum nachhaltigen Wirtschaften

 

Von Iris Henning

Hütscheroda. „Ich habe ein Boot gebaut, etwas Ähnliches wie die Arche Noah“, erklärt Oscar Aguirre. Auf dem Boot ist eine Stadt im Wachstum begriffen. Die Größe der Stadt ist vorgegeben. Unendliches Wachstum würde zum Untergang des Bootes führen. Das ist ein starkes Bild.

Oscar Aguirre ist Kubaner und lebt in Spanien. Eine Woche lang war er gemeinsam mit sechs anderen Künstlern aus Bulgarien, Argentinien und Deutschland Teilnehmer des 16. Bildhauersymposiums in Hütscheroda. Am Wochenende stellten die Künstler ihre fertigen Arbeiten vor. Zum Thema „Wachstum“ sollten sie sich auf ihre Art mitteilen. Ingeborg Obrez-Schmidt und Julia Alberti aus Deutschland gestalteten eine dickleibige Kugelform aus Holz. An einem Ast befestigt, schwebt diese zwischen Himmel und Blätterdach des Hütscherodaer Skulpturenparks. „Propolis“ nennt das Künstlerinnen-Duo ihre Arbeit.

Eine Pfahlskulptur schuf Matthais Trott, ebenfalls aus Deutschland. In Feuer geschwärzt, steht diese Skulptur auf einer Anhöhe – wie ein gigantischer uralter Nagel, den irgendwann irgendein riesiges Wesen aus dem Erdinnern hineingeschlagen und wissentlich oder unwissentlich durch die Erdhaut getrieben hat.

„Up to the light“ nennt Zdravko Zdravkov seine hölzerne Skulptur. Eine neue Gestalt zauberte er aus dem ihm zugewiesenen Stamm – riesiges, mehrere Meter hohes Blattwerk, das dem Licht entgegenstrebt.

Martin Hunke aus Deutschland titelt seine dreiteilige Arbeit mit „Wachstum“. In handwerklicher Meisterschaft schuf er bemerkenswerte Kugelformen. Die platzierte er auf junge Weidensträucher. „Das wird mit den Jahren miteinander verwachsen“, erklärt der Künstler seine Vision.

Die Auswirkungen der globalen Erwärmung versuchte Eduardo Waxemberg aus Argentinien darzustellen. Aus glattem Stamm lässt er eine Wucherung wachsen, aus dem Holz schiebt sich eine Form – Stück für Stück.

„Alles richtig gute Arbeiten. Ich bin sehr beeindruckt“, sagte Harald Stieding am Abend der Übergabe über die Arbeiten. Der Bad Langensalzaer Bildhauer gehört seit Jahren zur Jury des Symposiums und hat selbst auch schon Figuren für den Park geschaffen. Gemeinsam mit den anderen Jury-Mitgliedern saß er viele Stunden vor der wenig beneidenswerten Aufgabe, aus den insgesamt 240 Vorschlägen von 135 nationalen und internationalen Bewerbern zum Symposium sechs Vorschläge auszusuchen, die im Skulpturenpark von Hütscheroda verwirklicht werden sollten. Mit den neuen Arbeiten sind im Skulpturenpark und auf dem Skulpturenwanderweg mittlerweile um die 100 Kunstwerke zu sehen. „Diese Vielfalt freut uns sehr, vor allem, dass es uns immer wieder gelingt, Sponsoren für das nun traditionelle Symposium zu finden“, äußerte sich Jürgen Dawo. Der Town & Country-Gründer, der seine neue Heimat im beschaulichen Hütscheroda gefunden hat, ist Initiator des Symposiums und 1. Vorsitzender des Vereins Europäische Kommunikations-Akademie für Bildung, Beratung und Projekte sowie einer der Hauptsponsoren des alljährlichen Bildhauersymposiums. Auch Dawo äußerte sich während der Übergabe der Skulpturen zum Thema Wachstum: „Wir müssen über den Wirtschaftsbegriff Wachstum neu nachdenken. Derzeit ist es so, dass wir Menschen mehr nutzen, als nachwachsen kann. Aber unsere Erde gibt es nur einmal.“

Was er sagt, passt zu der Arbeit des Spaniers Oscar Aguirre. Wächst die Stadt auf seiner Fast-Arche-Noah über das Maß hinaus, wird die Arche untergehen. Mitsamt der Stadt.

Die Künstler selbst verbrauchten für ihre Arbeiten übrigens keine neuen Ausgangsmaterialien. Ihnen stand Bruchholz zur Verfügung – Hinterlassenschaften eines Sturms, der im August 2010 über Hütscheroda fegte.

 

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