Der Reiz des Rätselhaften

Posted by on 5. Juni 2012

Die Galerie im Schloss Dryburg zeigt in „Letter of Pleasure“ Arbeiten von elf Künstlern aus acht Ländern.

Die wortspielerische Ausstellung ist paradox, provokativ, manchmal frech und steckt voller Rätsel

 

Von Iris Henning

Bad Langensalza. Nachrichten, Mitteilungen und Grüße werden heute im Allgemeinen gesimst, gemailt, gefacebookt. Mit einem Klick werden sie abgeschickt an den Empfänger oder an die 100 und mehr Freunde. Schneller geht es kaum noch. Unpersönlicher wohl auch nicht. Und schneller sind Nachrichten, Mitteilungen und Grüße wohl auch kaum vergessen, denn sie werden oft in Windeseile auf die hinteren Plätze verdrängt von den folgenden, die sich auf den Handys und Bildschirmen ihren Raum verschaffen.

Die am Donnerstagabend in der Galerie im Schloss Dryburg eröffnete Ausstellung „Letter of Pleasure“ holt Nachrichten, Buchstaben und Zeichen aus der Flüchtigkeit ihres Daseins. Elf Künstler aus den USA, aus Griechenland, Saudi Arabien, Südkorea, China, Ägypten, Serbien und Deutschland zeigen, wie Buchstaben, Wörter, Sätze und Texte in bildkünstlerischen Arbeiten paradoxe, provokative, freche und zum Nachdenken reizende Wirkungen entfalten können.

Dabei sind es oftmals keine eigenen Wort-Werke. Ralf Brancaccio ist zum Beispiel einer, der von Gullydeckeln Frottagen abnimmt und daraus seine besondere Art von Kunst macht. Er ist ein Künstler aus Amerika, wohnt derzeit in Paris, und ist weltweit unterwegs. In die Ausstellung nach Bad Langensalza hat er Gullydeckel-Abdrücke aus Asien, aus Amerika und Europa gebracht. Als Bilder an der Wand betrachtet, sehen sie alles andere aus als Gullydeckel. Es sind kleine Kunstwerke, die aus harmonischen Mustern, seltsamen Zeichen und fremdartigen Schriften zusammengesetzt sind.

Neben den Gullydeckeln zeigt die Ausstellung außergewöhnliche Foto-Text-Bild-Collagen, beinah dreidimensional wirkende Wohnungseinrichtungen oder eine großformatige Zeittafel.

Einfach hat es der Betrachter nicht, sich in dieser Fülle verschiedenartiger Zeichen- und Schriftwelten zurechtzufinden. Nichts bleibt auf dem zweiten und dritten Blick so, wie es den Anschein hatte. Und manches bleibt rätselhaft, egal wie sehr man sich anstrengt. So die Arbeiten von Sarantis Gagas aus Griechenland. Man müsste schon sehr gut die griechische Schrift kennen, um überhaupt eine Chance zu haben, seine Arbeiten dechiffrieren zu können. Noch rätselhafter ist eine Arbeit von Chen Li aus China. Mit Streifen, die aussehen wie erstarrter Kerzenwachs, überklebte sie chinesische Blindenschrift. „Das Rätselhafte soll auch bleiben“, meinte Dr. Alexandra Sucrow aus Paderborn. Die Kunstexpertin hielt die Laudatio an dem Abend.

Genau in dem Rätselhaften liegt wohl der Reiz dieser internationalen Ausstellung, die der Verein Kunstwestthüringer nach Bad Langensalza holte. Alle ausstellenden Künstler, so sagte die Vorsitzende der Künstlervereinigung Judith Unfug-Leinhos, hätten für ihre Arbeiten bereits mehrfach Preise erhalten und arbeiteten als Dozenten an Hochschulen und Universitäten.

So wurde die Kur- und Rosenstadt mal wieder ein kleiner Begegnungsort für Gäste aus vielen Teilen der Welt. Persönlich gekannt haben sich die meisten Künstler übrigens vorher nicht. Gut möglich aber, dass sie bereits über SMS, Mail oder Facebook Kontakte untereinander geknüpft hatten.

Die Ausstellung „Letter of pleasure“ ist bis zum 28. Juli zu sehen. Öffnungszeiten sind Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils von 14 bis 17 Uhr.

DIASCHAU

 

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