Dorfschönheiten Niederdorla

Posted by on 23. Mai 2012

Dorfschönheiten am Hainich: Im Juni vergangenen Jahres erhielt der Nationalpark Hainich von der Unesco den Status des Weltnaturerbes.

Ein Sachverhalt, der den Dörfern touristische Aufwertung bringen könnte. In dieser Serie stellen wir einige Orte vor. Heute: Niederdorla

Der geografische Mittelpunkt Deutschlands

Von Iris Henning

Niederdorla. Im Süden des Unstrut-Hainich-Kreises, unmittelbar an der Straße von Mühlhausen in Richtung Eisenach, findet man linkerhand die Gemeinde Niederdorla – den Nabel der Bundesrepublik Deutschland. Jedenfalls, wenn man davon ausgeht, dass sich ganz in der Nähe zum Dorf der geografische Mittelpunkt Deutschlands befindet.

Mit beinahe 1500 Einwohnern ist Niederdorla aber immerhin die zweitgrößte Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft Vogtei.

Wie durch Zufall geschah es, dass am Ortsrand des Dorfes im Oktober 1990 der geografische Mittelpunkt Deutschlands festgestellt wurde. Initiiert von der MDR-Sendung Außenseiter – Spitzenreiter wurde diese Berechnung von Dr. Finger aus Dresden und Dr. Förge aus Göttingen vorgenommen. Es wurden die entferntesten Punkte in der Nord-Süd und der Ost-West Richtung gewählt. Die Koordinaten ergaben, dass der Mittelpunkt in der Gemarkung Niederdorla liegt. Diese Nachricht wurde den Niederdorlaern am 12. Oktober 1990 durch den Fernsehmoderator Hans-Joachim Wolfram (MDR) in ihre Wohnzimmer übermittelt. Am 26. Februar 1991 wurde als Wahrzeichen für die Mitte Deutschlands eine zwölf Meter hohe Kaiserlinde gepflanzt. Neben der Linde, auf einem markanten Stein, wurde eine Informationstafel über diesen neuen Mittelpunkt Deutschlands angebracht.

Urkundlich erstmals erwähnt wird Niederdorla im Jahr 1223. Bei einem Landverkauf wird als Zeuge ein „Ludwig aus Niederdorla“ genannt.

Bewohnt war die Gegend schon wesentlich früher. Angrenzend am Mittelpunkt liegt das Opfermoor, einst eine bedeutende Kultstätte der Kelten und mehrerer germanischer Stämme.

Dort wurden besonders zwischen 1957 und 1964 zahlreiche Gegenstände aus der Zeit zwischen dem 6. Jahrhundert v. Chr. und dem 10./11. Jahrhundert n. Chr. gefunden, die inzwischen in einer Ausstellung besichtigt werden können. Die funde belegen: Es handelt sich um einen Opferplatz der Germania Libera (dem nichtrömischen Germanien). Opferhandlungen konnten bis in die Völkerwanderungszeit nachgewiesen werden. Es sind Knochen von 334 Tieren und von mindestens 40 Menschen gefunden worden. Dabei lagen Hämmer, Äxte und Keulen, die offenbar der kultischen Tötung dienten. Außerdem fand man landwirtschaftliche Geräte, Reusen, Radteile und Zimmermannsgeräte.

Heute ist das germanische Opfermoor mit Freiluftmuseum, nachgebauter germanischer Siedlung und Museumspavillon die Attraktion des Ortes.

Sehenswert im Ort sind zudem die Sankt-Johannes-Kirche, die 1772 nach einem Brand wieder neu aufgebaut wurde, das Fickentor, eines der letzten noch erhaltenen Dorftore in Thüringen, sowie der Dorfanger, auf dem noch immer jedes Jahr die traditionellen Feste der Vogteier stattfinden. Lohnenswert für die Touristen ist ein Besuch des Ortes zu Pfingsten und Kirmes. An diesen Tagen pflegen die Einwohner des Ortes noch die überlieferten Bräuche ihrer Vorfahren.

 DIASCHAU

Steckbrief

Niederdorla liegt im Süden des Unstrut-Hainich-Kreises, etwa sieben Kilometer vom Hainich entfernt.

Das Dorf wurde 1223 erstmals urkundlich erwähnt.

Niederdorla gehört heute zur Verwaltungsgemeinschaft Vogtei.

Wie durch Zufall geschah es, dass am Ortsrand des Dorfes im Oktober 1990 der geografische Mittelpunkt Deutschlands festgestellt wurde

Nahe des Dorfes wurde eine bedeutende Kultstätte der Kelten und mehrerer germanischer Stämme entdeckt: das Opfermoor.

 

 

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