Die getanzten Bilder

Posted by on 14. Mai 2012

Die Künstlerin Ilse Rex-Lenius sieht die Welt mit anderen Augen und verwandelt Linien in Figuren.

In diesen Tagen feiert die Friedrichsröderin ihren 70. Geburtstag und freut sich auf eine Personalausstellung in Bad Langensalza

 

Von Iris Henning

Friedrichsrode. Heute ist Arbeitspause im Atelier von Ilse Rex-Lenius. Die Künstlerin, die seit 2005 Mitglied im Verein „Kunstwestthüringer“ ist, feiert Geburtstag. „Die Ilse“, wie sie von ihren Freundinnen und Freunden genannt wird, ist 70 geworden. Drei Tage lang lässt sie die Türen zu ihrem urgemütlichen Zuhause in einem Fachwerkhaus im Künstlerdorf Friedrichsrode für ihre Freunde offen, um mit ihnen zu essen und zu trinken und zu plaudern über die Zeiten, die gewesen sind und die Zeiten, die kommen werden.

Ilse Rex-Lenius ist eine, die sich ihre eigenen Bilder von der Welt macht. Wohl deswegen verwirft sie für sich die

Ilse Rex-Lenius gehört seit 2005 zum Verein Kunstwestthüringer. Jetzt feiert die in Friedrichsrode lebende Künstlerin ihren 70. Geburtstag.

erlernten Berufe Technische Zeichnerin und Teilkonstrukteurin. Letztere Ausbildung absolvierte sie in der Abendschule. Glücklich war die 1942 in Halle/Saale geborene Ilse Rex-Lenius mit diesen Berufen jedoch nicht. Ihre Berufung sieht sie in der Malerei und Grafik und darin, andere an dem mal leisen und mal lauten Glück des Malens teilhaben zu lassen. 1970 beginnt sie ihre Zirkelleitertätigkeit. Parallel absolviert sie die Spezialschule für Malerei und Grafik in Halle.

Einige Jahre sollte es jedoch dauern, bis 1977, bis sie den Schritt in die Freiberuflichkeit wagt. Neben der Arbeit als Malerin, Grafikerin und Zirkelleiterin wird sie später noch einige Jahre als Maltherapeutin tätig.

Malerei und Grafik, Bücher; Objekte, Einzelunterricht und kreative Seminare – Ilse Rex-Lenius ist eine vielseitige Künstlerin. Ihre Arbeiten sind geprägt von schneller Linienführung. So, wie Gedanken laufen, kommen ihr die Linien in einem Fluss in die Hand und dann aufs Papier oder auf die Leinwand. Den entstehenden Umrissen und Figuren, die in einer flüchtigen Bewegung scheinbar

Ihre Arbeiten sind geprägt von schneller Linienführung. „Das kleine Auge“ nennt sie diese Arbeit. Fotos: Iris Henning

gerade innehalten, haucht sie mit tiefem Empfinden jene Seele ein, die Bilder lebendig werden lassen, die ihnen Sinn im Bilder-Dasein geben. Die Wirkung verstärkt sich um so mehr, da die Künstlerin auf jeglichen Raumbezug verzichtet.

„Malen“, so sagt Ilse Rex-Lenius, „ist für mich wie Tanzen, Körperbewegungen als Spuren, in die Fläche gebracht. Die Illusion Raum habe ich in der letzten Zeit mehr und mehr weggelassen. Mir ist die Bewegung wichtiger. Es ist total schön, wenn bei meiner Arbeit der Fall eintritt, dass das Bild sein eigenes Leben anmeldet oder seinen eigenen Sinn beansprucht. Ich muss es dann lediglich ’nur‘ noch bedienen. Manchmal dauert das Jahre, manchmal geht es ganz schnell, bis es fertig ist.“

Ilse Rex-Lenius‘ Bilder waren bereits in Merseburg, Halle, Leipzig, Sondershausen, Breitenworbis, Attendorn, Neu-Ulm, Nordhausen, Friedrichsrode, Mühlhausen und anderen Städten zu sehen. Bemerkenswert sind zudem ihre kleinen Gedichte, die seit 2005 entstehen. Gern illustriert die Künstlerin diese mit kleinen Zeichnungen. Manches mal erscheint es gar umgekehrt, dass die Zeichnungen zur Illustration der Gedichte werden und man sich als Betrachter gar nicht vorstellen kann, dass Gedicht und Bild losgelöst voneinander existieren könnten, so erstaunlich passgenau scheinen sie aufeinander abgestimmt zu sein.

Aus Anlass ihres Jubiläums wird Ilse Rex-Lenius noch in diesem Jahr in der Galerie des Vereins Kunstwestthüringer im Schloss Dryburg eine Ausstellung zeigen. Herzliche Glückwünsche zum runden Geburtstag gibt es auch von der Vorsitzendes der Künstlervrinigung, Judith Unfug-Leinhos: „Die Ilse ist ein wunderbarer Mensch mit einem herrlichen Blick für andere Menschen. So, wie sie in ihren Bildern die Dinge auf den Punkt bringt, erfasst sie gedanklich ihr Gegenüber mit einem Blick durch zehn paar Hosen. Ich persönlich schätze sie, seit der ersten Minute, in der sie mir gegenüberstand. Sie ist eine Frau, die nie wirklich alt wird. Beste Gesundheit und weiter so!“

 

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