Dorfschönheiten Diedorf

Posted by on 3. Mai 2012

Dorfschönheiten entlang des Hainichs: Im Juni vergangenen Jahres erhielt der Nationalpark Hainich von der Unesco den Status des Weltnaturerbes.

Der könnte den Dörfern entlang des Hainichs touristische Aufwertung bringen. In dieser Serie stellen wir die Orte vor. Heute: Diedorf

 

Ein Kunstdenkmal und andere Schätze

 

Von Iris Henning

 

Diedorf. Als Diedorf vor mehr als 1100 Jahren, im Jahr 897, erstmals als „Ditdorf“ oder „Dietdorfen“ urkundlich erwähnt wird, ist der Ort vermutlich dicht umringt von undurchdringlichem Wald. Ein Adliger namens Wicer und seine Gemahlin Heilica übereigneten dem Kloster Fulda Güterbesitz, wobei auch jener Ort Dietdorfen erwähnt wurde.

Noch heute kann sich Diedorf rühmen, in einer der reizvollsten Landschaften eingebettet zu sein. Vom Gipfel des fast 480 Meter hohen Dörnerberges – südöstlich der Gemeinde – ist das hübsch im Tal liegende Diedorf zu überblicken. Nur wenigen Minuten entfernt ist der Stadtwald von Mühlhausen zu erreichen. Unmittelbar vor der Nase, im Südosten, liegt der bewaldete Hainich.

Zusammen mit den Sehenswürdigkeiten im Ort sowie den seit einigen Jahren vorbeiführenden Unstrut-Werra-Radweg scheint Diedorf geradezu prädestiniert für Tourismus.

Ein Blickfang in der Mitte des Dorfes ist der Anger. Von einer dicken Mauer ist der eingefasst. Vermutlich ist dieser Anger mit seinen Sühnekreuzen einer der ältesten in der Thüringer Dorflandschaft. Seit dem 9. Jahrhundert bis in das 19. Jahrhundert hinein soll er als Versammlungs- und Richtplatz sowie für öffentliche Ankündigungen genutzt worden sein.

Eines der wertvollsten Kunstdenkmals des Eichsfeldes beherbergt die Pfarrkirche im Dorfzentrum: das „Heilige Grab“, ein spätgotisches Bildwerk aus einem einzigen Stein gemeißelt. Das aus Sandstein gehauene Werk hat eine länge von 2,30 Meter und eine Breite von 1,50 Meter. Es veranschaulicht die Grablegung Christi. Das „Heilige Grab“ ist im Jahr 1501 von einem unbekannten Künstler geschaffen worden.

Ein Blickfang mitten im Dorf ist das alte „Schulzenhaus“ mit seinen stilvollen und reichen Schnitzereien. Das Haus wurde 1616 erbaut.

Zeugnis jüngerer Geschichte ist das Strumpfmuseum an der Brückenstraße 3. Von den Ursprüngen bis zum heutigen Stand der Technik ist dort die Strumpfherstellung anschaulich und funktionstüchtig nachgestellt. Diedorf entwickelte sich um die Wende zum 20. Jahrhundert zu einer Hochburg der Strumpf-Strickerei, die knapp 100 Jahre später ihren Niedergang erlebte.

Weniger bekannt als Diedorfer Sehenswürdigkeiten sind zwei Baumnaturdenkmale. Südlich des einstigen Bahndammes, Richtung Schierschwende, stehen zwei sehr seltene Vogelkirschen. Zwischen 80 und 90 Jahre wird deren Alter geschätzt. Am nördlichen Ortsrand von Diedorf, nahe der Kirchreinastraße, stehen zwei bemerkenswerte Sommerlinden. Ihr Alter wird auf etwa 300 Jahre geschätzt. Die Bäume flankieren einen historischen Bildstock aus dem Jahr 1740.

Trotz bemerkenswerter geografischer Lage, reicher Geschichte und vieler Sehenswürdigkeiten spielt Touristmus in Diedorf eine untergeordnete Rolle. Übernachtungsmöglichkeiten für Erholungssuchende, Wanderer und Radfahrer gibt es so gut wie keine. Doch laden Gaststätten mit einer gutbürgerlichen Küche zur gemütlichen Rast ein.

Steckbrief

Diedorf liegt im Nordwesten des Thüringer Höhenrückens, dem Hainich. Das Dorf wurde 897 erstmals urkundlich erwähnt.

In Diedorf steht eines der wertvollsten Kunstdenkmale des Eichsfeldes: das „Heilige Grab“.

Der Ort verfügt über ein relativ geschlossenes Ensemble an Fachwerkhäusern und -hofanlagen

Diedorf ist Ortsteil der Landgemeinde Südeichsfeld.

DIASCHAU

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.