Schwarz und ein bisschen Grün

Posted by on 27. März 2012

Die Galerie im Schloss Dryburg stellt den Berliner Maler Hans-Hendrik Grimmling vor.

Er zählt zu den Unbequemen, die mit ihrer Kunst und ihren Ansichten immer wieder anecken

 

Von Iris Henning

Bad Langensalza. „Umerziehung der Vögel“ ist ein seltsamer Titel. Er klingt grimmig. Der Berliner Künstler Hans-Hendrik Grimmling hat diesen gleich zweimal vergeben. Das erste Mal im Jahr 1978 seinem Tryptichon. Damals lebte er noch in Leipzig. Sehr viel später wählte er diesen Titel noch einmal für sein Buch. Darin schreibt er seine Autobiographie. Es ist das Leben eines Unbequemen.

Die „Umerziehung der Vögel“ ist eine erste von einigen dunklen Vogelmetaphern aus den 1970er und 1980er Jahren. Mit den aufs Bild gebannten Fabelwesen geht er auf Distanz zur „Leipziger Schule“ des sozialistischen Realismus. Er ist streitbar und eckt an. Immer wieder. Schließlich reist er in den 1980er Jahren nach Westberlin aus, muss ausreisen.

Aus seinem Buch „Umerziehung der Vögel“ las HHG, wie Grimmling in Künstlerkreisen genant wird, am Donnerstagabend in der Galerie im Schloss Dryburg. Dorthin hat er auf Bitte des Vereins „Kunstwestthüringer“ eine kleine Auswahl seiner Bilder gebracht. Auffällig in diesen ist die beinahe ständige Präsenz von Schwarz. Es ist kein depressives Schwarz, eher ein energisches, kraftvolles. Und ein Schwarz, das immer wieder gern erotische Themen aufgreift. „Vielleicht war das Schwarz aller Anfang.“ So beginnt auch Hans-Hendrik Grimmlings Buch „Umerziehung der Vögel“. Er selbst zeigt sich auch ganz in schwarz: schwarze Lederjacke, schwarzes Hemd, schwarze Hose, schwarze Schuhe, schwarzumrahmte Brille.

Welche Rolle die Farbe schwarz im Leben des Künstlers spielt, erläuterte Prof.Dr. Peter Langer in seiner Laudatio. Er macht die Rolle am Lebensweg von HHG fest. Ein Weg, „der in Zwenkau bei Leipzig begann, wo er 1947 geboren wurde. Einer, der immer unangepasst und streitbar war und ist. Von einer ständigen intellektuellen Unruhe getrieben, mit teilweise eigenwilliger Sicht auf die Dinge … beginnend in einem kleinen Atelier in seiner Heimatstadt Zwenkau, wo sich in seiner Jugend für ihn schon das ‚Verhängnis Kunst‘ andeutet. Nach Kinderheim, Abitur und Militärdienst kommen Stationen als Transportarbeiter und Bühnenbildassistent.“

Der Lebensweg von HHG scheint repräsentativ für viele zerrissene Biographien von Intellektuellen in Ostdeutschland. HHG studierte in Dresden und Berlin, ist Schüler bei Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer und Meisterschüler bei Gerhard Kettner. In den späten 1970er und den 1980er Jahren arbeitete er freischaffend als Maler in Leipzig, geht offensichtlich auf Distanz zur „Leipziger Schule“, ist Aktivist des 1. Leipziger Herbstsalons 1984. Konsequenz dieser einzigen freien Kunstausstellung im sonst kontrollierten Staatskunstbetrieb der DDR war die Ausreise nach Westberlin. „Dort angekommen, fühlte er sich wie ein ’nasser Vogel, der in die Mauer fällt’“, zitierte Prof. Langer aus dem Buch des Künstlers. Weiter sagte er: „Angepasst hat er sich auch hier nicht. Streitbar und kritisch setzt er sich unter anderem auch künstlerisch mit zeitgenössisch schwierigen Themen von Menschen im Abseits auseinander.“

Heute arbeitet HHG als Freischaffender in seinem Atelier im Berliner Wedding, zudem ist er seit 2006 Professor an der Berliner Technischen Kunsthochschule.

Ganz so schwarz wie vor einigen Jahren noch sind seine Bilder nicht mehr. HHG hat das Grün für sich entdeckt. „Vielleicht passiert ja das, was er in seinem Buch quasi als Schlusswort schreibt“, meinte Prof. Langer: „Das Grün wird sich von selbst einstellen, wenn ich mehr Frieden in meinen Bildern finde.“

Zu sehen ist die Ausstsellung des Berliner Malres Hans-Hendrik Grimmling bis zum 19. Mai in der Galerie im Schloss Dryburg. Öffnungszeiten: donnerstags bis samstags jeweils von 14 bis 17 Uhr.

DIASCHAU

 

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