Inspiration auf den Feldern und Fluren

Posted by on 19. Februar 2012

Galeriespaziergang: Ein berühmtes Pflaster für avantgardistische zeitgenössische Kunst ist der Unstrut-Hainich-Kreis nicht.

Doch es gibt eine Vielzahl an kleinen Galerien. Einige stellen wir vor. Heute: die Galerie von Siegfried Böhning in Bollstedt

 

Von Iris Henning

Bollstedt. Tee oder Kaffee ist stets ein herzlicher Willkommensgruß von Siegfried Böhning an die die Gäste in seiner Galerie. Für Freunde gibt es Wein aus den gekelterten Trauben aus dem eigenen Garten. Der Maler, Grafiker, Zeichner und Bildhauer, Organisator von Kunstprojekten und Mitbegründer sowie Hüter des Vereins „Kunstwestthüringer“ hält viel auf die Tradition der Thüringer Gastfreundschaft.

Er ist überhaupt eine sehr geerdete Persönlichkeit. Museumsdirektor Thomas T. Müller charakterisierte ihn nach einer ersten Begegnung einmal so: „Ein Mann, der in seinem Garten, der auf den Feldern und Fluren um Bollstedt seine Inspiration und gleichsam tiefe Verwurzelung findet. Und dennoch richtet sich sein Blick nie nur nach unten. Ebenso wie der Boden, auf dem er geht, ebenso wie die Umwelt, in der er lebt, ebenso zieht in das Unendliche an, das er nicht nur in den Weiten seiner Bilder, sondern auch in jenen des Raumes findet, der er – als studierter Physiker – mit dem Teleskop immer wieder neu erkundet.“

Seit über 30 Jahren wohnt, lebt und arbeitet der Künstler Siegfried Böhning in dem alten Bauernhaus in der Pfarrstraße 6. Den einstigen Bauerngarten des Böhning’schen Anwesens gestaltete er so, dass dieser auch im Winter eine grünende Oase ist. Ebenerdig siedelte er in den 1990er Jahren seine Galerie an. Großzügige Fenster gestatten den Blicken der Besucher ein Ausschweifen auf die gestaltete Gartenlandschaft. Das ist die besondere Zugabe zu der eigentlichen Ausstellung in der Galerie.

Diese im Laufe der Jahrszeiten und im Wechsel des Lichts sich ständig verändernde Ansicht braucht vor allem der Künstler selbst. Denn sein Sujet sind die Landschaften.

Seine bildlichen Landschaften sind allerdings ganz anders als die aus der Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Sie sind weder ideal noch real noch heroisch. Die Böhning’schen Landschaften sind selten gleich als solche erkennbar. Als Physiker und Hobby-Astronom erweitert er sein Landschaftsbild. Es scheint, als betrachte er die Welt von oben, als studierte er die Grundmuster der Natur, immer darauf bedacht, die Balance zwischen Ordnung und Chaos zu wahren. „Insofern ist Siegfried Böhnings Malerei künstlerisches Gleichnis auch für innere Landschaften, also für Seelenlandschaften; insofern ist der Künstler ein Philosoph unter den Landschaftern – und er ist einer der letzten Vertreter dieses in Thüringen so traditionsreichen Sujets, das er nach dem Gesetz des Vergehens und des Werdens in seiner Kunst sowohl aufgehoben wie auf eigene Weise fortgeführt hat“, sagt der stellvertretende Museumsdirektor und Kunstwissenschaftler Jürgen Winter über den Bollstedter Künstler.

Wie sich der Betrachter der Böhning’schen Bilder auch zu den Bildern positionieren mag: Ein Besuch in er Galerie des Bollstedter Maler wird zu einem erinnerungswürdigen Erlebnis.

Steckbrief

Galerie Siegfried Böhning, Bollstedt, Pfarrstraße 6

Geöffnet hat die Galerie zu den Tagen des offenen Ateliers in Thüringen, jährlich im September am vorletzten Wochenende (Samstag und Sonntag) sowie nach Vereinbarung

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