Seltene Wintergäste

Posted by on 6. Februar 2012

Im Mühlhäuser Rathaushof sind derzeit Rotdrosseln zu beobachten

 

Von Iris Henning

 

Mühlhausen. Eine ganze Schar Drosseln bevölkerte jetzt den Rathaushof. „Es tummelten sich etwa 50 Wacholderdrosseln, neben fünf Rotdrosseln und zehn Amseln“, beobachtete der Ornithologe und Tierfotograf Dr. Ralf Weise. Das Besondere an der Beobachtung: Rotdrosseln sind um diese Jahreszeit in hiesigem Gebiet nur seltene Gäste. Mitteleuropa gehört nicht zu ihren Lieblingsorten zum Überwintern, schon gar nicht, wenn es so bitterkalt ist wie in diesen Tagen.

Die gefiederten Freunde haben im Sommer ihre Brutgebiete vor allem in den Wäldern von Skandinavien, Scho

Um diese Jahreszeit ist die Rotdrossel hier selten anzutreffen. Ihren Namen hat sie wegen ihrer rostroten bzw. „weinfarbigen“ Flanken, weswegen sie auch „Weindrossel“ genannt wird. Foto: Ralf Weise

ttland und Sibirien – bis zur Tundra hin. In Finnland ist die Rotdrossel die dritthäufigste Brutvogelart. Die Population wird auf mehr als drei Millionen Brutpaare geschätzt.

Im Winter bekommen sie im hohen Norden allerdings kalte Füße und ziehen die anstrengende Übersiedlung nach West- und Südeuropa vor. Von allen Drosseln ist die Rotdrossel dabei ein wahrer Langstreckenflieger. Einzelne Vögel erreichen extreme Leistungen von bis zu 2500 Kilometer in nur vier Tagen, haben Forscher beobachtet. Hierzulande sind diese sportlich ambitionierten Drosseln deswegen vor allem während ihrer Zugzeiten im Frühjahr und Herbst zu beobachten – allerdings weniger in Höfen und auf Plätzen. Sie halten sich lieber in Parks, in aufgelockerten Wald- und Buschlandschaften sowie an Waldrändern auf.

Den scheuen Rotdrosseln mitten im Winter mitten in der Stadt zu begegnen – das ist dann wirklich schon ein Glücksfall. Ganz allein sind sie aber kaum anzutreffen, sondern meist in Gesellschaft mit verwandten Drosseln. Die Wacholderdrosseln scheinen den Exoten dabei die angenehmsten Weggefährten zu sein.

 

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