Schön, klug, ungeliebt

Posted by on 29. Januar 2012

Die 3K-Inszenierung der griechischen Tragödie „Antigone“ verblüfft durch Interpretation und zeitliche Nähe.

Doch ein Favorit ist sie nicht geworden. Es gibt nur noch wenige Vorstellungen

 

Von Iris Henning

Mühlhausen. „Antigone“, die 70. Inszenierung der 3K-Theaterwerkstatt, kommt wieder auf die Bühne. Tiefe Verzweiflung treibt die junge, schöne, ganz in Weiß gekleidete Frau (Lena Kolle). Ihr im Kampf getöteter Bruder Polyneikes soll nicht beerdigt werden dürfen. Ein Sakrileg in ihren Augen. Doch der strenge König Kreon (Albert Sadebeck) – ganz in Schwarz – bleibt hart wie Stein. Dabei ist ihm Antigone weiß Gott nicht gleichgültig. Sie ist nicht nur seine Nichte und eine rührend junge Frau mit Herz und Verstand. Als Verlobte seines Sohnes gehört sie zudem schon fast zum engsten Familienkreis. Trotzdem: Er zieht das Bestattungsverbot für den Staatsfeind Polyneikes nicht zurück.

Antigone widersetzt sich, stellt wie selbstverständlich ihre humanistischen Ideale vor die Umsetzung der weltlichen Gesetze – und besiegelt damit ihr Schicksal. Denn der schwarze König beharrt auf seinem Standpunkt – bis kurz vor Schluss der Tragödie. Doch da kommen Einsicht und Selbsterkenntnis zu spät. Antigone und sein Sohn sind bereits tot. Sie wurden zu Opfern im Konflikt zwischen den gesellschaftlichen Ordnungsprinzipien und ethischen Werten, zwischen erwachsener Vernunft und jugendlichem Aufbegehren.

Was dem König – und dem Publikum – bleibt, ist ein tiefes Gefühl von Traurigkeit, von Verlust und von Verlassenheit.

König Kreon (Albert Sadebeck) im Video-Gespräch mit Ismene, Antigones Schwester (gespielt von Sophie Pompe vom Landestheater Eisenach). Foto: Iris Henning

Dieser emotionale Tiefgang liegt sowohl an den überzeugenden Spielern als auch an der klugen Inszenierung. Das Ensemble interpretiert den antiken Stoff, als wäre diese Tragödie nicht vor 2500 Jahren auf die Bühne gekommen, sondern gerade erst eben. Diese Nähe zu heute ist verblüffend und kann auch Angst machen. Die Ausübung religiöser Bräuche und die Ansichten anders Denkender sind auch heute immer wieder politischer Diskussionsstoff.

Trotz der gut durchdachten Inszenierung scheitert die „Antigone“ in Mühlhausen am geringen Interesse des Publikums. „Die ‚Antigone‘ bleibt hinter den Erwartungen zurück, ist nicht sonderlich geliebt“, muss Theaterleiter Bernhard Ohnesorge resümieren. Zwar waren die sieben Vorstellungen seit der Premiere im November 2010 gut besucht. Doch die erwartete Nachfrage aus Schulen, denen das Stück als theaterpädagogisches Angebot unterbreitet wurde, blieb aus.

So kommt die anspruchsvolle 3K-Inszenierung „Antigone“ nur noch viermal auf die Bühne.

+ Vorstellungen: am morgigen Samstag, 20 Uhr, am Dienstag, 31. Januar um 14.30 Uhr, am Mittwoch, 1. Februar, 19 Uhr und am Donnerstag, 2. Februar, um 11 Uhr.

DIASCHAU

 

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