Galerie im Kleinformat

Posted by on 24. Januar 2012

Galeriespaziergang Ein berühmtes Pflaster für avantgardistische zeitgenössische Kunst ist der Unstrut-Hainich-Kreis nicht.

Doch es gibt eine Vielzahl an kleinen Galerien. Einige stellen wir vor. Heute: die Mini-Galerie in Dachrieden

 

Von Iris Henning

Dachrieden. Mit den Maßen von knapp zweimal zweieinhalb Meter ist die Mini-Galerie in Dachrieden vermutlich die kleinste Galerie Thüringens. In einem eigenen, schmucken Fachwerkhäuschen ist der Galeriezwerg zu Hause. Das Häuschen steht wie zur Zierde mitten auf einem einst als Bauernhof genutzten Gebäudeensembles in Dachrieden.

Doch Landwirtschaft und Viehzucht sind schon vor Jahrzehnten ausgezogen. In einen Ferienhof mit Gastronomiebetrieb umgewandelt hat es die Familie Reinhard und Christiane Wand. Von Hauptberuf Künstler, okkupierte Reinhard Wand das Fachwerkhäuschen als Mini-Galerie.

Trotz der minimalistischen Fläche von kaum fünf Quadratmeter holte er noch andere Kunstschaffende mit ins Häuschen: Olaf Meinel und Matthais Peinelt aus Mühlhausen. Als Künstlervereinigung „Trilobit“ zeigen sie in der Mini-Galerie ihre Arbeiten.

Die unverhoffte Vielfalt auf den knappen Quadratmetern überrascht: Malerei, Grafik, Reliefs, kleine Skulpturen und Objekte buhlen um die Aufmerksamkeit des Besuchers. Der ist allerdings gut beraten, sich allein umzusehen. Schon bei einer Besucherzahl von zwei dürfte es dichtes Gedränge im Fachwerk geben.

Dafür ist das Ambiente auf seine Art berauschend. Es liegt irgendwo zwischen Ausstellung zeitgenössischer Kunst und buntem Flohmarkt. Diese fast hautnahe Intimität mit der Kunst kommt gut an bei den Gästen: „Wer sich traut, über die Schwelle zu gehen, ist begeistert“, sind die Erfahrungen von Reinhard Wand. Wer von den Gästen noch mehr sehen möchte, der findet im Galerie-Café gleich nebenan kunstvolle Schmuckstücke im Großformat und im Hof und Garten stellt sich Olaf Meinel mit seinen Figuren aus Stein als klassischer Bildhauer vor.

Die Mini-Galerie, so erzählt Reinhard Wand, sei eine aus der Not geborene Tugend. Die Erweiterung des Ferienhofes um das Café kostete ihn sein ehemaliges Atelier, das zugleich sein Schaufenster für Kunstinteressierte war. Freilich. Manchmal könnte die Mini-Galerie größer sein. Die sieht immer aus, als würde sie jeden Moment aus den Nähten platzen. Der Dachrieder Trilobit ist eben ein fleißiges Wesen, vor allem Matthias Peinelt ist ein ungemein kreativer Geist. Doch an eine Vergrößerung denkt Reinhard Wand derzeit überhaupt nicht. „Mehr Platz ist im Moment nicht“, sagt er und sieht auch kein wirkliches Manko in der winzigen Ausstellungsfläche. „Wir wechseln sehr oft unsere Arbeiten aus, so dass es immer Neues zu sehen gibt“, erklärt er.

Ihm und den Trilobit-Kollegen ist es wichtig, nicht nur Kunst entstehen zu lassen, sondern auch öffentlich zu zeigen und – bestenfalls – auch Käufer dafür finden. Dabei müssen Kunstinteressierte nicht unbedingt das dicke Portmonee mitbringen. In der Mini-Galerie findet man auch Mini-Kunstwerke für kleines Geld.

 

 

 

Steckbrief

Die Mini-Galerie in Dachrieden gibt es seit 2008.

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