In der Rosenstadt blüht nicht nur Florales

Posted by on 11. Januar 2012

Galeriespaziergang Ein berühmtes Pflaster für avantgardistische zeitgenössische Kunst ist der Unstrut-Hainich-Kreis nicht.

Doch es gibt eine Vielzahl an kleinen Galerien. Einige stellen wir vor. Heute: die Galerie im Schloss Dryburg

 

Von Iris Henning

Bad Langensalza. Was dem einen seine Eule, ist dem anderen seine Nachtigall. Zunehmend ungeliebt fühlte sich die Galerie des Vereins Kunstwestthüringer in Mühlhausen. Nicht nur, dass die Stadt sich außerstande sah, der seit 20 Jahren tätigen regionalen Künstlervereinigung ihre Ausstellungsräume zu erhalten. Auch kaum einer der Stadträte oder der Rathausprominenz zeigte je als Gast sein Interesse an der Galerie.

In der Kur- und Rosestadt Bad Langensalza lebte die unbeachtete Eule als willkommene Nachtigall auf. Mit Freude wurde sie empfangen, als sie von der Geldnot getrieben, ein neues Haus für sich suchte.

Vor etwa einem Jahr zog die Galerie in das Schloss Dryburg ein, das ein privater Kunstfreund dem Verein mietfrei für sein Wirken zur Verfügung stellt. Am 20. Januar eröffnete der Kunstwestthüringer seine erste Ausstellung in dem imposanten Haus mitten im Stadtzentrum. Überwältigend war das Publikumsinteresse. Kaum konnten die Ausstellungsräume die Gäste aufnehmen, so viele waren von der Neugier getrieben, was es denn Neues im Schloss geben würde – und waren beeindruckt von dem, was die Mitglieder des Vereins zeigten. Mehr als 30 Künstler zeigten Grafiken, Malerei, Skulpturen, Objekte, Schmuck und Fotografien. Nur wenigen der Gäste war bis dato die beachtliche Vielfalt der regionalen Kunstlandschaft aufgefallen. Mit Staunen und Raunen schob man sich durchs Gedränge, auch erfreut darüber, dass das Schloss zum Treffpunkt für Kunstliebhaber aus Mühlhausen und Bad Langensalza werden könnte.

„Wir sind sehr glücklich, ein so schönes Zuhause gefunden zu haben und weiterhin Kunst aus der Region zeigen zu können“, sagt Judith Unfug-Leinhos auch noch zwölf Monate nach dem grandiosen Einstand. Damals versprach sie, dass die „Galerie Schloss Dryburg“ auch Kunst aus anderen Regionen präsentieren werde. „Wir wollen Abwechslung bieten, unsere Galerieauf hohem Niveau interessant bleiben lassen“, stellt sie hohe Ansprüche – und erfüllt sie prompt mit der folgenden Ausstellung „Danza dei Fiori“- Tanz der Blumen -, die von fünf internationalen Künstlern gestaltet wurde. Diese Ausstellung wurde im Rathaus der Kur- und Rosenstadt mit besonderem Wohlwollen betrachtet. Immerhin war sie ein Beitrag des Vereins Kunstwestthüringer innerhalb des Wettbewerbs „Entente Florale Europe“, an dem sich Bad Langensalza mit großem Erfolg beteiligte.

Nach dem Blumentanz zogen mit Arbeiten der Malerin Ellen Heuck aus Bad Langensalza und der Keramikerin Marion Walther aus Mühlhausen wieder regionale Sehenswürdigkeiten in das Schloss, um wenige Monate später von der vielbeachteten Ausstellung der privaten Sammler Hannelore und Harald Preuster aus Friedrichroda abgelöst zu werden. Mehrere Wochen waren namhafte ostdeutsche Künstler in dem neuen Ausstellungszentrum zu sehen und Publikumsmagnet für mehrere hundert Besucher.

Derzeit ist die fünfte Ausstellung im Schloss zu sehen. Dieses Mal istes wieder ein Podium für die Kunstprofis des Vereins. „Das kleine Format“ ist der Titel der Verkaufsausstellung, die noch bis Mitte Februar zu sehen ist. „Vielleicht finden Kunstliebhaber ja hier etwas Schönes, dass sie sich selbst oder anderen schenken wollen“, wirbt Judith Unfug-Leinhos für einen Besuch.

Kunst soll schließlich nicht nur entstehen, sie soll auch Käufer finden.

In der nächsten Folge stellen wir die Galerie im Kunsthaus in Mühlhausen vor.

Steckbrief

Die Schlossburg ist das älteste erhaltene, komplett aus Stein gemauerte Gebäude der Stadt Bad Langensalza. Die Erbauer der im 12. Jahrhundert errichteten Anlage nannten sich Herren von Salza. Die Dryburg war zum Stammsitz derer von Salza.

Heute beherbergt das historische Schloss modern ausgestattete Wohnungen und seit Januar dieses Jahres die Galerie des Vereins „Kunstwestthüringer“.

Geöffnet hat die Galerie donnerstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr (außer Heiligabend). Ein Besuch ist kostenfrei.

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