Bilder als Therapiebegleiter

Posted by on 23. November 2011

Galeriespaziergang Ein berühmtes Pflaster für avantgardistische zeitgenössische Kunst ist der Unstrut-Hainich-Kreis nicht.

Doch es gibt eine Vielzahl an kleinen Galerien. Einige stellen wir vor. Heute: die Galerie im Gesundheitszentrum in Mühlhausen

 

Von Iris Henning

Mühlhausen. Manchmal werden Arztbesuche anders. Im Gesundheitszentrum am Forstberg zum Beispiel. Der Gang durch das Treppenhaus in die jeweilige Praxis wird durch Bilder verschönt. Das Gesundheitszentrum stellt seit Jahren sein Foyer dem Verein „Kunstwestthüringer“ zur Verfügung. Der in Bad Langensalza beheimatete Verein nutzt es gern als eine Art Schaufenster, in dem die Mitglieder ihre Arbeiten präsentieren können. So wurde das Gesundheitszentrum am nördlichen Rand von Mühlhausen zu einer kleinen, verlässlichen Filiale des Kunstwestthüringers.

Sicher: Schmerzen und Krankheiten können von den Bildern nicht gelindert oder geheilt werden. Aber es ist allemal angenehmer, durch ein sehenswertes Treppenhaus in die Praxis zu gelangen als durch steriles Weiß.

Sorgsam wählen die Künstler ihre Arbeiten für diese sensible Galerie aus. Bilder voller Gram und Schmerz sind tabu. Dargeboten werden freundliche Sichten, die das Leben schöner machen. Reinhard Wand aus Dachrieden zeigte japanische Kunstreflexion, Judith Unfug-Leinhos aus Thamsbrück Bilder voller Fantasie, Siegfried Böhning aus Bollstedt seine stillen Landschaften. Kirsten Priebsch aus Mühlhausen schenkte mit ihren Aquarellen Augenblicke der Freude, Ulrich Eifler aus Oberdorla lud ein, seine Fotografien zu betrachten. Derzeit stellt Jost Heyder aus Eisenach seine starken Arbeiten vor, ab Ende des Monats bringt Ute Zyrus aus Nordhausen ihre filigranen Bilder ins Haus.

Festliche Eröffnungen, wie in traditionellen Galerien, gibt es im Gesundheitszentrum nicht. Alles läuft im Stillen, beinahe im Verborgenen ab. Im Gesundheitszentrum möchte man auf alles, was die tägliche Arbeit beeinträchtigen könnte, verzichten, der regionalen Kunst dennoch einen Platz einräumen und sie auch als Begleiter im Heilungsprozess sehen. Kunst soll versöhnen, trösten und aufmuntern.

Dass Künste therapeutische Potenzen besitzen, wird von vielen Experten auch nicht mehr angezweifelt. So können Bilder nicht nur die Wände in einem Gesundheitszentrum oder Krankenhaus schmücken. Sie können auch „wirken“.

Im Kunstswestthüringer sieht man die Galerie im Gesundheitszentrum freilich pragmatischer: „Wir sind sehr froh darüber, dass wir Künstler in diesem Haus willkommen sind. So können wir mit unserer Kunst auch den Menschen begegnen, die sonst nicht den Weg in eine Galerie finden würden“, sagt Judith Unfug-Leinhos, die Vorsitzende des „Kunstwestthüringers“. „Nischenkunst“ nennt sie solche kleinen Galerien.

 

In der nächsten Folge stellen wir die Galerie im Stadtmuseum Augustinerkloster in Bad Langensalza vor.

 

 

Steckbrief

Die Galerie im Gesundheitszentrum befindet sich am Forstberg, Damaschkestraße 8.

Die Öffnungszeiten sind analog der Sprechstunden in den Praxen, Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr; Freitag von 8 bis 12 Uhr.

Der Eintritt in die Galerie ist frei.

 

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