Komödiantisch durchgemixt

Posted by on 8. November 2011

Das Mondstaubtheater servierte mit „Shakespeare à la carte“ ein mörderisches Vergnügen.

Das erste Gastspiel des Ensembles aus Zwickau in Mühlhausen war restlos ausverkauft

Von Iris Henning

Mühlhausen. Sie intrigieren und manövrieren heucheln und meucheln und geben zum Schluss auch noch den Löffel ab. Ob Shakespeare, der große Dramatiker des 16. Jahrhunderts, auch nur im Leisesten geahnt hat, dass er einmal von modernen Theaterschaffenden komödiantisch durchgemixt werden würde?

Ob Hamlet oder Othello, Romeo und Julia, Cleopatra und Antonius, Römer oder Ägypter, in der 3K-Spielstätte Jakobikirche waren sie alle dabei und lieferten zudem noch die größte Seeschlacht der Antike. Das alles wurde im atemberaubenden Tempo serviert als „Shakespeare à la carte“ von gerade mal sechs Spielern des Mondstaubtheaters aus Zwickau. Als Köche und Kellner, Barkeeper und Putzfrau mimten sie aus Mangel an Schauspielern kurzerhand selbst die Helden der Shakespeare-Dramen und bereiteten eine köstliche komödiantische Verdichtung der Originale. Im temporeichen Szenenwechsel wurde gehauen und gestochen, verraten und verkauft, gemetzelt und geschrien und selbst das Publikum blieb mitunter nicht verschont.

Den Göttern sei Dank blieben alle unverletzt. Römer wie Ägypter erstanden wieder auf, Romeo und Julia ebenfalls und auch das Publikum blieb trotz Pfeilhagel und Messerattacken unverletzt. So starb niemand, es gab begeisterten Applaus und alle leben heute noch.

Trotzdem war es die letzte Vorstellung von „Shakespeare à la carte“. Das liegt nicht daran, dass das Stück abserviert werden müsste. Im Gegenteil. Fast in jedem Auftrittsort sind diese Vorstellungen des Mondstaubtheaters, während denen auch stets ein mörderisches Menü serviert wird, ausverkauft. Auch in Mühlhausen mussten die Platzkapazitäten im Zuschauerraum kurzerhand erhöht werden, so groß war der Andrang. Der Abschied von Shakespeare liegt daran, dass zwei der Spieler das Ensemble des Theatervereins verlassen. So hatten die mörderisch-komödiantisch interessierten Mühlhäuser gerade nochmal Glück gehabt, das Stück auf die Bühne zu bekommen.

Es war das erste Mal, dass das Mondstaubtheater aus Zwickau in Mühlhausen gastierte. „Wir haben das Ensemble während eines Theaterfestivals in Dresden kennengelernt und waren begeistert“, erklärte 3K-Spielleiter Bernhard Ohnesorge. „Die wollten wir unbedingt nach Mühlhausen holen und ich freue mich, dass die Vorstellung beim Publikum so mörderisch gut angekommen ist“, fügt er hinzu.

Das Mondstaubtheater ist ein Freies Theater, dass seit 1993 junge und junggebliebene Menschen in Tanz, Theater und verwandten Künsten ausbildet und mit ihnen gemeinsam Inszenierungen erarbeitet. Besonders in den letzten Jahren hat sich ein semiprofessionelles Ensemble herausgebildet, das mit Stücken wie “Shakespeare à la carte” weit über die eigene Region hinaus bekannt geworden ist. Ein Erfolgsstück ist ebenfalls „Rumpel Stil“, einer absurden Märchen-Farce über die wahre Geschichte des Rumpelstilzchens. Vielleicht kommt das Mondstaubtheater damit mal wieder nach Mühlhausen.

DIASCHAU

 

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