Einblicke in Arbeitswelten

Posted by on 20. September 2011
Sechs Künstler stellten während der Offene-Atelier-Aktion eine vielseitige Unstrut-Hainich-Kunstlandschaft vor.

Ein sammelleidenschaftliches Ehepaar aus Friedrichroda will mit einer Ausstellung Mut zur Kunst vermitteln

 

 

Von Iris Henning

 

Landkreis. Viele Menschen nutzten das vergangene Wochenende für einen Ausflug in die einzigartige Kunstlandschaft im Unstrut-Hainich-Kreis und darüber hinaus. Insgesamt hatten 60 Thüringer Ateliers geöffnet, sechs davon im hiesigen Landkreis: Reinhard Wand in Dachrieden, Marion Walther in Mühlhausen, Marie-Luise Leonhard-Feijen in Schlotheim, Petra Arndt in Volkenroda, Harald Stieding in Bad Langensalza und Siegfried Böhning in Bollstedt gewährten Einblicke in ihre Werkstätten.

Die meisten Gäste kamen, um zu schauen, zu entdecken und zu genießen. Besucher mit Kaufabsichten sind rar. „Da verkauft man nichts. Von Kunst kann man eigentlich nicht leben“, bemerkt Marie-Luise Leonhardt-Feijen wohl stellvertretend für die meisten Künstler. Leonhard-Feijen, die seit einigen Jahren Schlotheim als ihren Wohnort gewählt hat, ist neu in der Offenen-Atelier-Szene. Wie überall, wurde man auch bei ihr mit herzlicher Gastfreundschaft empfangen. In ihrem winzigen Atelier in einem Hinterhof in der Poststraße, das über eine steile, schmale Holztreppe zu erreichen ist, reichte sie Kaffee, kleine Häppchen und Kuchen. Aber auch wenn nichts, oder nur ein ganz klein wenig verkauft werde, sieht die Schlotheimerin es nicht als vertane Zeit, Kunst zu zeigen. „Ich möchte Neugier wecken und vor allem möchte ich Kontakte knüpfen. Dafür ist die Kunst sehr gut geeignet“, sagte sie.

So erlebt es auch Reinhard Wand aus Dachrieden. „Eigentlich sind die ‚Offenen Ateliers‘ fast immer nur Begegnungsstätten für Künstler und Kunstinteressierte“, sagt er. Und fügt an: „Ich wäre natürlich glücklich, wenn auch was verkauft würde. Aber ich freue mich auch über jeden, der sich für uns Künstler und unsere Arbeits- und Lebenswelt interessiert“.

Zu den stark Interessierten gehören Harald und Hannelore Preuster aus Friedrichroda. Die Kunstliebhaber und -sammler gehören seit Jahren zu den Stammgästen in den Unstrut-Hainich-Ateliers. Dieses Mal besuchten sie neben der Mühlhäuser Keramikerin Marion Walther und den Bollstedter Maler Siegfried Böhning auch die Arbeitswelt des Bad Langensalzaer Bildhauers Harald Stieding. „Für uns ist die Aktion ‚Offene Ateliers‘ eine schöne Zeit, Kunst zu erleben und zu genießen und mit den Machern derselbigen ins Gespräch zu kommen“, meint Harald Preuster.

So sieht es auch der Thüringer Verband bildender Künstler, der die Offenen Ateliers seit Jahren organisiert. Solche persönlichen Begegnungen wie in den Ateliers könne keine Galerie, kein Museum und wohl auch keine Messe bieten, heißt es von dort.

Das wissen Kunstliebhaber wie die Preusters aus Friedrichroda schon lange. Ihre ungebrochene Neugier auf Kunst und Künstler ist schon wesentlich älter als die Aktion „Offene Ateliers“. Bereits Mitte der 60er Jahre begannen sie, sich original Kunst zu gönnen. Wie aus Otto-Normal-Bürgern leidenschaftliche Kunstsammler werden können, das wollen die Friedrichrodaer demnächst in Bad Langensalza zeigen. Ausgewählte Exemplare ihrer mittlerweile umfangreichen Sammlung werden in der nächsten Ausstellung im Schloss Dryburg zu sehen sein. Harald Preuster wird während der Eröffnung darüber reden, wie er zur Kunst gekommen ist und wie er und seine Frau zu leidenschaftlichen Sammlern wurden. „Wir wollen zeigen, dass das möglich ist und anderen Mut machen, sich ebenfalls für Kunst und Künstler zu interessieren“, sagte er.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.