Poeten-Rap im Eiligst-Tempo

Posted by on 16. September 2011
Drei Wort-Akrobaten zeigten, dass selbst ein Kamm voller Poesie stecken kann

 

Von Iris Henning

 

Mühlhausen. „Ich bin Dalibur“ stellt sich der kahlköpfige, muskulöse Mann in Jeans und grauem Pullover vor. Und beginnt, im eiligen Rhythmus das Abc auf ungewohnt poetische Weise zu zelebrieren.

Dalibur ist ein Meister in diesem Fach. Er zählt zur Bundesliga der Rap-Poeten. Gemeinsam mit seinen Freunden Telhaim und Felix Römer, ebenfalls Bundesligisten in der Rap-Poeten-Szene, stand er jetzt auf der Bühne der 3K-Spielstätte in der Kilianikirche. Unmöglich Geglaubtes machten sie möglich: Sie begeisterten das Mühlhäuser Publikum so sehr für die Schönheit der Sprache, dass es lauten rhythmischen Beifall dafür gab.

Für Pablo-Neruda-Fans freilich ist diese Art von Lyrik nichts. Dalibur, Telhaim und Römer finden Stoff für ihre selbst verfasste Lyrik meist in trivial erscheinenden Alltagsszenen. Im irrwitzigen, ja akrobatisch anmutenden Sprechgesang bekommen bei ihnen selbst die scheinbar nebensächlichsten Dinge wie Taschenrechner, Kamm oder Streichhölzer eine Bedeutung. Den Text unterstreichen sie mit vollem Körpereinsatz. Vor allem der jungenhaft schlanke und etwas schlaksig wirkende Telhaim. Jeder seiner Szenen beginnt mit dem Schließen der Augen. Ein Bein vorn und ein Bein zurück gestellt, wippt er konzentriert vor und zurück, als wolle er jeden Moment lossprinten. Doch nicht der Mann sprintet. Es sind die Wörter, die aus seinem Mund herausexplodieren und die er so schnell auf sein Publikum prasseln lässt, dass diesem bald das Hören und Sehen vergeht. Und trotzdem ist es ein Genuss, diesem Mann, der ein wörterspeiender Vulkan sein muss, zuzuhören.

Dalibur und Telhaim gehören dem Trio „Word Alert“, das im Rhein-Main-Gebiet zu Hause ist, an. Aber auch als Duo sind sie in ihrer taktvollen Wortgewandtheit ein Erlebnis für die Zuschauer. Prosaische Szenen, Improvisation und Rapeinlagen verarbeiten sie mit spritzigen Elementen aus BeatBoxing, Freestyle und Gesang zu einer sehens- und hörenswerten Melange.

Eine wunderbare Ergänzung war ihnen der etwas ruhigere, aber durch und durch gewitzte Felix Römer. Alle drei zählen sich zur Szene der „Poetry Slam“

Die im provinzialen Städtchen Mühlhausen kaum bekannte Veranstaltungsform „Poetry Slam“ hat ihren Ursprung in den 80er Jahren in den USA und zog bald darauf um den ganzen Globus. Auch in Deutschland wird dieser außergewöhnliche Dichterwettbewerb immer beliebter. Mehr als hundert Veranstaltungen stehen jedes Jahr im Kalender – und wo ein großes Poetry Slam angekündigt ist, darf man sicher sein, dass das Word-Alert-Trio nicht weit ist. Beim German International Poetry Slam 2007, nur wenige Tage nach der Gründung von Word Alert, heimste es sich gleich den Vize-Titel im Team-Wettbewerb ein. Dieser Erfolg ist das Glück der Tüchtigen, denn die drei Poeten sind seit Jahren als Solokünstler auf deutschen Slam-Bühnen unterwegs, nahmen an Slam-Formaten wie Poetry Dead or Alive oder Boxslams teil, waren auf zahlreichen deutschen und internationalen Festivals, so in Bolzano Poesia, Augsburg Brecht Connected, Roma Poesia und beim Internationalen Literaturfestival Berlin.

Und wie kommen diese Poetry-Slam-Bundesligisten auf eine so kleine Bühne wie in Mühlhausen?

Das machten die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die Sparkasse Unstrut-Hainich und den Verein Lese-Zeichen in Zusammenarbeit mit dem Verein 3K möglich, die einmal im Jahr zu „WortKlang-Lyrik im Konzert“ einladen. „Aus großer Freude zur Poesie, die alles andere als langweilig ist. “, wie Sparkassen-Sprecher Andreas Frohn meint. „Wir wollen, dass das Publikum neu entdeckt, wie schön die deutsche Sprache ist“, fügt er hinzu. Begeistert äußerte sich auch der Sparkassen-Chef Christian Blechschmidt: „Dieser Abend war einfach faszinierend“.

DIASCHAU

 

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